
Was bitte ist eine „nachhaltige Welt“? - Das Global Media Forum der Deutschen Welle (1)
Titel des Kongresses: „Culture – Education – Media. Shaping a sustainable world“
Quote vs. Qualität, kulturelle Vielfalt vs. Globalisierung, Zivilgesellschaft vs. Monokultur... Bei der dreitägigen Konferenz in Bonn ließ sich mit dem Einlassen auf die Probleme anderer Kulturkreise vieles über den eigenen erfahren. Aber Mercedes Bunz und Guido Westerwelle waren auch da.
Können globale Medien kulturell vielfältige Zivilgesellschaften mit ökologischem Bewusstsein schaffen?

Neben dieser Terminologie gibt es eine ähnlich operierende Sprachregelung, die den Fokus mehr auf die sprichwörtliche „Nachhaltigkeit“ richtet. Es lassen sich also grob drei Strömungen ausmachen: Die „Humanitären“, die mit Erziehung, Bildung und Medien demokratisieren wollen. Die „Ökonomen“, die u.a. daran verdienen wollen. Und die „Ökologen“, die den „nicht ganz so entwickelten Teil der Welt“ so mitgestalten wollen, dass er nicht völlig dem Primat der Wirtschaft unterworfen wird. Alle drei Strömungen benutzen dabei dieselben Termini, diagnostizieren einen digital divide und „Bildungsnotstand“ und sind natürlich für den weltweiten Aufbau von Zivilgesellschaften inklusive kultureller Vielfalt. Wobei die Art der Vielfalt z.B. wieder völlig unterschiedlich gesehen wird (s.a. Artikel hier).

Aufschluss über solche Fragen versprach ein Workshop unter dem Titel „An Algorithmic View of the World: How Google and others Shape Awareness and Education“. Leider ging es darin aber vor allem um Buchpräsentationen von Falk Lüke und Dr. Mercedes Bunz. Vielleicht sozusagen aus diplomatischen Gründen. „Das Netz tendiert zum Monopol“, weiß Lüke zwar, sagt aber nicht, dass das Internet an sich schon ein ganz klar in einer bestimmten historisch-kulturellen Situation entstandenes Phänomen ist, das kulturell anders geartete – und ihm externe – Formen von Kommunikation verdrängt, auch durch Prägung. Hierzu führte Mikhail Shvydkoy im ersten Plenumsgespräch in guter russischer Tradition aus: „Free floating information does harm to sophistication“, während Lynne Weil wie stellvertretend für weite Teile von media U.S.A. offen zugibt: „We want our audience to come back for more“ und sogar „You can feel the quality of a transmission“. Irgendwie erinnert das gerade in einem Plenarsaal in der ehemaligen Bundeshauptstadt an ganz finstere Zeiten und hinterlässt einen üblen Beigeschmack in all der demonstrierten und diplomatischen deutsch-amerikanischen Freundschaft. (Auch der Hinweis, ihre bildenden Sendungen seien nutrition, fehlt von Seiten Lynne Weils nicht.)
Wie finden eigentlich der Islam, Asien und Afrika die medialen Erziehungsversuche des Westens?
Aber Bonn kann auch anders inspirieren: Wie Mercedes Bunz gut diagnostiziert, sind Algorithmen eine „Kulturtechnik“, die eine spezifische Art des Wissens von der Welt verwaltet. Leider lobt sie etwa eine Stunde später dann Twitter als eine Menschen-zentrierte Alternative zu Suchmaschinen. Dass „Datenfitness“ nicht „intellektuelle Selbstständigkeit“ bedeutet, dass ein Export dieser Kulturtechnik immer auch das Schaffen neuer (Generationen von) Programmierer(n), Prosumer(n) etc. bedeutet, fällt in diesem Workshop mit rein deutscher Beteiligung etwas auffällig unter den Tisch. Umso wichtiger, den Vertretern von anderen Kontinenten gut zuzuhören. Travor Ncube stellt heraus, dass mehr „Vielfalt“ für viele bedeutet, auf verschiedene Weise im Rahmen der selben Grundstruktur zu manipulieren. Und dass man genau so wie man nicht nicht kommunizieren kann, auch nicht nicht manipulieren kann. Im Grunde könnte man ihn knackig so zusammen fassen: Dürfen wir uns bitte auch selbst verarschen?

Und so betont das gesamte Plenum die Wichtigkeit der Aktion vor Ort in Ländern wie Tunesien und Ägypten. Amal Ramsis sieht in einer Anzeige im Programmheft der Tagung selbst von Seiten der IGFM ein fatales Bild widergespiegelt, wie man es eigentlich nur von Marketingstrategen der Internet-Lobby kennt: Ein Repräsentant undemokratischer Strukturen hat Angst vor technischen Errungenschaften des Westens, aber nicht vor der Kreativität und Vielfalt im eigenen Land (s. Foto). Sie selbst steht nach wie vor vor dem Problem, wo sie ihre emanzipatorisch agitierenden Filme vor Ort überhaupt zeigen kann, während die westliche Industrie sich selbst für eine gewonnene Revolution feiert – in diesem Fall vertreten durch eine „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“. Dr. Ala Al-Hamarneh diagnostiziert passend: „Everybody is using a term like human rights – but with very different meanings.“ Und das kann natürlich auch mit Begriffen wie „Demokratie“, „Freiheit“, "Bildung" und „Nachhaltigkeit“ passieren. It's the singer, not the song. (Teil 2 folgt hier.)
Kommentar hinzufügen
Ähnliche Beiträge
Letzte Kommentare des Autors
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets


































