Wandel durch Kultur ganz konkret: „Handyphoto Hustadt“ und mehr

Was würde herauskommen, wenn man Bochumer auf den Stadtteil Hustadt anspricht? Die meisten würden entweder an die grauen Hochhäuser oder aber an die etwa zweiwöchentlichen Polizeimeldungen über den anliegenden Schleckermarkt denken. Die Frage, ob sie denn schon einmal dagewesen seien, würden die meisten aber erleichtert verneinen. Der Autor dieser Zeilen war gleich mehrmals in der Hustadt, hat sie stets unbeschadet verlassen und den neuen Band „handy_photo_HUstadt" (links) erschienen im Klartext Verlag, begeistert verschlungen.

Apolonija Sustersic ist Künstlerin. Ihre Werke hängt sie aber nur selten an die Wand. In ihrer Arbeit geht es meist um Räume, die sie verändert bzw. besser als Celina Knierim im begleitenden Vorwort kann man es vermutlich nicht beschreiben: „Sie zeigt mit ihrer Sichtweise neue Möglichkeiten auf, Räume zu nutzen, wobei sie ihren Fokus auf den Lebensalltag der Menschen richtet.“ Auf Einladung der Galerie M in Bochum und mit Unterstützung der Stadt Bochum wurde sie artist in residence in der Hustadt und beobachtete den genannten Lebensalltag. Ziel war aber nicht nur die Schulung der eigenen Wahrnehmung, sondern die Entwicklung von konkreten Maßnahmen, mit der die Probleme der Räume, in denen sich die Menschen tagtäglich bewegen, beseitigt werden konnten.

Studentische Gruppe als Unterstützer


Diesmal erhielt ihr Projekt noch eine weitere Dimension: Eine studentische Gruppe von Kunsthistorikern der anliegenden Ruhr-Uni beteiligte sich an dem Projekt. Sie sollten eigene Ideen entwickeln und entlehnten der Herangehensweise von Apolonija Sustersic die Idee, auch den Blick der Bewohner auf ihr Viertel einzubeziehen. Über Handyphotos sollte dieser persönliche Blick für andere Menschen sichtbar gemacht werden, zum einen weil sie spontan und unverstellt sind und zum anderen, weil fast jeder das entsprechende Gerät in der Tasche hat. Man muss es wohl diesem kleinen Geistesblitz verdanken, dass dabei so viele und so unterschiedliche Beiträge entstanden sind, die einen unverstellten Blick der Einwohner auf ihr Viertel zeigen, der ohne Stereotypen auskommt. Das Bild oben zeigt den Jurypreis, der an die AWO Hustadt ging. Das Cover des Bandes oben links stammt von Oleg Kuznetsov, der damit den Publikumspreis gewann. 

Wiederum bei Apolonija Sustersic: Sie entwickelte die Idee eines Pavillons, der nicht nur überdachten öffentlichen Lebensraum schaffen sollte, sondern auch durch eine offene Nutzungsform Neues ermöglichen sollte. Kunst „entsteht“ hier also erst durch die Teilhabe der Menschen, die einerseits selbst Teil der Raumtransformation sind, diese aber gleichzeitig auch erst ermöglichen sollen.

Band fasst das Projekt zusammen


Als eine Art Ausstellungskatalog funktioniert der Band „Handyphoto Hustadt“. Er dokumentiert aber nicht nur die Fotobeiträge der Hustadt-Bewohner, sondern er begleitet das gesamte Projekt in allen Teilen von der Entstehung bis zum Abschluss. So sind zu den Fotos auch  die Ausstellungseröffnungen dokumentiert. Darüber hinaus wird das Thema über ein Gespräch zwischen Apolonija Sustersic und Astrid Wege sowie einen kontextuierenden kunsthistorischen Beitrag der studentischen Teilnehmer Annika Becker, Patrick Dohndorf und Dirk Hansmeier vertieft. Eva Maria Munoz Morales und Simone Rudolph nähern sich dem Thema „Handy als Kunstmedium“. Clemens Braun befragt Christian Uhlig zur „Geschichte der Hustadt“. Der Band ist spannend zu lesen und anzusehen, die Verknüpfung der Themen Stadtentwicklung und Kunst sowie Kunst in Theorie und Praxis hochinteressant. Das Motto „Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel“ könnte man also mit Edding an den Pavillon schreiben. Aber dann würden nur wieder alle von Vandalismus in der Hustadt reden. Das wäre also vielleicht aber auch wieder etwas für ein Aktionskunstprojekt.

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Mo, 28.02.2011 2

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Kommentare

Haha, ich auch ;-)

Haha, ich auch ;-)

Interessant. Den möchte ich

Interessant. Den möchte ich mir mal angucken, über die alte Heimat. Und ich traue mich laut zu sagen: Ich habe in der Hustadt gewohnt - und überlebt. ;)

Über den Autor

06.01.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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