Wehe, wenn die Smörmelz kommen - Nachwuchs-Design aus Essen

Um den kreativen Nachwuchs ist es im Ruhrgebiet gar nicht einmal schlecht bestellt. Zunehmend wagen junge Künstler und Kreative den Schritt in die Selbstständigkeit, um sich eigene Existenzen und Perspektiven zu schaffen. Jetzt geht in Essen eine Textildesignerin an den Start, die aus einer selbst kreierten Figur gleich eine ganze Produktlinie entworfen hat. Ihr Ziel: Das Ruhrgebiet, ach was – die ganze Welt zu versmörmeln.

Grafik von Katrin Fechter
Der Clou: Katrin Fechter ist überhaupt keine Designerin. Weder studiert noch gelernt. Genau genommen war das Essener Ruhrpottmädel auf dem Weg Maskenbildnerin zu werden, als sie 2004 ein schwerer Verkehrsunfall aus der Bahn warf. Erst in den Jahren der anschließenden Rehaphase entdeckte die heute 30-Jährige ihre Affinität zur Malerei und Illustration. Als Autodidaktin fand sie recht fix ihren eigenen Stil, den sie stets verfolgt, doch immer weiter entwickelt. Ein Stil, der ankommt: Nach und nach kamen immer mehr Aufträge ins Haus, vor kurzem erst galt es, gleich ein ganzes Kinderbuch zu illustrieren.


"Näh doch mal ne Tasche oder so..."


Katrin Fechter näht Smörmelz (c) Holger Steffens
Bis vor etwa einem Jahr der Smörmel über sie kam. Vielmehr eine Freundin, die aus entwachsener Kleidung ihres jungen Sprösslings eine „Tasche oder so…“ genäht haben wollte. Nach einigen Stunden an der Nähmaschine war klar: Für eine Tasche reicht der Stoff nicht; wohl aber für ein lustiges Stofftierchen aus Frottier. Ein Frottierchen quasi.

Aber wieso Smörmelz? „Der Name ist nach und nach entstanden“, erklärt die Essenerin. „Schmermel ist ein altes Ruhrgebietswort für Straßenkinder. Der kleine Sohn meiner Freundin war sprachlich allerdings eher auf Ö als auf E unterwegs. Da wurde aus Schmermelz halt Smörmelz.“

Im Laufe der Zeit wurde aus dem grünen Ur-Smörmel gleich eine ganze Bande aus verschiedenen Charakteren und Farben bis hin zu smörmeligen Schlafmasken und Überzüge für Wärmflaschen.


Kalkulierte Existenzgründung


Inzwischen hat Katrin Fechter das Projekt auf gesunde Füße gestellt. „Ich wollte es ganz oder gar nicht machen“, betont die Essenerin. „Als der Entschluss feststand, aus den Smörmelz eine ganze Linie zu machen, habe ich mir an verschiedenen Stellen Hilfe geholt, weil mir einfach das Know-how fehlte.“ Es folgten Nachhilfestunden in BWL, Materialkunde, Produktrecht und etlichen anderen Fachgebieten, die Fechter bis dahin schlichtweg unbekannt waren. Klingt alles sehr bodenständig und rationell.

Ist es auch. „Eine Selbstständigkeit birgt ja nun einmal auch einige Risiken, und die möchte ich so gering und kalkulierbar wie möglich halten“. Einen Teil der Einnahmen investiert Fechter direkt wieder in Coachings für Existenzgründer, parallel baut sie die Produktlinie, Marketing und Internetpräsenzen weiter aus. Man darf gespannt sein. Ein paar Smörmelz mehr in der dieser Welt dürften wohl nicht schaden.
 

Fotos: Holger Steffens
Grafik: Katrin Fechter

>>> Hier geht´s zu den Smörmelz bei facebook

 

Sa, 06.08.2011 1

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Kommentare

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Wie schön, dass an dieser Stelle mal über die "Mudder von Körk Kanöne & Cö." berichtet wird... Ich hoffe die Frottierchen werden (nachdem sie das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bereits getan haben) das gesamte Ruhrgebiet erobern!

Gerade bei so 'nem Wetter wie heute möchte man sich doch am liebsten nur noch auf die Couch versmörmeln...

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24.02.2010

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