Zeugnisse der Armut

Die Online-Ausstellung „Explore Poverty“ macht Armut sichtbar

Die Einkommen der Reichen wachsen, während das Armutsrisiko in Deutschland zunimmt – auch bei Menschen mit Arbeit. Laut des dritten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung gilt jeder vierte Deutsche als arm oder muss durch Sozialleistungen vor dem Fall unter die Armutsgrenze bewahrt werden. Vier internationale Museen machen das Thema Armut in Bildern, Filmen und Objekten greifbar – in der interaktiven Ausstellung Explore Poverty.

Die Kooperationspartner DASA - Arbeitswelt Ausstellung www.dasa-dortmund.de in Dortmund, das Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg, das Helsinki City Museum in Finnland und die Minnesota Historical Society mit Sitz in St. Paul, USA, füllen mit Explore Poverty den Armutsbegriff mit Leben und zeigen Armut in all ihren Ausprägungen und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten weltweit. Die interaktive Oberfläche haben Studierende der Köln International School of Design (KISD) gestaltet.

Stätten der Armut
In vier Teilen der Welt können die Lebenswelten auf einer digitalen Fotowand erkundet werden: anhand von historischen und zeitgenössischen Objekten, Videos und rund 150 Dokumenten aus den Sammlungen der Museen. Zehn Leitfragen erschließen das Material, zum Beispiel „Wie sieht eine arme Person aus?“, „Ist Armut sichtbar?“ oder „Wie passen sich Menschen an einen niedrigen Lebensstandard an?“. Zu jeder Frage bieten die Museen dem Besucher drei bis fünf Fallbeispiele. So zeigt etwa Patrick Galbats Serie „Objects“ von 2007 Fotos der Tascheninhalte Obdachloser und ihre persönliche Geschichte am Luxemburger Bahnhof.
Tascheninhalt einer obdachlosen Person am Luxemburger Bahnhof Foto aus der Serie Objects von Patrick Galbats, 2007, 53, Ex-Fremdenlegionär, seit dem Alter von 14 Jahren unterwegs, seit mehreren Monaten in Luxemburg. © Patrick Galbat
Mann, der in den Straßen von St. Paul um Geld bettelt, 1925. © Minnesota Historical Society
Ein anderes Foto der Minnesota Historical Society von 1925 zeigt, wie sehr sich die Bilder Bettelnder in den Städten über die Jahrzehnte hinweg immer noch ähneln. Die Quellen des Portals reihen sich aus dem 18. Jahrhundert bis in die Jetztzeit aneinander.

Explore Poverty zeigt auch, dass mit dem Armutsbegriff nicht zwangsläufig die Frage des Geldes einhergeht: Eine braune Ordenstracht von luxemburgischen Franziskanerinnen etwa zeigt, dass Armut auch freiwillig gewählt wird.

 

Armut ist ein globales Thema
„Wir verstehen uns als Plattform, die Anregungen geben soll. Wir wollten zeigen, dass Armut von den äußeren Umständen und Einflüssen abhängt und dass sich Armut ganz unterschiedlich äußern kann“, so Marcus Starzinger, Sammlungs- und Projektleiter in der DASA. „Armut betrifft jeden von uns und ist zudem ist ein globales Thema. Deshalb haben wir die Ausstellung als Kooperationsprojekt realisiert, das das Thema über die Landesgrenzen hinweg zeigt. Ich selbst habe zum Beispiel gelernt, dass Finnland – heute ein vergleichsweise wohlhabendes Land – früher unter extremer Armut litt, wobei Luxemburg erst in jüngster Zeit vermehrt von Armut bedrängt ist. Soziale Verhältnisse verkehren sich in der heutigen globalisierten Welt sehr schnell.“

Die flashbasierte Site bietet eine Fülle von Material, das über die Maus gesichtet werden kann. Eine intensive Erforschung des Portals ist aber vonnöten, um die Struktur der Ausstellung in seiner Ganzheit zu erfassen. Die Ausstellung ist noch bis mindestens Ende des Jahres 2013 zu sehen.

Di, 24.04.2012 0

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04.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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