
Von der WG-Kochgruppe zum veganen Café: Kim Kalkowski im Interview (Teil 1)
- Serie: Kreativ.Quartier.Ruhr
Das Dortmunder Brückviertel darf sich seit kurzem mit dem Label "veganes Wunderland" schmücken. Denn Kim und Ralf Kalkowski haben hier Ende Februar im Brückcenter mit dem Vegilicious nicht nur den ersten komplett tierproduktfreien Supermarkt in Deutschland, sondern eine Tür weiter das ebenfalls vegane Café Cakes'n'Treats eröffnet.
Im 2010LAB-Interview beschreibt Kim den Weg vom heimischen Herd zum mittelständischen Unternehmen, zu dem noch ein Versandhandel und ein Catering-Service gehören. Eine zucker-süße Erfolgsgeschichte.
Was ist denn hier im Café heute die Spezialität des Tages?
Kalkowski: Das sind von vorneherein die Torten. Heute ist es eine saftige Schokotorte mit einer Caramel-Schoko-Creme. Ansonsten kommt es auch auf die Tageszeit an. Für den, der morgens kommt, sind es die Bagels und abends wird sich auf die Burger gestürzt.
Wer entscheidet über das Angebot?
Ich stimme das ganz allein ab, gucke was gut läuft und den Kunden schmeckt. Wenn die Vollkorn-Bagels besser als die Sesam-Begals angenommen werden, verändern wir das Angebot dahingehend. Unsere Shakes sind z.B. im Team abgeschmeckt worden. Da haben alle mitgewirkt, aber das letzte Wort habe ich.
Beschäftigt ihr ausgebildete Bäcker und Köche?
Gar nicht. Das liegt aber nicht am fehlenden Interesse, sondern daran, dass es keine vegane Koch- und Konditorausbildung gibt. Dementsprechend sind wir auf Leute angewiesen, die das nicht wirklich als Ausbildung gelernt haben, sondern in den letzten Jahren selber autodidaktisch aktiv waren und Erfahrung mitbringen.
Ihr stellt die Torten selber her?
Genau. Es ist so, dass wir derzeit zu zweit an den Torten arbeiten. Das ist sicherlich ausbaufähig, da neben dem Café noch Spezialaufträge wie Hochzeiten oder Catering hinzukommen. Ich mache das mittlerweile seit fünf Jahren und habe letztes Jahr auch das VeganWondercake-Backbuch herausgebracht. Jetzt nicht mit Bio & Vollwertböden, sondern „ganz normalen“. Da es das erste seiner Art in Deutschland ist, gab es dementsprechend auch keine ausgebildeten Leute.
Wonach suchst du dann deine Angestellten im Versandhandel, Catering, Café und Supermarkt aus?
Ich bin immer ganz gut damit gefahren, auf mein Bauchgefühl zu hören. Das heißt, sie müssen zum Team passen. Man muss jetzt nicht vegan sein, um bei uns zu arbeiten, aber man muss vegan sein, um die Kunden beraten zu können. Unser 16-köpfiges Team, ein guter mittelständischer Betrieb, bringt viele eigene Erfahrungen mit und kann den ethischen Background sehr gut rüberbringen.
Und womit fing alles an?
Am Anfang waren wir zu zweit in einer Kochgruppe aktiv, die wöchentlich in unserer WG in Nürnberg gekocht hat. Irgendwann saßen bei uns im Wohnzimmer 35 Leute, wovon ich die Hälfte nicht kannte. Daraufhin haben wir begonnen, es publik zu machen und uns an eine Kneipe gewandt, um dort einmal in der Woche deren Küche nutzen zu dürfen. Dann kamen immer so 80-100 Leute und die ersten Fragen, wo wir die Produkte herbekommen und was wir verarbeiten.
Vor fünf, sechs Jahren gab es das nicht, dass du die Sojamilch im Kaufland oder im Rewe-Laden bekommen hast. Genauso bist im Bio- oder Reformhaus schräg angeguckt worden, wenn du dort als junger Mensch ohne Ökolatschen durchgegangen bist. Die haben immer alle gedacht, man will was klauen.
Wir bekamen mit der Zeit immer mehr Einladungen, auf Konzerten oder Festivals zu kochen, und aufgrund der großen Nachfrage bzgl. der Zutaten haben wir uns entschieden, den Online-Shop zu eröffnen. Angefangen mit 25 Produkten, was im Mai fünf Jahre her ist, sind es mittlerweile knapp 1800 verschiedene Produkte.
Wie kam es dazu, dass ihr von Nürnberg ins Ruhrgebiet gezogen seid?
Weil ich ursprünglich hier herkomme. Ich bin der Liebe wegen nach Nürnberg gezogen und habe dort mein Abitur nachgeholt. Aber hier habe ich meine Freunde und fühle mich von der Mentalität her einfach sehr wohl.
Du warst Anfang 20, als du zusammen mit Ralf das Unternehmen gegründet hast. Welche Tipps hast du für junge Existenzgründer?
Viele Leute verlassen sich auf offizielle Stellen. Sie lassen sich beraten, um an Gelder zu kommen. Wenn sie die dann aber nicht bekommen, sehen sie das Projekt oft schon als gescheitert an. Natürlich brauchen alle ein Startkapital, aber es ist wichtig, dass wenn man eine gute Idee hat, dahinter steht und sich nicht darauf verlässt, ob öffentliche Stellen der Sache Potenzial zurechnen. Der Trick am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft generell ist es, Nischen zu finden.
(Weiter zu Teil 2)
Fotos: Michael Blatt
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@ Nicolas
Umso mehr, desto besser. Kannst du ein paar andere Bsp. nennen?
"Deutschlands erster vegane Supermarkt"
Ich gibt schon einige rein vegane Einkaufs-Läden in Deutschland, verstehe nicht das sich sämtliche Journalisten/Fernsehen darüber nicht mal informieren. Der in Dortmund ist nicht der erste.