
"Wir sind ja kein Club"
Interview mit Tanja Dröge vom clubcafé ruhrclubbing in Bochum
- Serie: INTER.view
Seit November 2011 haben Tanja und Dirk Dröge mit ihrem clubcafé ruhrclubbing der Rottstraße eine neue Anlaufstelle für die Szene beschert. In 70ies-Ambiente und bei elektronischer Musik gibt es hier Drinks, Ruhrpott-Spezialitäten und interessante Leute. Im Interview spricht Tanja Dröge über ihren Laden, das Rott-Viertel und ihre Pläne für 2012.

Tanja Dröge: Wir wollten einen Ort schaffen, wo die Leute gezielt hinkommen um sich zu verabreden und elektronische Musik zu genießen. Wir haben auch in anderen Vierteln geguckt, aber ich wusste, dass hier momentan die Szene hinkommt. Dann haben wir das Lokal hier gefunden und es passte halt einfach.
Habt ihr euch in der Nachbarschaft schon gut eingelebt?
Mit dem Martin vom R15 haben wir sehr guten Kontakt, wir wollen auch mal etwas zusammen machen, um 2012 zu zeigen dass es in Bochum noch etwas anderes gibt als das Bermuda-Dreieck. Wir hoffen auch, dass sich noch mehr Gastronomien und Szene-Aktivisten hier niederlassen werden. Die Stadt will die Rottstraße auch ausbauen, mit einem Grünstreifen in der Mitte und einer Fußgängerzone. Aber bei der aktuellen Haushaltslage ist das natürlich so eine Sache, da muss man mal abwarten.
Gibt es auch Schnittstellen zwischen euch und den alteingesessenen Geschäften hier, etwa der Rotlichtszene?
Mit dem Rotlichtmilieu haben wir keinen Kontakt, aber ich fände das auch spannend, wenn man vielleicht in einer Tabledance-Bar mal eine Party machen könnte oder so. Ich fände auch ein gemeinsames Straßenfest mal sehr interessant. Ideen sind viele da und wir werden das dieses Jahr auch mal angehen.
Wie ist das Verhältnis zu den Nachbarn?
Eigentlich gut. Aber es hat natürlich seine Schwierigkeiten, denn man hat ja sein Konzept an dem man hängt und versteht auf der anderen Seite auch die Anwohner. Wir machen am Wochenende bis maximal 3 Uhr und mussten auch schon mehrmals unsere Anlage umrüsten, weil die vorher auf einen Club ausgelegt und viel zu laut war. Normalerweise sind die Leute hier aber sehr nett. Die rufen nicht sofort die Polizei, sondern kommen auch mal runter und dann einigt man sich. Die meisten sind auch sehr jung, viele Studenten.

Bei Bochum-Stahlhausen denkt man doch eher an die alten Malocher …
Man denkt ja, das wäre hier so ein Szenelokal für Clubgänger, aber das stimmt gar nicht. Das Publikum ist sehr gemischt, hier kommen auch mal ältere Herren rein, die einfach ein Pils trinken wollen. Die 50 – 60-Jährigen treffen hier auf die jungen Leute und Clubber, das macht echt Spaß.
Wie reagieren denn die älteren Stahlhausener auf euch?
Die freuen sich total, deswegen unterstützen sie uns auch. Wir haben hier Stammgäste vom ersten Tag an, die kommen her, quatschen mit den jüngeren Leuten und können sich auch mit der Musik anfreunden. Das sind so richtige Ruhrpottler, echt witzig.
Wie sind eure Erfahrungen mit der Stadt Bochum?
Wir haben ja noch nicht so lange auf, deswegen haben wir da bisher keine Probleme. Unsere Schankkonzession haben wir vom Vorbesitzer übernommen, die ist an den Laden geknüpft. Letztens hatten wir die Abnahme und das lief alles Ok.
Gibt es keine Probleme wegen des Club-Konzeptes?
Wir sind ja kein Club, das ist ganz wichtig. Das verwechseln die Gäste auch oft und ein Problem ist, dass sie teilweise erst sehr spät kommen und sich auch über die niedrige Lautstärke beschweren. Das ist schwierig, man muss den Leuten erst mal klarmachen, dass das hier eine Bar ist. Aber ich denke das wird irgendwann auch ankommen.

Für uns ist es leichter, weil wir keine richtige Küche haben, sondern nur einen kleinen Vorbereitungsraum. Martin hat es da schwerer, weil er eine Küche hat und auch noch Veranstaltungen wie Lesungen machen will. Besuch von der Stadt hatten wir aber auch schon. Die Beamten haben sich erkundigt, ob hier eine Disco oder Tanzveranstaltungen stattfinden werden – was wir verneint haben. Damit ist die Sache klar.
Blickt ihr optimistisch in die Zukunft?
Ja, auf jeden Fall. Wenn der Martin es mit seinem Konzept schafft, wird das noch weiteren Schwung reinbringen. Das Absinth ist ja auch da, und die Rottstraße 5, und im Sommer stelle ich mir das sehr schön vor, wenn die Leute hier runterkommen und das Viertel beleben.
Fotos: Sven Neidig
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