
Was bitte ist eine „nachhaltige Welt“? - Das Global Media Forum der Deutschen Welle (2)
Zum Kongress „Culture – Education – Media. Shaping a sustainable world“
„That very educated people may misuse their power can not mean that we give up the education of the poor.“ - Dr. Guido Westerwelle, Bonn, 26.06.2012
Europa als Vorbild für kulturelle Vielfalt – Indonesien aber auch

„Shaping Globalization – Expanding Partnerships – Sharing Responsibility“ heißt das aktuelle Strategiepapier der Bundesregierung, dem der Außenminister für den Titel seines Vortrages ein „Working together to...“ vorangestellt hat. Als Land ohne klassische Ressourcen müsse sich Deutschland im Wettbewerb der Ideen, und somit auch im Bildungssektor verstärkt engagieren. Freie Medien wiederum seien „Voraussetzung für die Willensbildung und damit die Zivilgesellschaft“ und vermittelten Werte – und gar nicht einmal eine „Kultur“, wie auch Jusuf Habibie vorher sagte. Westerwelle nennt als Beispiele für solche Werte „Freiheit“ und „Demokratie“, betont aber auch die Notwendigkeit „nicht nur guter Regierungskontakte, sondern eines Austausches zwischen Gesellschaften“. Das darf wohl durchaus im Sinne von social networking via Internet verstanden werden.

Nicht zu vergessen: Die UNESCO (und andere)

Manchmal müssten private Schulen tun, was staatliche nicht leisten. Und es gebe in Ägypten eine Art Solidaritätsfond, so dass nicht bezuschusste Projekte zumindest ein wenig von andernorts bewilligten Geldern mit-profitieren. (Erzählen Sie das einmal der sogenannten freien Kulturszene an der Ruhr!) Öffentlicher Raum wiederum muss gewonnen werden, um kulturelle Vielfalt durch das Einbringen verschiedenster kreativer Kräfte zu verfestigen und nicht nur von einem „Oben“ innerhalb wie außerhalb des Landes fremd-determiniert zu werden. Helfen hierbei müssen eigenständige zivilgesellschaftliche Medien, auch um bildungsferne Menschen zu erreichen, so Christine Merkel.
Und an diesem Punkt erhebt zum zweiten Mal in einem Workshop eine Frau aus dem Irak die Stimme. Sie arbeitet dort für das einzige zivile Radio, findet aber offensichtlich weder von Seiten einer institutionalisierten Weltgemeinschaft, noch direkt von ihren kulturell engagierten Kollegen in benachbarten Ländern Unterstützung. Sie sagt, sie äußere sich in Bonn, weil sie dort zumindest gehört wird und frei reden kann – auch wenn sich wohl wieder nichts an ihrer solitären Situation ändern wird. Na, und da fällt es dann doch extrem auf, trotz Soli-Fond, deutschem Bildungsexport und amerikanischen Egozentriker-Massenmedien: Diese irgendwie soften, fast post-materialistischen „Revolutionen“ bringen gerade im Kulturbereich ziemlich viele „best practices“ hervor, an klassischen Dingen wie Eigentumsverhältnissen, mangelnder Toleranz und fehlender Grenzen und Kulturen übergreifender Solidarität ändert sich aber (bislang) zu wenig. Vielleicht braucht es doch etwas mehr Indonesien und weniger … NATO?
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