Das Unwort des Jahres heißt für die Republik „Döner-Morde“. Dies sei eine Reduzierung der Herkunft der Opfer auf ein Imbiss-Gericht, meint die Kommission, die sich derlei Unworte-des-Jahres widmet. Das ist diskriminierend, wohingegen der Dortmunder „Saufraum“, der nun nicht mehr Saufraum, sondern Trinkraum genannt wird, auf die Tatsache hinweist, dass dort, in jenem Raum gesoffen wird, was wiederum jeden Normaltrinker diskriminieren würde. Aber da sind wir hier im armen Teil Deutschlands nicht pingelig. Da liegt das Herz auf der Zunge oder umgekehrt. „Du bist ja bekloppt“ mag andernorts noch eine üble Beleidigung sein, hier steht es eher kumpelhaft für „Tolle Sache, die Du da vorhast.“
Sauerlandlinie

Sauerlanddevotionalien (c) Ruhr2010
Eigentlich hätte auch das Wort „Sauerlandlinie“ ein Unwort sein können, aber es gibt sie schon lange, diese Autobahn, über die man unsere Heimat Richtung Süden verlassen kann. Aber in Verbindung mit dem Duisburger OB Sauerland hätte dieser Begriff eine andere Zuordnung erfahren. Aussitzen wie im Stau – das wäre die Verbindung. Zudem kann man sich nicht vorstellen, dass die Kollegen das dann geflügelte Wort „Wir machen die Sauerlandlinie“ bedenkenlos nutzen würden.
Der geflügelte Buchstabe
Gäbe es einen Un-Buchstaben, wäre es 
U mit Sekt (c) dman
das arme „U“, das in den Veröffentlichungen noch nie so viel Platz fand wie in den letzten zwei Jahren. Du kannst mir kein „A“ für ein „U“ vormachen! Will ja auch keiner. Das U ist der Beginn von Un, ob Wort oder Buchstabe: Unmöglich, unsäglich, unbezahlbar, unverzichtbar, unheimlich oder gar unanständig. Zumindest für den Dortmunder hat der Buchstabe große Bedeutung, ist er doch das Wahrzeichen einer Stadt, die immerhin das U auch im Namen hat: DortmUnd. Und wenn wir ums U umherwandern, um zu untersuchen, um welchen Umgang statt Eingang es sich heute handelt, um hinein zu kommen ins U, dann sehen wir die unfassbaren Möglichkeiten, die unter diesem Dach, dem „U“ unter Umständen um sich greifen könnten. In Essen gibt es wenigstens ein Haus, das sich so nennt: Unperfekt.
Kulturrucksack

Rucksack (c) priv.
2012 wird der Kulturrucksack in den Kommunen umher geschleppt, eine Wortschöpfung aus dem Düsseldorfer Kulturministerium, eine so dermaßen originelle Idee, Mittel für Kinder und Kultur auszugeben, dass manch ein Werbetexter schier ausflippt. Ein Rucksack, aus dem Gelder fließen an die Kommunen, die sich beworben haben, diesen Rucksack mitzutragen. Kinder- und Jugendkultur soll damit gefördert werden. Nicht, dass da zu viel im Rucksack ist. Das führt zu Rückenschmerzen und Haltungsschäden, vor allem bei Kindern, denen man eine Tuba oder ein Klavier verordnet. Aber vielleicht wird das Wort ja auch in den allgemeinen Sprachschatz einfließen, sodass eines Tages der Deutsch lernende Koreaner weiß, dass das zusammengesetzte Wort aus Kultur, Ruck und Sack besteht und zu Deutschland gehört wie der Lachsack, der Kulturbeutel und Ruckzuck, wobei „Kulturbeutel“ schöner gewesen wäre, denn Beutel klingt schöner als Sack und beinhaltet gleichermaßen Duftstoffe und Hygienemittel, die der Kulturnutzer braucht, wenn er sich mit feiner Kunst einseift. Aber wir kommen hier vom Hökchen aufs Stökchen. Nehmen wir mit unseren Kleinen den Kulturrucksack und wandern durch die postindustrielle Kulturlandschaft, entlang der Emscherkunst und den Ruhrlights, ein Stück über die Sauerlandlinie, bis wir am „U“ in einen Trinkraum einkehren wollen, der leider wegen Umbau geschlossen ist.
Mehr Dingsbums des Jahres
Schlage vor, wir werden uns auch um die politisch-verwaltungstechnische „Untat des Jahres“ kümmern müssen, damit sie im Gedächtnis bleibt. Da gibt es im Heimatschutzgebiet Ruhrgebiet sicher allerhand grauslig-kuriose Ereignisse. Es fehlen dazu noch Unkunst und Unrat des Jahres, aber dazu dann mehr Ende 2012.