
Von Architekturen und Impulsgebern - Rote Erde und Signal Iduna Park
Das Herz und der Motor der Region oder doch „nur“ ein Fußballtempel?
Stadion Rote Erde. Westfalenstadion. Signal Iduna Park.
Als reines Fußballstadion wurde der Signal Iduna Park im Jahr 2009 von der Times zum „best stadium in the world“ geadelt.
„This place was built for football and for fans to express themselves."

1) die, über die Jahre, nach und nach, mit den Ansprüchen organisch gewachsene Architektur
2) die zentrale stadtnahe Lage im grünen Sportgürtel Dortmunds

Wirtschaftsmagnet
Laut Unternehmensberatung Mc Kinsey beläuft sich die Wertschöpfung aller direkten und indirekten Effekte, die jährlich durch die Fußball-Bundesliga geschaffen werden, auf fünf Milliarden Euro. Das macht 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus – mehr als z.B. die gesamte Textilbranche zur Volkswirtschaft beiträgt.
„Diese Dimensionen treffen auf Dortmund und den BVB sicherlich in vollem Umfang zu.“
(Josef Schneck, Pressesprecher Borussia Dortmund)
„Dortmund ohne den BVB ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht vorstellbar.”
(Pascal Ledune, Sprecher der Wirtschaftsförderung)

Der Signal Iduna Park zieht die Menschen vor die Tür.
Direkte Profiteure sind die Gastronomie und das Hotelgewerbe.
Fußballtourismus
An Heimspielwochenenden des BVB hört man neben sämtlichen deutschen Dialekten zunehmend schottische, englische, holländische und auch skandinavische Stimmen in der Region, die ein Fußballspiel im Signal Iduna Park zum Anlass nehmen, die Region zu besuchen.
„Das ist für eine Stadt, bei der sich das für gewerbliche Übernachtungen relevante Reiseaufkommen zu 80 bis 85 Prozent aus dem Geschäftsreisesegment generiert und an Wochenenden daher eher mäßige Übernachtungszahlen zu verzeichnen sind, sehr wichtig.“
(Sigrun Späte, Dortmundtourismus)

Motor für Jobs im Medien-, Event- und Kreativbereich
Indirekt zieht das Stadion auch als Standortfaktor für die Wirtschaft.
Jobs entstehen durch z.B. Sponsorenengagements, ebenso diverse Dienstleistungsjobs im Medien- und Kreativbereich durch die Nähe zum "Place to be" ...
Der BVB hat mehr als 300 festangestellte Mitarbeiter.

Der Vermarkter der Businessbereiche z.B. wirbt mit der Anziehungskraft dieser „weltweit bekannten Location.“
(O-Ton Event Vermarkter Stadion-live!)

Herz der Region
Wenn man aber die Verankerung des Standorts in der Kultur der Menschen hier verstehen will, muss man in die Geschichte zurückschauen.
Nach dem 1. Weltkrieg gab es 1919 erste Pläne (wie auch in anderen Städten) für einen Volkspark zur körperlichen Ertüchtigung und Entspannung nach der harten Arbeit. Hintergrund damals war die Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich. Doch diese Pläne stießen auf starke Widerstände aufgrund der damaligen Massenarbeitslosigkeit und des katastrophalen Zustands der Weltwirtschaft. „Baut doch lieber Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten!“
Doch 1924 war es vollbracht. Allen voran Stadtrat Hans Strobel hatte sich gegen alle Widerstände durchgesetzt einen Volkspark als stadtnahen Erholungsraum bestehend aus den Drillingen „Kleingartendaueranlage Ardeyblick“, „Volksbad“ und „Stadion Rote Erde“ zu bauen.

Weiß gegen Schwarz – 1:11
Es gab zwei Eröffnungsfeiern für das Stadion Rote Erde: die „bürgerliche“ am 6.Juni 1926 durch die Stadt Dortmund und die „proletarische“ am 13. Juni 1926 durch das „Arbeitersportkartell.“
Schon vom äußeren Rahmen her unterschieden sich beide Veranstaltungen gewaltig. Beim Stadtverband gab es kleinere Gruppen von Mitwirkenden, 8000 Zuschauer und – leider – Regen. Eine Dortmunder Fußball-Stadtauswahl verlor gegen Wacker München mit sage und schreibe 1:11!
Beim Arbeitersportkartell hingegen gab es eine Woche später einen Aufmarsch von etwa 8000 aktiven Sportlern und eine Zuschauerkulisse von 30.000 Zuschauern. Höhepunkt der Festivitäten war eine „LebendSchachpartie“:
Weiße Figuren, darstellend das Königtum in eitlem Prunk und Verschwendung auf Kosten der Besitzlosen, gegen die schwarzen Figuren, darstellend die revolutionären Kämpfer in einfacher Tracht, beseelt vom eisernen Willen, das unwürdige Joch abzuschütteln.
Ruhrsandstein und Olympiastadion
Bauleiter Hans Strobel war ein Freund des Ruhrsandsteins.
Mit diesen Erfahrungswerten wurde in Berlin der zeitgenössische Sportpark auf eine neue Ebene gehoben.
Zeitenwende im Stadion Schloss Strünkede
1947 kam es im Stadion am Schloss Strünkede in Herne, damals mit 32.000 Zuschauerplätzen einem der größten Stadien Deutschlands, zu einem historischen Spiel. Der langjährige Abonnenmentsmeister Schalke 04 verlor völlig überraschend gegen die noch eher zweitklassige Mannschaft des Ballspielvereins Borussia Dortmund mit 2 : 3. Für Historiker ist dieses Spiel und die folgende Westfalenmeisterschaft des BVB eine Art Zeitenwende.

Es folgten erfolgreiche Jahre des BVB, 1963 die Bundesliga und 1974 die Fußballweltmeisterschaft. Das Stadion Rote Erde wurde zu klein.
Hüpfburg und fußballerisches Epizentrum
1971 begannen die Bauarbeiten zum neuen Westfalenstadion.
In Folge der Boomjahre beim BVB gab es von 1995-1999 eine erste Ausbauphase, in der West-, Nord- und Ost-Tribüne auf zwei Etagen aufgestockt wurden.
Hierbei entstand auch die legendäre Südtribüne in heutiger Form, die allein knapp 25.000 Zuschauern Stehplätze bietet.
In der dritten Ausbaustufe wurden 2002/03 die bis dahin offenen Ecken geschlossen und viel in die Infrastruktur investiert.
Die gelben Pylone, die die vergrößerten Tribünen tragen, sind heute neben Florian und U weithin sichtbare Wahrzeichen Dortmunds.
Heute fasst der Signal Iduna Park bei nationalen Spielen 80.720 Zuschauer, fast hätte der Ausbau dem BVB allerdings Anfang der 00er Jahre auch das finanzielle Genick gebrochen – aber das ist eine andere Geschichte!

Zeugen Jehovas und Rock DJs unter den Tribünen
Und nicht nur Fußballfans kommen heute.
Das Stadion zieht!
Der Autor und 2010LAB.tv gratulieren Borussia Dortmund zur Meisterschaft.
Respekt!
"We have a grandios Saison gespielt.“ (Roman Weidenfeller)
"Der Kopf ist das dritte Bein." (Christoph Daum)

Vom Autor empfohlener Soundtrack zu Gebäude und Artikel:
Johnny Cash – "Wo ist zu Hause, Mama?"
Fotos: Jörg Stiepermann, Borussia Dortmund
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Schön
Hach! Schön hasse dat geschrieben!