
Warum es in Duisburg kein freies Theater gibt
Ein Gespräch mit Stella Cristofolini und Stefan Schroer von "Theater Arbeit Duisburg"
In Duisburg gingen nach dem Kulturhauptstadtjahr reihenweise die Lichter aus. Das letzte Soziokulturelle Zentrum wurde geschlossen, dem Szene-Treffpunkt DJÄZZ geschäftsvernichtende Nachtruhe verordnet. Es wurde protestiert und besetzt. Der Verein Theater Arbeit Duisburg (TAD) versucht seit Jahren, den Trend zu wenden, doch Vorstandmitglied und Gründer Stefan Schroer sagt: „Jetzt, nach drei Jahren, können wir sagen: Wir wissen, warum es kein freies Theater in Duisburg gibt. Jetzt kennen wir die Gründe.“ Ein Gespräch mit Stella Cristofolini und Stefan Schroer von TAD.
Stefan Schroer: Wir haben damals gedacht: Wenn es hier gar 
2007 haben wir die ersten Inszenierungen gemacht. Wir hatten keinen Spielort, wir haben einfach angefangen. Wir haben zwei Projekte gemacht, konnten die in Duisburg aber gar nicht zeigen. Wir haben dann Kooperationen gemacht und woanders gespielt. Das zweite Projekt war in Duisburg entstanden. Es ging um eine reale Geschichte, die ich hier erlebt hatte – eine Nacht in einer Kneipe in Duisburg, und daraus haben wir ein Stück gemacht. Das wollten wir dann auch unbedingt in Duisburg zeigen und haben zu diesem Zweck ein Ladenlokal gemietet.
Stella Cristofolini: Nachdem es sowieso schwierig war, überhaupt Probenorte zu finden oder Auftrittsmöglichkeiten, haben wir gedacht: Jetzt müssen wir mal auf die Pauke hauen und mitten in der Innenstadt einen Laden anmieten und zehn Tage lang Bambule machen. Das Projekt hieß dann "10 Tage besser leben" und das Ladenlokal wurde rund um die Uhr bespielt. Da gab es dann eine Sauna, eine Hollywoodschaukel, es wurden Produktionen gezeigt, Diskussionsrunden fanden statt und natürlich gab es auch viel Konzert und Party.
Stefan Schroer: Wir hatten so etwas Ähnliches vorher auch in Essen gemacht, da gab es ein Projekt GAPart, in dessen Rahmen solche Ideen gefördert wurden. In Duisburg gab es so etwas nicht und bevor wir uns mit der Stadt rumärgern, woran es zur Zeit immer scheitert, dachten wir, mieten wir einfach etwas von einem privaten Eigentümer. Und dann, wir hatten Glück, haben wir dieses tolle Ladenlokal entdeckt. Der beste Laden von allen! Wir hatten gehofft, dass dieses Projekt so eine Art Initialzündung für Duisburg wird...
Stella Cristofolini: ...für die zehn Tage war es ein Selbstläufer. Es wurde von Tag zu Tag voller. Und auch ohne in der Dramaturgie vorweg zu greifen: Die Tatsache, dass in Duisburg so wenig passiert, liegt auch darin begründet, dass die Stadt Duisburg nachweislich am wenigsten Geld für Kultur ausgibt.
Stefan Schroer: Es gibt 30.000€ Projektförderung in Duisburg, das wurde angepasst. Damals waren es noch 60.000€ im Jahr – für die gesamte freie Szene. Die bildenden Künstler sind in Duisburg recht stark vertreten – da ist die Hälfte schon einmal weg. Da kann man sich ausrechnen, was man pro Jahr für freie Theaterprojekte beantragen kann. Immerhin gibt es das. Die Summe ist natürlich lächerlich, insbesondere nach der Halbierung. Das kann man dann nur versuchen, mit Landesgeldern aufzustocken.

Die Geschichte mit dem Schiff ging dann so zu Ende, dass ich, kurz bevor die Zuständigen bei Ruhr.2010 Ernst gemacht haben – die wollten dann die genauen Maße von dem Schiff wissen, um zu prüfen, in welchem Hafen es denn anlegen kann – ich sagen musste, dass sich das leider zwischendurch erledigt hätte. Der Zeitplan war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr realisierbar, da es nicht eingeplant war, dass der Kulturdezernent ein Jahr brauchen würde, um sich zurück zu melden. Aber so war es. Wir haben dann später erfahren, dass das im Falle des Duisburger Kulturdezernenten der Normalfall ist. Das hatten wir nicht gewusst. Jetzt haben wir viele Kontakte zu anderen freien Duisburger Initiativen und auch städtischen Mitarbeitern, die uns sagen, dass das immer so ist. Ich kann mich noch erinnern, wir hatten Lukas Hegemann, einen Kollegen vom TAD, der als Kulturmanager sehr erfolgreich ist, bei dem Gespräch mit dem Kulturdezernenten dabei und der sagte, als wir das Rathaus verließen, dass wenn der Kulturdezernent nur die Hälfte von dem, was er uns soeben versprochen hatte, wahr machen würde, wir mit dem Projekt durch wären. Ein halbes Jahr später hat Lukas die Fachstelle, die wir für ihn als Berater reserviert hatten, aufgegeben, weil er feststellen musste, dass die Erfahrungen mit Kulturpolitik, die er in Düsseldorf und anderen Städten gesammelt hatte, in Duisburg anscheinend nicht gültig sind.
In Teil 2 geht die abenteuerliche Reise durch die Duisburger Kulturverhinderungslandschaft weiter.
Teaserbild: (c) TAD
Foto 2: Michael Kallweitt (Flickr)![]()
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