
Von den Schwierigkeiten der Identitätskonstruktion
- Serie: Uni-LAB
ICH - Eine kleine Silbe, drei kleine Buchstäbelchen, aber auch - eine Wagenladung philosophischen Sprengstoffs. Vergangenes Wochenende wurde am Essener Uni-Campus eifrig getagt und diskutiert, um diesem, uns allen so kostbaren Pronomen einige Identitäts-Erkenntnisse abzuringen. Und mittendrin, sowohl vortragend als auch fröhlich mitdiskutierend: Ich (gemeint Euer Subtextblog Autor Fabi, in seiner Rolle als klugscheißender Diskutator)! An ein autonomes, selbstbestimmtes, souveränes, wind- und wetterfestes Ich glaubt dabei natürlich keine Sau mehr. Zigfach gekränkt durch Psychoanalyse, Medizin und Konstruktivismus existiert das unrettbare Ich nur noch als Scherbenhaufen, aus dem sich mit viel gutem Willen maximal die ein oder andere Rollenidentität basteln lässt.
Das Niveau auf dem bei der Tagung über die gängigen Bastelanleitungen in unserer Gesellschaft sinniert wurde, war überraschend hoch. Schließlich handelte es sich bei den Vortragenden mehrheitlich um den akademischen Nachwuchs unserer fern von jedem Exzellenzanspruch dahinvegetierenden Hochschule. Nichtsdestotrotz lieferte die Tagung dank ihrer interdisziplinären Ausrichtung und ihrem Aspektreichtum zumindest für mich viel Hirnfutter: Leidet der Partner eines Alzheimerpatienten nicht vielleicht am meisten daran, dass ihm ein Gewährsmann für die gemeinsame Vergangenheit und damit die eigene Identität verlorengeht? Steuern wir in unserem Glauben an die absolute Wahrheit des medizinisch erfassbaren Körpers nicht auf eine Gesundheitsdiktatur zu? Überhaupt: Wie viel Körper steckt in unserer Identität? Und wie viel Diskurs?
Ein Weihnachtsteller voll poststrukturalistischer Theorie
Kommentar hinzufügen
Ähnliche Beiträge
Letzte Kommentare des Autors
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets


























