Maria Lucia (photo by Marco Berardi)

Vor den Olympischen Spielen in London: Ist es Kunst oder Terrorismus?

Die künstlerische Freiheit um das Olympia-Gelände ist in Gefahr

Die Olympischen Spiele rücken näher – und schon entbrennt eine PR-Schlacht in den Medien: Die Olympia-Befürworter behaupten natürlich, die Spiele seien eine fantastische, einmalige Erfahrung, während die Gegner davon überzeugt sind, dass die Spiele eine sinnlose Verschwendung von Zeit und öffentlichen Geldern sind.


Der Evening Standard beschäftigte sich kürzlich in einem Artikel mit den Gewinnern und Verlierern der Olympischen Spiele (zu den Verlierern gehören übrigens unter anderem Pendler, Taxifahrer und Theater) – dabei wurde allerdings eine Gruppe vergessen, die auf jeden Fall auch zu den Verlierern gehören wird: Künstler und Fotografen, die in der Nähe arbeiten und deren Arbeit angeblich eine Bedrohung für die Sicherheit darstellt.

 

Fotografen, keine Terroristen
Das übereifrige Verhalten der Polizei, was Fotografen anbelangt, ist natürlich nichts Neues, hat aber mittlerweile mit der Verwarnung von polnischen Touristen, die Fotos von der Bushaltestelle Walthamstow machten, eine noch größere Absurdität erreicht. Als Antwort auf diese angeblichen „anti-terroristischen“ Maßnahmen hat sich die Initiative I’m a photographer, not a terrorist gegründet, die exakt diese “unnötigen und drakonischen Restriktionen” anprangern, denen sich Leute, die in der Öffentlichkeit fotografieren, ausgesetzt sehen.

Auf ihrer Website erläutern sie, dass Fotografieeinschränkungen nicht nur die Pressefreiheit aushöhlen, sondern auch die “kollektive visuelle Geschichte unseres Landes” auslöschen – ironischerweise genau das Erbe, das die Anti-Terrorgesetze angeblich beschützen wollen.
 

Sicherheitsmaßnahmen und Verdachtsmomente um das Olympia-Gelände

Im Angesicht der ominös klingenden Sicherheitsmaßnahmen, die für die Spiele geplant sind, einschließlich, aber vielleicht nicht begrenzt auf Helikopter-Scharfschützen, Kampfflieger und sogar Boden-Luft-Raketen, überrascht es natürlich nicht, dass die Gegend um Hackney Wick, zumeist von Künstlern und anderen Arbeitern aus der Kreativindustrie bevölkert, unter scharfer Beobachtung steht.

 

Hackney Wicks Nähe zum Olympia-Gelände – einige der größeren Studio-Blocks sind direkt auf es gerichtet – bedeutet, dass die Sicherheitskräfte, insgesamt 41.700 Mann stark und bestehend aus Militär, Polizei und zusätzlichen Sicherheitswächtern, ein besonderes Augenmerk auf verdächtiges Benehmen in diesem Gebiet haben werden. Aber wer unterscheidet zwischen verdächtigem Verhalten und künstlerischem Ausdruck?

Künstler werden angehalten und durchsucht

Die Vorfälle, die sich in der letzten Zeit in Hackney Wick ereignet haben, legen allerdings nahe, dass die Polizei kaum zwischen den beiden Tatbeständen unterscheidet. Kurz vor Weihnachten wurden drei Künstler unter Berufung auf eines der Anti-Terrorgesetze angehalten, durchsucht und in Gewahrsam genommen, als sie versuchten, die Grenzen des Olympia-Geländes zu Recherchezwecken für eine mögliche Kunstproduktionsstätte abzugehen.

Etwas eher waren dieselben Künstler bereits von der Polizei angehalten worden, während sie entlang des Kanals an Filmen und Performances arbeiteten; am gleichen Tag noch wurden sie von Sicherheitskräften (zwei in Speed-Booten und zwei zu Fuß) verfolgt. Sie bekamen keine Erklärung für diese Einschüchterung und das unangemessene Verhalten, das gesetzestreue Bürger zu potenziellen Terroristen abstempelt. 
 

‘Heikel, aber nicht zensiert’

Die betroffenen Künstler stehen in Verbindung zu Performance Space – seit Jahren wird hier erfolgreich eine Atelier-, Ausstellungs- und Performancefläche betrieben, nur einen Steinwurf entfernt von den schmiedeeisernen Toren des Olympia-Geländes. Einige ihrer Performances sind geländespezifisch, andere sind platzübergreifend und provokativ, ihr Ethos ist “heikel, aber nicht zensiert”.
 

Zum Beispiel bereiten sie gerade das Performance-Stück Tempting Failure vor, ein Stück, das erst letztens vom Bristol Bierkeller abgesetzt worden war, aus angeblich rechtlichen Gründen, nachdem die Spielstätte erfolgreich das englische Gaststättengesetz von 2003 als eine Methode, „Arbeit zu beschneiden und zu zensieren, mit der sich die Spielstätte unwohl fühlt“ angewendet hatte, so Manick Govidna auf Spiked-online. Die unangemessene Anwendung des Gaststätten- oder auch der Terrorismusgesetze ist anscheinend eine Art Abkürzung in Richtung Zensur geworden.


Die Arbeit von Performance Space und anderen lokalen Galerien werden nicht immer wunderbar mit dem olympischen Kulturprogramm zusammenpassen, das natürlich meist einen “festlichen” Charakter hat und auf einer Linie mit dem offiziell angeordneten Gute-Laune-Gefühl ist, das derartige Veranstaltungen ja immer haben sollen.  

Werden wirklich alle Arten von Kreativität gefeiert?

Aber werden die Verantwortlichen während der Vorbereitung auf die olympischen Spiele dieses Gefühl auch auf Kunst, die sie unangenehm oder schwierig finden, ausdehnen? Wenn man die Erfahrungen der Vergangenheit in Betracht zieht, ist wenig Feingefühl zu erwarten, sollte aber nicht entschuldigt werden; immerhin war einer der Hauptpunkte dafür, dass London den Zuschlag für 2012 bekommen hat, seine einzigartige pulsierende „Kreativität“. Nun sollte man auch damit beginnen, all diese Formen von künstlerischen Aktivitäten zu unterstützen – und nicht nur diejenigen, die von der Obrigkeit gutgeheißen werden.

Fr, 03.02.2012 0

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17.08.2011

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Wer von Metropole spricht, kommt an der britischen Hauptstadt nicht vorbei. London setzt global Standards und Impulse von Film bis Fashion, und ist seit jeher Magnet für kreative und innovative Visionäre aus aller Welt.

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