Von Architekturen und Impulsgebern – Oberhausens grüne Sparkasse

Von Architekturen und Impulsgebern - Oberhausens grüne Sparkasse

"Die andere Bank"

Frisches aus Oberhausen! 

Eine Sparkasse als grüner Akzent in Oberhausens südlicher Altstadt. 

Kein Sparkassenrot, kein Finanzbunker, stattdessen viel Grün und geschwungene, offene Räume, die "Ja" sagen zur Zukunft von Oberhausens gewachsener Innenstadt. 

Ein architektonisches Statement gegen städtische Verödung durch das Centro? 

Vielleicht sogar ein nachhaltiges Statement gegen kompromisslose Profitgier moralfreier Hedgefonds? 

... Und statt Kantine ein Charakter-Restaurant?! – Das sollte uns einen Beitrag wert sein! 

 

 

Das üppige Grün fällt als Erstes auf: Naturinseln vor dem Gebäudekomplex, der Bau selbst mit geschwungenen Formen und viel Glas.

Der Auftritt der Sparkasse ist eher Parklandschaft als urbaner Block.

 

 

Die Architekten von Sauerbruch & Hutton haben dem Neubau der Sparkasse Oberhausen einen kreuzförmigen Grundriss verpaßt.

Den inneren Kern des Gebäudes bildet ein opulentes Treppenhaus.

Betritt man das Gebäude muß man zwangsläufig an Frank Lloyd Wrights New Yorker Guggenheim und an das Treppenhaus von Herzog & de Meurons Duisburger Küppersmühle denken.

 

 

Oberhausen – Zentrum vs. Centro

 

Die Stadt Oberhausen ist nicht wirklich alt. Sie wurde erst im 19. Jahrhundert als Arbeitersiedlung gegründet. Heute hat Oberhausen gut 200000 Einwohner.

Architektonische Landmarken sind das Rathaus (als Beispiel für den Backsteinexpressionismus von 1930) sowie das Schloß Oberhausen und der Gasometer (beide werden für Ausstellungen genutzt). Kulturinstitutionen sind das renommierte Theater Oberhausen, sowie Hajo Sommers` Ebertbad.

 

Mit der, auf dem Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte gebauten, „Neuen Mitte“ (Einkaufszentrum Centro) ist Oberhausen ein klassisches Beispiel für Dezentralisierung amerikanischer Schule.

Dienstleistungsbereiche werden in die Vorstädte verlagert.

Eine Mall, jenseits des gewachsenen Stadtzentrums, soll Kaufkraft erzeugen und Menschen nach Oberhausen locken. Negativer Aspekt ist die Gefahr einer zunehmenden Verödung des (nun ehemaligen!?) Zentrums und damit der Verlust einer gewachsenen Individualität und Identität.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken setzt die Stadt Oberhausen auf das Konzept „Parkstadt“. Die Sparkasse ist Teil dieses Stadtplans.

 

 

Sparkassen – Banken mit gesellschaftlicher Moral?

 

Sparkassen sind Kreditinstitute in kommunaler Trägerschaft und somit jenseits der gängigen Kapitalmaximierung auch dem Gemeinnützigkeitsprinzip unterworfen. Der Ansatz einer  Sparkasse ist somit ein anderer als der, der aktuell so vielgeschmähten Hedgefonds. (Was die Sparkasse freilich nicht davon freispricht bei Finanzgeschäften auch mal in ein Fettnäpfchen zu tappen!!)

Das Ziel der Sparkassen im Tagesgeschäft ist zwar auch, maximalen Profit zu erzielen, aber nicht um jeden Preis und nicht nur zum eigenen Nutzen. Zinserträge werden auch genutzt um regional in Bildung und Kultur zu reinvestieren.

 

"Meinen Zweck befördernd, befördere ich das Allgemeine, und dieses wiederum befördert meinen Zweck."

(Georg Hegel, deutscher Philosoph 18./19. Jh.)

 

Die Stiftungsinitiative der Stadtsparkasse Oberhausen versammelt acht Stiftungen unter einem Dach. Diese beinhalten z.B. Kulturförderung (Schloß Oberhausen, Kurzfilmtage u.a.), Sportförderung und die Förderung des sozialen Umfelds.

Allen gemeinsam ist das Ziel, Oberhausen attraktiver und lebenswerter zu machen.

... womit wir wieder beim Thema Architektur gelandet wären:

 

 

Die Architekten Sauerbruch & Hutton

 

Die Architekten der Sparkasse sind renommierte Größen.

Diverse Museen weltweit sind in Ihrem Portfolio, z.B. das großartige Museum Brandhorst in München.

Das Architektenbüro Sauerbruch & Hutton hat seinen Sitz mit 90 Architekten in Berlin.

In ihrer Formensprache trifft man immer wieder auf offene, runde Elemente, die häufig sehr farbenfroh in Szene gesetzt sind.

Ein Schlüsselwerk von Sauerbruch & Hutton ist sicherlich das Umweltbundesamt in Dessau , das neue Maßstäbe gesetzt hat für nachhaltiges, energieeffizientes und ökologisches Bauen.

Das Öko-Konzept der Sparkasse in Oberhausen beinhaltet u.a. Kühldecken, Nachtauskühlung und tageslichtunterstützte Zonen.

 

 

Restaurant Opgen-Rhein – moderne Volksküche in der Sparkasse

 

Auch die Kantine ist nicht von der Stange!

Stefan Opgen-Rhein betreibt in der Sparkasse ein Restaurant, das sich mittags in eine öffentlich zugängliche Kantine verwandelt.

Apfelgrüne Farben dominieren auch hier das postmoderne Ambiente.

Die Bänker stehen in der Mittagspause gemeinsam mit dem Fußvolk vorm Buffet. Es hat sich rumgesprochen, daß man hier einen Rheinischen Sauerbraten zu günstigen Preisen bekommt. Eine Volksküche im Bankgebäude mit Qualität!

Abends kann das Restaurant mit seiner gehobenen Küche für Events angemietet werden.

 

 

Der Bund deutscher Architekten NRW hat dem Bau die „Auszeichnung gutes Bauen“ verliehen – auch wenn nicht alle Aspekte uneingeschränkten Zuspruch bekommen haben (Einbindung in den Stadtkontext, Kosten).

Es fällt positiv auf, wie offen sich das Gebäude der Außenwelt gegenüber gibt.

Eine Bank, die sich nicht absondert von der Öffentlichkeit, um Geschäfte hinter dicken und hohen Mauern abzuwickeln, sondern die Menschen einer Stadt einlädt, das Gebäude als Teil ihrer Stadt und somit ihres Lebens wahrzunehmen.

 

„Das einzig herrschende System, das ich kenne, ist das System Mensch.

Und da bin ich selber Mitglied."

(Christoph Schlingensief, Oberhausener)

 

 

 

Fotos: Jörg Stiepermann

 

 

 

Mo, 03.10.2011 1

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Kommentare

Sauerbruch & Hutton

Die Architekten Sauerbruch & Hutton sind wirklich gewissenhafte Architekten, die sehr gut die Balance zwischen Tradition und Moderne finden. Hier mal ein link aus der FAZ mit einem lesenswerten Interview mit Matthias Sauerbruch: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/architektengespraech-matthias-sauerbruch-wir-sollten-die-herausforderung-annehmen-148354.html

Über den Autor

01.03.2010

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