Inception - Wirklich, echt? Filmempfehlungen zwischen Träumen und Wachen

Christopher Nolans Traum-Thriller Inception mit Leonardo DiCaprio ist der überraschendste Blockbuster des Sommers. Selten muss sich das Mainstream-Publikum durch solch komplex-verwobene Erzählebenen arbeiten. Ein paar Tipps, um dort anzusetzen.
 


Dass Regisseur Nolan nicht nur anspruchsvolle Blockbuster-Unterhaltung wie Batman Beginns und The Dark Knight erschaffen kann, sondern in seinen Filmen auch virtuos die Erzählebenen gegeneinander ausspielt, bewies er bereits in Filmen wie Memento oder Prestige.

Inception - Die Erde wölbt sich
Inception - Die Erde wölbt sich


Wer auf den Geschmack gekommen ist, dem seien hiermit weitere Werke aus dem Komplex: Traum-Realität-Erinnerung empfohlen. Zuschauerfreundlich, nach steigendem Schwierigkeitsgrad geordnet.

 

Einsteiger:

Matrix (1999)

Der postmoderne Popcorn-Klassiker. Für das Actionkino der 00er-Jahre so wichtig wie Terminator 2 für die 90er. Setzte neue visuelle Standards und verband diese mit einer philosophischen Grundidee, die sich stark an Fassbinders Welt am Draht anlehnt: Die Welt wie wir sie kennen als Computer-erzeugtes Simulakrum.

Die Unterscheidung der Bewusstseins-Ebenen ist durch- und nachvollziehbar, auch für Filmfans mit Hang zur konventionellen Erzählweise.



Fortgeschrittene:

eXistenZ (1999)

David Cronenberg geht die Sache etwas komplexer, etwas provokativer an. Hier bewegen sich Jude Law und Jennifer Jason Leigh nicht in ihren Träumen sondern in den virtuellen Realitäten eines Videospiels. Was ist wahr, was ist erdacht? Dunkler und surrealer als Matrix, aber auch tiefgründiger und verstörender. Wie gemacht für den Philosophieunterricht, sofern die Teilnehmer bereits 18 Jahre alt sind...



Fortgeschrittene II:

Synekdoche, New York (2008)

Drehbuchautor Charlie Kaufman hat mit seinen Skripten zu Being John Malkovich, Adaptation (Adaption) oder Eternal Sunshine Of A Spotless Mind (Vergiss‘ mein nicht) den postmodernen Film des neuen Jahrtausends schwindelig geschrieben. Sein Regiedebüt ist weniger verspielt und leicht wie die Umsetzungen seiner Bücher durch Jonze und Gondry, dafür geht es umso tiefer. 

Philip Seymour Hoffmann spielt den Theaterregisseur Caden in der (Mid)life-Crisis, der sich - verlassen von Ehefrau und Kind - das eigene Leben als riesiges Theaterstück nachbaut. Und so muss das Theaterstück natürlich auch im Theaterstück nachgebaut werden... Hier verschwimmen nicht nur Traum und Realität sondern auch Traum und Traum und Realität und Realität. Hochkomplex und ergreifend. Letztendlich eine Abhandlung über das Leben des Individuums in dieser, unserer Welt.


 

Experten:

Mulholland Drive (2001)

Wie für Lynch üblich, sind für den Zuschauer die Abgrenzungen der Realitäten nicht mehr nachvollziehbar. Seine Filme sind einzige Traumbilder, und rätselhafte, niemals entschlüsselbare Kunstwerke, die immer wieder zu neuen Interpretationen herausfordern. Das Spiel mit Identitäten, Archetypen, Reflexionen über Film und Leben - Lynch legt das System „Film“ offen wie Godard, lässt es aber gleichzeitig so mysteriös und undurchschaubar erscheinen, wie es nun einmal ist.


 

Profis:

Letztes Jahr im Marienbad (1961)

Christopher Nolan gibt im Spiegel-Interview zu: „Die Parallelen sind offensichtlich. Dabei kannte ich ihn gar nicht!“

Alain Resnais verfilmte ein Drehbuch des Autors Alain Robbe Grillet, und übersetzte damit die Struktur des Nouveau Roman auf Film. 

In der erstarrten Umgebung eines Barockschlosses versucht ein namenloser Mann eine ebenso namenlose Frau davon zu überzeugen, dass sie sich bereits vor einem Jahr getroffen hätten, und sich zu einem erneuten Treffen verabredet hätten. Die Frau kann oder will sich jedoch nicht erinnern. 

Visuell von Surrealisten wie Magritte beeinflusst ist der Erzählton des Films ein stream-of-consciousness-Ritt durch Träume, Erinnerung und Realität. Ein Filmkunstwerk das fordert, aber auch fasziniert.




Fotos:
Warner Bros. Pictures

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Di, 24.08.2010 4

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Kommentare

Review

Nein, ich meinte, eine überzeugendere Review als meine - nicht als die deine, die ja keine sein soll - bieten die Fünf Filmfreunde. Außerdem: Unabhängig von Toy Story, gibt keine diskutablen Blockbuster in den Charts.

Blockbuster

Liebe Sandra,
der Text hier ist ja kein Review sondern eine Empfehlung für weitere Filme mit einer ähnlichen Grundidee. Wem es demnach bei "Inception" an "Substanz" fehlt (was ja auch immer eine Frage der Definition ist, denn m.E. steckt in dem Film sehr viel und viele Details, die spannend sind, wenn man sie entdeckt und weiter verfolgt. Ob es immer die Charaktere sein müssen, die "tief" sein müssen ist ja auch eine Frage, über die man diskutieren kann. Es gibt ja durchaus auch andere Ansätze als den psychologischen), der findet sicher in Filmen wie "Synecdoche, New York" oder den anderen (vielleicht sogar in "Matrix") mehr davon.
Aber wie gesagt, ein Review zum Film soll mein Beitrag nicht sein.
Ach ja, Blockbuster: Ich denke schon, dass Filme wie "Eclipse", "Toy Story 3", "A-Team" und "Karate Kid" als Blockbuster konzipiert sind, die tummeln sich alle gerade neben "Inception" in den Kinocharts. Er ist also nicht der einzige, und zumindest in dieser Gesellschaft dann doch der "überraschendste" und - zumindest meiner Meinung nach - auch spannendste.
Schön, dass es abseits der üblichen Sequel- und Remake-Wut auch noch originäre Ideen schaffen a) für viel Geld in Hollywood umgesetzt zu werden und b) dann auch vom Kinopublikum entsprechend gewürdigt zu werden ;)

Überraschung?

Der überraschendste Blockbuster des Sommers? Ist ja auch keine Kunst - gibt ja auch keinen anderen!
Ich zolle den Programmierern für Hammer-Settings wirklich Respekt, aber was Inception fehlt, ist Substanz. Und leider, leider, Cillian Murphy oder Leonardo di Caprio dürfen nicht im Ansatz zeigen, was doch eigentlich ihre Profession und Leidenschaft ist. Für eine überzeugendere Review empfehle ich die Fünf Filmfreunde: http://bit.ly/dxQicW

Cooler Artikel

Danke für die gut sortierten Filmempfehlungen!

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05.01.2010

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