"Wir irren des Nachts im Kreis umher"
Hardy Bock, Hiroshima Bosch & Isabella Klasen in der Galerie ,Jetzt am Dellplatz" in Duisburg
Die Duisburger Galerie ,Jetzt am Dellplatz' ist ein Ort für Gegenwartskunst. Galerist Gerd Salasse nutzt seine Kontakte in die Kunstszene und beweist dabei Gespür für ausdrucksstarke Kunst. Nach der erfolgreichen Ausstellung des Street-Art Künstlers Leo Namislow und eine Stipvisite bei der C.A.R. zeigen nun drei Mitglieder der im Ruhrgebiet einflussreichen Mülheimer Kunstgruppe Artenoir/Zeitgenossenschaft ihre neuen Arbeiten.

Schon 2005 gründete sich aus Artenoir der Verein "ZeitgenossenSchafft" (u.a. mit Jan Ehlen/Shiny Toys), 2006-2008 betrieb der Verein die Galerie "KMH" in Mülheim. Nach deren Ende traf der Künstler Hardy Bock bereits 2008 auf Gerd Salasse und realisierte in dessen neu-eröffneter Galerie seine erste große Einzelausstellung. Bei seinem mittlerweile dritten Auftritt in der Galerie "Jetzt am Dellplatz" hat er sich mit Hiroshima Bosch (Sabrina Seppi) und Isabella Klasen zwei Freunde aus der Artenoir Zeit an den Duisburger Dellplatz geholt.

Das Düstere ist aus den Bildern nicht gewichen, doch liegt "dieses Faible für die Farbe Schwarz meist im Auge des ängstlichen Betrachters, der in den Dämonen die Engel nicht erkennt" (T. Klaus) Aus den Bildern blicken uns Tiere und Menschen an- ein weißer Hirsch, ein blut-triefender Hasenkopf oder, wie im Falle von Hardy Bock, der Künstler selbst. In seinem vierteiligen Selbstporträt "Frühling, Sommer, Herbst und Tod oder der narzisstische Eifer" hat er sich selbst im Kreis der Jahreszeiten gemalt.
Von der Schulter des Künstlers erhebt sich ein Vogel, der nach kurzem Auffliegen bereits wieder als Skelett auf dieselbe Schulter zurückkehrt. "Ich wollte herausfinden, ob sich meine Stimmungen im Kreis der Jahreszeiten abbilden lassen. Der Vogel ist dabei rein surreale Erfindung."
Objet trouvès & Normativitätskritik
Die Künstlerin Isabella Klasen arbeitet mit Fundstücken. Die meisten, der von ihr vorgestellten Bilder sind Übermalungen vorheriger Werke. Wie Bock und Bosch verarbeitet sie gerne Spanplatten, Relikte von Möbeln oder auch zweckentfremdete Haushaltselektronik. Bei Klassen findet sich ein Pferde-Objekt mit einem Stromstecker an Stelle eines Kopfes. Eine entsprechende Steckdose findet sich in einem Bild von Bock nebem einem feinen Leguan.

Die letzten Avantgardismen
"Wir irren des Nachts im Kreis umher", der Titel der Ausstellung ist der Titel des letzten Films des französischen Situationisten und Kunst-Theoretiker Guy Debord. Im Katalog der Ausstellung heißt es, dass die Künstlerinnen versuchen dessen Suche nach "revolutionärer Veränderung menschlichen Lebens" wieder aufnehmen wollen. Debord wollte zu diesem Zweck die Kunst in der Verwirklichung aufheben und war selbst Teil der letzten bedeutenden Avantgarde-Bewegung. Die Rückbezüge zu den klassischen Avantgarden sind in der Ausstellung offenkundig, der revolutionäre Geist bleibt meist implizit.
Die Ausstellung ist noch bis zum 27.11.2011 zu sehen.
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