
Nicole Simon: Wenn Woodstock zum Spring Break wird
Auf dem South by Southwest Interactive Festival haben namhafte Firmen und Ideen ihren Durchbruch erlebt
Ein Gastbeitrag von Nicole Simon. Fünf Tage in Austin, Texas, neun Veranstaltungsorte, 2.600 Sprecher für 1.559 Sessions und Panels, knapp 25.000 registrierte Besucher und mindestens noch einmal genauso viele Besucher ohne Badge, unzählige Parties und Events in Laufweite rund um das Convention Center plus eine unerträgliche Anzahl von Tweets für Daheimgebliebene – das war das South by Southwest Interactive Festival 2012.

Mit dem vorhersehbaren Ergebnis dass jedermann in Austin sein persönliches Woodstock erleben wollte – und stattdessen lange Schlangen und überfüllte Sessions vorfand und über die wirklich coolen Parties in Echtzeit auf Twitter nachlesen konnte.
Social skaliert nicht 
Das Herz von SXSWi ist das Austin Convention Center; direkt gegenüber liegt das Hilton, in dem dieses Jahr der Startup-Track stattfand. Beide Orte zeigten über die Tage zusammen knapp zweitausend Besucher eingecheckt (und man kann davon ausgehen, dass ein großer Teil der Besucher diese Anwendung benutzt). Die anderen Orte? Gut gemeint, aber viel weniger besucht.

Was für Film und Musik mit verteilten Vorführungen und Konzerten sowie Auftritten in Bars funktioniert, klappt für Interactive nicht: Die Sessions sind das Äquivalent für Konzerte und der Besucher will daran teilhaben – hier müssen die Betreiber das Konzept neu überdenken und im Zweifel lieber reduzieren und externe Alternativen anbieten. Keine einfache Aufgabe
„Jumping the shark“ ist ein Begriff, der gerne verwendet wird, wenn etwas seinen Zenit überschritten hat und das trifft auf SXSWi sicherlich zu. Von einigen dieses Jahr besonders spöttisch „Spring Break for Geeks“ genannt, konnte man vor allem auch eine Zunahme der sogenannten „booth babes“ und Party Girls und Groupies beobachten – immer ein Zeichen für mehr Mainstream.
Will man da trotzdem hin? 
Für mich ist SXSW immer noch die Veranstaltung, wo ich mich für ein paar Tage wie ‚ein jedermann‘ fühlen kann: Wildfremde Menschen im Bus ansprechen und sich sicher sein, dass sie sich für ähnliche Dinge interessieren. Wo man um den Stecker im Café kämpfen muss. Und wo ich all die Menschen, die ich sonst nur auf meiner Timeline sehe, ‚in echt‘ treffen kann. Denn so sehr wir alle virtuell mögen und schätzen, möchten wir uns immer noch am liebsten in „Real D“ sehen. Statt überlaufener Parties am Abend konzentriere ich mich auf Frühstücksveranstaltungen und organisiere Dinner mit (adhoc) Freunden.
Es ist kein Woodstock mehr. Aber wenn für ein paar Tage in 2013 wieder zehntausende von Gleichgesinnten nach Austin kommen, bin ich eine davon.
PS: Dringender Tipp – wer SXSWi besuchen will, muss im Sommer ein Ticket kaufen, sobald diese verfügbar sind. Nur so ist eine Buchung eines Hotelzimmers möglich. Sämtliche Hotels sind vom Festival belegt, alternativ sind nur Buchungen über Airbnb oder privat möglich.
Fotos: (c) Nicole Simon
Kommentar hinzufügen
Empfohlene Beiträge
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets





































