Wirklichkeit oder Manipulation? Işıl Eğrikavuk

In ihren Videos zeigt Işıl Eğrikavuk aus Istanbul Möglichkeiten auf, die den Betrachter zur genauen Betrachtung auffordern. Sie zeigt Interviews zu unterschiedlichen Themen, in die sie aktiv eingreift. So stellt sie die Frage nach Information und Manipulation. Mit ihren Arbeiten will sie Denkgewohnheiten brechen.

Die Künstlerin und Journalistin hinterfragt Sprache und Bildeindrücke und setzt sie neu zusammen. Dazu nutzt sie Video und Performance als Mittel, Realität und Fiktion zu mischen. Eines ihrer Interviews ist gerade im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zu sehen.

Wahrheit oder Manipulation?

Es zeigt eine Nachrichtensprecherin aus St. Louis im Gespräch mit dem irakischen Wissenschaftler Abdul Nabi. Er wird zu seinen Forschungsergebnisse zur Vogelgrippe befragt, aber auch zu seinen Erfahrungen im Irakkrieg und seiner Umsiedlung in die USA.

Die Szenen werden von Fimausschnitten unterbrochen, die zeigen, wie die Künstlerin Abdul Nabi auf dieses Interview vorbereitet. So sind seine Antworten während des Interviews als inszenierte Geschichte verdeutlicht.

Infamous Bibliothek

Işıl Eğrikavuk sieht das Hintergründige hinter den Geschichten und deckt es auf. In ihrem Video 'Infamous Bibliothek' aus dem Jahr 2007 etwa zeigt sie einen Mann, der entführt und zwei Jahre in einer Bibliothek gefangen gehalten wurde.

Er redet darüber, wie er das Trauma verarbeitet hatte. Aber sie verwirrt ihn mit Fragen. Zwischendurch wird das Bild gestört, das Publikum aus dem Redefluss gerissen.

Zufällige Schlagzeilen

Eine weitere Arbeit beschäftigt sich mit Schlagzeilen der amerikanischen Presse, die aus ihrem historischen und geografischen Zusammenhang gerissen wurden. Işıl Eğrikavuk untersucht die Geschichten und deren Berichterstattung und erzählt sie in einem neuen Kontext.

Mit Sprache und Geschichtsfetzen entsteht eine neue, konstruierte Wirklichkeit. Mit dieser wiederum entstehen neue Fragen. So bleiben alle von ihr initiierten Prozesse im Fluss.

Erwartungen brechen

Sie bricht, will aber anonymisierte Ereignisse wieder zurück holen zu den Menschen. Sie zeigt sich selbst in ihren Arbeiten, um zu personalisieren. Die Geschichten sind tragisch und bedienen Sensationsgelüste - mit der Präsenz der Künstlerin bekommen sie Gesicht und Emphase.Zur Zeit ist Işıl Eğrikavuk Gast des Hartware MedienKunstVerein und des Dortmunder Künstlerhauses. Sie bleibt bis September. Gefördert wird ihr Aufenhalt von 'My City 2010'. Außerdem ist sie bei 'ISEA, International Symposium on Electronic Art' präsent.
 

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Mo, 30.08.2010 0

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04.12.2009

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