Wetterbericht - Auf Entdeckungsreise in der Kulturhauptstadt Wetter

In der Hoffnung auf eine erfrischende Abkühlung breche ich an einem sonnengetränkten Sommertag auf gen Witten, um vom Ufer der Ruhr aus ins kühle Nass zu gelangen. Infolge fehlender Ortskenntnisse und der mehrfachen Hinweisschilder, dass das anvisierte Gelände wahlweise Privatgrundstück eines Ruder- oder Kanuclubs sei, geht mein Plan jedoch gründlich daneben.

Stattdessen finde ich mich urplötzlich an einem Ort wieder, den ich bis dato nur als Bahnhofs-Haltestelle auf dem Weg in Richtung Hagen wahrgenommen hatte...

Es folgt ein Wetterbericht:

Kaum passiere ich das Ortseingangsschild, fühle ich mich von einer Hinweistafel gleich magisch angezogen. Unbeirrt folge ich den bräunlichen Pfeilen, die mich halbgeradewegs in die, beziehungsweise zur "Freiheit" führen sollen. Am Ziel angekommen, erblicke ich das Antlitz der links abgebildeten evangelischen Kirche.

Gleich in der Nachbarschaft (Burgstraße) befindet sich das Harkorthaus, das nicht nur dem werten Freiherr von und zum Stein ein Dach über dem Kopf bescherte, sondern auch schon als Schule und Jugendherberge, sowie dem Namensgeber Friedrich Harkort zwischen 1835 und 1860 als Wohnstätte diente. Heute residiert hier das Stadtarchiv und die Stadtverwaltung. Man beachte (im Teaserbild) die arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 12 Uhr.

Es ist selbstredend naheliegend, dass zu einer Burgstraße auch eine Burg gehört. Die Mitte des 13. Jahrhunderts gebaute Burg Wetter war dem Grafen von der Mark seinerzeit eine bedeutsame Festung. Der bereits erwähnte Freiherr von und zum Stein leitete Ende des 18. Jahrhunderts von hier aus das Märkische Bergamt. Später (1825) stellte die Mechanische Werkstätte Harkort und Co. an Ort und Stelle die ersten deutschen Dampfmaschinen her. Viel davon zu sehen gibt es zwar nicht mehr, aber immerhin der Burgturm ist erhalten geblieben.

Was bei mir auf besonderes Interesse stößt, ist der Verweis auf einen "Aussichtspunkt". Zwar ist dieser zunächst schwer zu finden, der folgende Ausblick auf und über den Harkortsee, den der Ruhrverband Essen zu Ehren des Namensgebers 1931 staute, entschädigt dann aber für die vorangegangene Spurensuche.

Am Ufer des Harkortsees findet sich dann auch folgende Gedenktafel:

Freiherr von und zum Stein hat zwar keinen See gestiftet bekommen, wohl aber eine Statue neben dem Rathaus. Vor der "Amtsstube" hängt ein arg vergilbtes und an einer Straßenlaterne befestigtes Halbjahresprogramm des Kulturzentrum Lichtburg.

An der Uferpromenade gibt es dann zum Abschluss der erkenntnisreichen Spontanexkursion quer durch die Stadtgeschichte von Wetter ein wohlverdientes Eis. Zwei Kugeln (Ananas und Mokka) im Becher. Lecker!

Wetter ist vom 14.-20. November Local Hero der Kulturhauptstadt.

Fotos: Michael Blatt

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Mi, 30.06.2010 7

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Kommentare

Zurück in Wetter

Okay, ich bin einmal um den See rumgekommen. Allerdings war nach 53min und knapp neun Kilometern die Luft raus und die letzten ca. drei Kilometer mussten entkräftet im Spaziergang bewältigt werden. Im Nachhinein war es wohl wirklich keine allzu gute Idee, ausgerechnet nachmittags um 16h bei 30° durch die Gegend zu sporteln.Schade, dass Philip keine Zeit hatte, denn einen Wasserträger hätte ich gut gebrauchen können.

Eines sei an dieser Stelle aber gesagt: Wetter, ich komme wieder...bei zehn Grad weniger zum zweiten Anlauf!

An und für sich übrigens eine größtenteils schöne Strecke. Besonders die erste Hälfte vom Startpunkt Wetter aus im Uhrzeigersinn bis nach Herdecke. Immer ganz nah am Wasser entlang im Schatten der Bäume.

Ach ja, aus dem Augenwinkel heraus meine ich erkannt zu haben, dass das Halbjahresprogramm der Lichtburg am Rathaus pünktlich ausgetauscht worden ist :)

Die Redaktion könnte aber

Die Redaktion könnte aber auch ruhig mal mehr Einsatz zeigen ;-) Dann sag mir mal Bescheid, ob ich rum komm weiß ich nicht, aber um ne schöne Überschrift zu finden, reicht meine Fitness allemal.

"No Sports"

Vielen Dank für die liebe Einladung, aber um die körperliche Fitness besagter Redaktions-Autorin ist es leider so gar nicht gut bestellt. *g*
Viel Spaß beim Schönwetterkulturhauptstadtjogging! :)

Kompromiss?

Als "Kompromiss" habe ich "Local Hero Stadt" durch "Kulturhauptstadt" ersetzt. Das beschreibt die Stadt jetzt zwar auch nicht näher, klingt jedoch schöner und unterstreicht gleichfalls nochmal, dass RUHR.2010 nicht an den Grenzen der Großstädte aufhört.

Davon abgesehen glaube ich, dass zwei Stunden Aufenthalt zu wenig sind, um der Stadt ein explizites Attribut verpassen zu können. Vielleicht liest jemand aus Wetter diesen Beitrag und fühlt sich berufen, uns da auf die Sprünge zu helfen.

Wie schaut es denn mit der Fitness der Redaktions-Autorin aus? Ich habe bei meinem ersten Besuch den Entschluss gefasst, in naher Zukunft ein weiteres Mal nach Wetter zu fahren und dann den Harkortsee im Joggingschritt zu umrunden...

Überschrift

@philip: Berechtigter Einwand.
@Michael Blatt: Schönes Wortspiel, leider als Stand-Alone-Überschrift tatsächlich nicht informativ genug, damit die Wetter-Interessierten den Artikel z.B. in einer Suchmaschine finden.
Welches Attribut passt denn aus eurer Sicht gut auf die Stadt (Die Autorin dieser Zeilen war noch nie dort)? Überschriften lassen sich ja ändern. :)

Pardon, aber...

da wasche ich meine Hände in Unschuld und reiche deinen Einwand an die Redaktion weiter. Ursprünglich hieß die Überschrift schlicht "Wetterbericht". Gut, da mag zunächst kaum einer checken worum es geht, aber den Wortspiel-Gag wollte ich mir nehmen lassen.

Auf Entdeckungsreise in der Local Hero Stadt Wetter?

Local Hero Stadt taugt ja nun wirklich nicht als nähere Beschreibung einer Stadt im Ruhrgebiet. Das ist ja fast wie "Der unverheiratete Junggeselle"

Über den Autor

05.01.2010

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