Weit hergeholt und überzeugend

Mariana Leky liest aus ihrem neuen Roman „Die Herrenausstatterin“

„Ich bin, wenn man so will, extrem weit hergeholt“, sagt Dr. Blank. Das ist alles andere als übertrieben, denn Dr. Blank ist tot. Und trotzdem sitzt er eines Tages auf dem Badewannenrand von Katja, der Ich-Erzählerin in Mariana Lekys neuem Roman „Die Herrenausstatterin“. Kaum weniger weit hergeholt sind viele andere Ereignisse in diesem Roman. So die Begegnung mit dem Feuerwehrmann Armin, der bei Katja mit einer Taschenlampe nach einem Brand sucht und der hin und wieder einen Einbruch begeht, um Stress abzubauen. „Andere machen Yoga“, erklärt Armin. Er und Blank stützen Katja, dieses „Bündel von Neurosen“ (Leky), nach dem Tod von Katjas Ehemann Jakob. Dass nur Katja den toten Blank sehen und mit ihm sprechen kann, nimmt Armin einfach hin. So wie auch der Leser eine noch so weit hergeholte Geschichte gern hinnimmt, wenn sie denn gut erzählt ist. „Die Herrenausstatterin“ ist sehr gut erzählt.

Im Rahmen der lit.cologne hat Mariana Leky ihren zweiten Roman am vergangenen Montag (15.03.2010) im ausverkauften Kölner Arkadas Theater vorgestellt. Sie sei „bis in die Haarspitzen voll mit Lampenfieber“ gesteht sie dem Publikum zu Beginn, weshalb sie vielleicht piepsen werde. Aber dann piepst sie gar nicht, im Gegenteil: Die 1973 in Köln geborene und heute in Berlin lebende Autorin liest sicher und pointiert, wobei man ihrer Stimme das Lächeln über den eigenen Text anhört. Die Zuhörer gehen weniger zurückhaltend mit ihrer Freude um. Sie lachen laut und oft über Lekys Schilderungen von Katjas Erlebnissen mit dem toten Altphilologen und dem kleptomanischen Feuerwehrmann.

Dabei passieren eigentlich lauter traurige Dinge in diesem Roman. Es beginnt mit Jakobs Ehebruch, geht über seine Trennung von Katja und seinen Unfalltod bis hin zum unaufhaltsamen Verschwinden des lieb gewonnenen Dr. Blank am Ende der Geschichte. Genau in diesem Spannungsverhältnis zwischen tragischen Ereignissen und ihrer humorvollen Darstellung liegt die besondere Qualität von Lekys Text. Das Talent dafür hat die Autorin bereits in dem Erzählungsband „Liebesperlen“ (2001) und dem Roman „Erste Hilfe“ (2004) unter Beweis gestellt: Leky erzählt das unfassbar Traurige so, dass es einen zwar trifft, man aber dennoch lachen muss. So finden schließlich auch ihre Figuren trotz aller Schicksalsschläge wieder Halt im Leben.

Auf die Frage, ob sie von Anfang an beabsichtige, ein lustiges Buch zu schreiben, antwortet die Autorin: „Ja, ich möchte, dass das Buch lustig wird. Und dann schreibe ich traurige Sachen.“ Damit die Leser sich auf diese einlassen können, beschreibe sie die Ereignisse dann wieder lustig. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Zumindest nicht für Leky, die ein Auge für das Absurde und das deshalb oft genug Komische im Leben hat. Und die sich in diesem Roman traut, mit der Erfindung des Dr. Blank die Grenze zum Übersinnlichen zu überschreiten.

„Ich mag es, wenn unwirkliche Dinge in die Realität hineinspielen und diese zum Glitzern bringen“, sagt sie. Und im Übrigen sei sie sich selbst gar nicht sicher, ob Blank ein Hirngespinst Katjas oder tatsächlich ein Geist sei. „Wer weiß das schon?“, fragt sie lächelnd. Der Roman gibt keine Antwort darauf. Und das ist gut so.

Ob es ihr schwer gefallen sei, über diesen „weit hergeholten“ Blank zu schreiben? Nein, antwortet Leky, im Gegenteil, es sei leichter gewesen, als sie gedacht hatte. „Vielleicht, weil ich mir Blank so vorgestellt habe, wie Katja ihn sieht. Nicht als Toten, sondern als normalen Menschen, der sich lediglich nicht mehr zu rasieren braucht.“ Und auch die anderen, manchmal übertriebenen Ideen seien ihr bei diesem Roman leicht gekommen. Nach Jahren des Nichtschreibens sei „Die Herrenausstatterin“ in wenigen Monaten geradezu aus ihr „herausgepladdert“. Zwar habe sie sich beim Schreiben oft gefragt: „Kann ich das wirklich bringen?“ Aber dann habe sie doch immer wieder entschieden: „Rein damit!“ Die richtige Entscheidung. Ihre Zuhörer bedanken sich mit reichlich Applaus.

Leky, Mariana:
Die Herrenausstatterin
Roman
Köln 2010, DuMont Buchverlag
208 Seiten
18,95 Euro
ISBN: 978-3-8321-9577-9

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Mi, 17.03.2010 0

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17.03.2010

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