"Wir würden gern zurückkommen" - Interview mit Ruben Jonas Schnell (ByteFM), Teil I

Musikjournalist und ByteFM-Initiator Ruben Jonas Schnell
Musikjournalist und ByteFM-Initiator Ruben Jonas Schnel Foto: ByteFMl
In seiner Heimat Hamburg ist das Webradio ByteFM schon seit langem die Adresse in Sachen anspruchsvolle Popmusik. Während des Kulturhauptstadtjahres gab es einen Ableger des Senders im Ruhrgebiet, der aber nach 2010 wieder eingestellt wurde. Sven Stienen traf den Musikjournalisten und ByteFM-Initiator Ruben Jonas Schnell in Hamburg und sprach mit ihm über ByteFM Ruhr, den Blick eines Hanseaten auf das Ruhrgebiet und darüber, was Großsstädte lebendig macht. Teil 1 des Interviews

Beschreibe mal mit eigenen Worten, was ByteFM für Dich ist.


Ruben Jonas Schnell: ByteFM ist unser Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ein Musikradio, das sich den ganzen Tag mit Popmusik auseinandersetzt, sie ernst nimmt und nicht als „Kleber“ begreift, um Werbespots zu verkaufen. Wir haben ein moderiertes Musikprogramm von inzwischen knapp 100 Autoren, die die Sendungen frei nach ihrer Fasson gestalten, und mit dem ByteFM Magazin dazu einen redaktionellen Überbau in Hamburg.

Wie finanziert sich ByteFM?

Wir hatten mit Panasonic von vornherein einen großen Sponsorpartner im Boot, ohne den das Projekt nicht möglich gewesen wäre. Darüber hinaus gibt es dezente Werbebanner auf unserer Startseite, die ebenfalls zur Finanzierung beitragen. Außerdem gibt es seit etwa 18 Monaten den Förderverein „Freunde von ByteFM“. Damit rufen wir als nicht gebührenfinanziertes Modell unsere Hörer auf, uns zu unterstützen. Den Mitgliedern bieten wir im Gegenzug Verlosungen von Konzertkarten oder CDs und Zugriff auf das ByteFM-Archiv.

Wie kam es zu Byte FM Ruhr?

ByteFM Mixtape Logo
ByteFM Mixtape Logo
Ich hatte von der Kulturhauptstadt gehört und habe den Kontakt gesucht. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und ich habe im Gespräch mit Bernd Fesel und Katja Lucker angeregt, auch in der Ruhr-Region ein Studio zu eröffnen. Das passte ganz gut und ich glaube, dass es reizvoll für Ruhr 2010 war, mit einem – damals Grimme-prämierten – Projekt zusammen zu arbeiten, das in der Lage ist, die Inhalte von Ruhr 2010 über die Region hinaus in die Welt zu tragen.

Nach 2010 wurde das Studio Ruhr wieder aufgegeben – Gab es denn Überlegungen, das Studio zu behalten, oder war die Zusammenarbeit von vornherein zeitlich begrenzt angelegt?

Es war auf jeden Fall längerfristig angedacht und ich hätte das toll gefunden. Aber letztendlich gab es keine Finanzierung dafür. Es wäre aus meiner Sicht immer noch wünschenswert, ich würde gern zurückkommen, wenn man uns dabei unterstützen würde. Ich glaube auch, dass das Projekt im Ruhrgebiet weiterhin funktionieren würde, aber wir können nicht aus eigener Kraft ein Studio dort finanzieren.

Du hast das Ruhrgebiet damals ganz neu entdeckt – wie war denn Dein Eindruck?

ByteFM Studio
Blick ins ByteFM Studio Foto: ByteFM
Als Oliver Stangl und ich erstmals mit dem Auto runtergefahren sind, um Equipment nach Bochum zu bringen, war das schon beeindruckend. Du fährst da rein und siehst auf einmal tatsächlich alte Zechen und hast das Gefühl, wirklich in eine andere Region mit einem ganz eigenen Flair zu kommen. Das habe ich als Bereicherung empfunden. Wir hatten unser Studio im Medienhaus in Bochum und die Nähe zu der Stadt ist hauptsächlich durch Direktkontakte zu den Leuten vor Ort entstanden.

Welche Ähnlichkeiten oder Unterschiede zur Hamburger Szene sind Dir besonders aufgefallen?

Eine aktive Musikszene ist im Ruhrgebiet vorhanden und sie ist der in Hamburg ganz ähnlich. Läden wie das Subrosa in Dortmund sind ähnlich wie etwa die Astrastube hier und ich fühle mich dort gleichermaßen wohl. Ich glaube, dass es ein paar Mentalitätsunterschiede gibt, wie es die auch zwischen Hamburg und Berlin oder zwischen Hannover und Freiburg gibt. Aber vor allem sehe ich eine Verwandtschaft zwischen Leuten, die dort für dieselbe Sache brennen wie hier.



Fotos: ByteFM


 

Mi, 13.07.2011 0

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19.01.2010

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