
Zuhause bei den Nerds – Nonstopnerds @ Heimatdesign
- Serie: Kreative Klasse Ruhr
Vergangenen Donnerstag war die Vernissage zur aktuellen Ausstellung von Nonstopnerds bei Heimatdesign. Die Grafikdesign-Blogger präsentieren noch bis Ende des Monats Fotografien und kreative Arbeiten im Ausstellungsraum von Heimatdesign in Dortmund. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich umzusehen und mit den Grafikdesignern der neuen Generation über die Kulturhauptstadt zu sprechen.

Gegen 18.30 Uhr sind sowohl die Wände als auch der Raum des kleinen Ateliers am Hohen Wall rappelvoll. An den Wänden hängt wild und bunt eine Menge an Illustrationen, Grafiken, Zeichnungen und Fotografien. Da gibt es klassische grafische Arbeiten und Zeichnungen, viele Experimente mit Typografien, von Mitgliedern aus Thailand und Taiwan kommen mangaeske Fantasiefiguren im Kindchenschema. Im Raum tummelt sich ebenso wild und bunt die hippe und kreative Szene aus Dortmund und Umgebung. Gastgeber sind die Nonstopnerds, ein Kollektiv hauptsächlich Dortmunder Design- und Grafikstudierender, die sich 2008 zusammentaten, um sich in ihrem Blog auszutauschen und Inspiration in Output zu verwandeln. Zur Feier des Abends hält Reinhild Kuhn, einer der Köpfe von Heimatdesign, eine kurze lobende Rede, dann gibt es Sekt, dann wird geschaut, gequatscht, connected.

Neben vielen Designinteressierten und Hipstern sind auch einige der 23 Ausstellenden Künstler anwesend, und ich habe mein Diktiergerät dabei. Mich interessiert vor allem, was die Kreativen, die, die quasi täglich an der Front arbeiten, eigentlich von der Kulturhauptstadt halten.
„Ich finde das grundsätzlich eine super Sache, vor allen Dingen auch dass die gesamte Ruhrmetropole als eine Stadt mit einbezogen wird. Ich denke das geht in eine gute Richtung“ meint Daniel alias Bigadi Besif, der erst seit kurzem bei den Nerds dabei ist. Auch Nicklas alias Nicke Nice, der bereits in Berlin und Dortmund gelebt hat, sieht Potential im Ruhrgebiet: „Die ganze Kultur hier, zum Beispiel in Dortmund, ist vielleicht vergleichbar mit Berlin kurz nach der Wende. Mit den besetzten Häusern und so. Ich kenne auch viele Leute, die hier Hausgemeinschaften gegründet haben."
Annika und Sandra von YAWN sehen die Kulturhauptstadt als Chance für die Region. „Ich finde schon, dass das Ruhrgebiet viel Potential hat. Ich habe mich hier in Dortmund selbstständig gemacht, weil ich nicht nach Berlin gehen wollte wie alle anderen. Ich glaube auch, dass in den nächsten Jahren die Leute wieder zurück kommen oder gleich hier bleiben, weil hier auch viel Gutes entstehen könnte, wenn man sich mal zusammenrauft“ meint Annika. Ihre Kollegin Sandra ergänzt: „In letzter Zeit ist ja in Dortmund schon einiges passiert, mit Heimatdesign oder Pecha Kucha oder auch Nonstopnerds, das ist ein ganz guter Anfang.“
Drei aus dem Begründerteam von Nonstopnerds sind Timo Schulz alias Herrschulz, Dennis Wedding und David Latz alias Formfieber. Als Berufseinsteiger stehen sie dem Rummel skeptisch gegenüber. Für Kreative ist es hier trotz Ruhr.2010 kein Zuckerschlecken, wie Dennis aus eigener Erfahrung weiß: „Ich bin gerade in der Situation wo ich meinen Abschluss mache und Jobs suche – da gibt es hier nicht viel. Die meisten Jobs in unserer Richtung gibt es einfach in Hamburg oder Berlin, also in den typischen Zentren. Die Kreativjobs sind hier nicht so angesiedelt.“ Auch David kennt die Sorgen der kleinen Kreativen, die noch am Anfang stehen: „Wenn Leute mit 'nem frischen Abschluss keine Angst hätten, sich selbstständig zu machen, weil man zum Beispiel einfach nicht weiß, woher man die Kohle für ein Büro nehmen soll, dann wäre wahrscheinlich schon mehr los.“ Was sie interessiert, ist die Nachhaltigkeit der Kulturhauptstadtprojekte. „Es ist schön, dass jetzt der Fokus mal auf der Region liegt“, meint David, „allerdings bleibt die Befürchtung, dass nach 2010 vieles wieder verpufft.“ Timo ergänzt: „Man sollte das generell nicht nur auf 2010 beziehen. Im Ruhrgebiet gibt es jedes Jahr wieder Neues zu entdecken, weil es sich ständig transformiert.“

Die Gespräche gehen weiter, der Abend wird lang, und die Meinungen sind vielfältig. Gemeinsamer Tenor ist jedenfalls: Die Region hat Potential, aber es bedarf noch viel Arbeit, um sie als Zentrum für Kreative zu etablieren. Den ersten Schritt haben Nonstopnerds getan. Es werden weitere folgen.
Das gesamte Interview mit Timo, Dennis und David gibt es in den nächsten Tagen hier im Lab zu lesen. Die Ausstellung geht noch bis zum 27.2.
Fotos: Sven Neidig
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