Lokal Harmonie (c) TAD

Vom Scheitern und Gelingen

Ein Gespräch mit Stella Cristofolini und Stefan Schroer von "Theater Arbeit Duisburg" (Teil 2)

In Folge der Loveparade-Katastrophe wurde in Duisburg aus Sicherheitsbedenken auf allerlei lokale Kultur verzichtet. Auch das "Lokal Harmonie", in dem der Verein "Theater Arbeit Duisburg (TAD)" einen Proben- und Aufführungsraum unterhielt, musste der Bauordnung weichen. Da aber sowieso nichts hilft, hält sich TAD an den hauseigenen Slogan „DU erhältst Kultur“, ergreift Initiative und es steht sogar eine Wiedereröffnung ins Haus. Nachhaltigkeit selbst gemacht! Teil 2 des Gesprächs mit Stella Cristofolini und Stefan Schroer von TAD.

(Teil 1 hier)

Stella Cristofolini: Nach dem Scheitern des Schiff-Projektes haben wir das gemacht, was wir vorher auch gemacht haben – in Duisburg-Bruckhausen zum Beispiel oder in Essen-Katernberg. Wir haben uns Orte gesucht, die wir exemplarisch erforschen und haben dieses Forschungsmaterial künstlerisch umgesetzt. Wir haben uns dann Duisburg-Ruhrort ausgesucht und dort einen Raum gefunden. Das war 2008. Das war eine ehemalige Eisenwarenhandlung. Wir haben die Leute aus dem Stadtteil eingeladen, Interviews geführt – wir haben uns auf unsere Arbeit konzentriert. Unser Lokal hieß dann zuerst "Hennes", so wie die Eisenwarenhandlung zuvor, die es in Ruhrort immerhin 150 Jahre lang gegeben hatte, und später dann "Lokal Harmonie".

Stefan Schroer: Aus vollem Respekt vor der Tradition haben wir den Namen "Hennes" erst einmal behalten. Wir hatten den vormaligen Besitzer der Eisenwarenhandlung gefragt. Der wohnte nebenan im Haus und er war anfangs damit einverstanden. Er war, glaub ich, auch ein bisschen stolz. Als wir dann richtig angefangen hatten, haben wir auch Dinge gemacht, mit denen er nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte – weil wir zum Beispiel einfach zu laut waren. Er wurde dann auf Markt angesprochen, was denn wieder bei ihm los gewesen wäre. Deswegen heißen wir jetzt "Lokal Harmonie".

Stella Cristofolini: 2008 haben wir dann noch zwei Theaterstücke gemacht: "Seemannsheim" und "Our Town. Ruhrort", die im Rahmen der "Akzente" liefen. 2009 kam dann "Lokal Harmonie Bosporus" und 2010 die "Local Hero"-Woche in Ruhrort, was mit ein Grund war, warum wir überhaupt in Ruhrort geblieben sind, sonst wären wir vielleicht weiter gezogen. In dieser Woche waren dann 15 Läden auf und danach waren wir ganz schnell wieder die Einzigen. Die Kreativ-Quartier Idee hat hier also so direkt nicht funktioniert. Wir waren dann, wie gesagt, die Einzigen, die sich gehalten haben, bis dann das Bauordnungsamt mit Sicherheitsbedenken kam und seit April 2011 gibt es auch uns nicht mehr.

Stefan Schroer: Jetzt sind wir ein bisschen in Auswanderstimmung. Weil wir aber nicht so schnell und leise verschwinden wollen, machen wir das "Lokal Harmonie" nun doch wieder auf. Wir haben jetzt ein gutes halbes Jahr mit dem Bauordnungsamt verhandelt und haben jetzt eine Baugenehmigung für einen Umbau, der sich soweit in Grenzen hält, dass wir ihn leisten können. Dann dürfen wir wieder mit maximal 40 Gästen und 10 Künstlern dort arbeiten. Im Moment dürfen wir nicht einmal rein, wir dürfen den Raum nicht als Proberaum nutzen, gar nichts. Wir haben nicht nur keine Versammlungsstättengenehmigung, sondern gar keine. Wir müssen jetzt neue Feuertüren einbauen und neue Fluchtwege schaffen.

Stella Cristofolini: Das Haus ist 120 Jahre alt und hat schmale Hausflure, hohe Decken, Stahlsäulen mittendrin und so weiter.

Stefan Schroer: Wir machen im Februar wieder auf und gucken, was passiert. Wir eröffnen mit einer Performance am 8.2.2012. Wir nehmen jetzt selbst 5.000 € bis 10.000 € in die Hand und machen  hier auf eigene Faust weiter, auch ohne städtische oder sonstige Unterstützung.

Kultur-Impuls dringend nötig: Straßenszene in Duisburg-Bruckhausen (c) PEH
Kultur-Impuls dringend nötig: Straßenszene in Duisburg-Bruckhausen (c) PEH
Stella Cristofolini:
Eine Anmerkung noch zum Thema Auswanderstimmung. Während hier in Duisburg also eigentlich nichts richtig auf die Beine zu stellen ist, haben wir internationale Kooperationen gemacht. Wir haben ein großes, über zwei Jahre laufendes EU-Projekt mit russischen und ungarischen Kollegen gemacht. Da waren wir sehr viel in Perm. Wir haben das dann auch wieder nach Duisburg gebracht. Da kam dann ein Riesentrupp von Leuten. Es wäre sehr schön gewesen, wenn das funktioniert hätte, was geplant war. Es gab ein Projekt der TU-Dortmund mit dem Namen "Wetterumschwung Duisburg", welches auch schon über Jahre in der Mache war, welches beinhaltete den Übergang zwischen Innenstadt und Innenhafen, der ja auch Teil des "Masterplans Ruhr" ist, für eine Woche zu bespielen. Wir waren eingeladen mit unseren gesammelten ausländischen Kollegen mitzuwirken, doch das Projekt ist dann auch in Folge der Loveparade gecancelled worden.

Stefan Schroer: Wir sollten in dem Projekt auch als Kontaktstelle zur Duisburger Szene fungieren. Es sollte eine temporäre, verkehrsberuhigte Zone geben, die eine Art Spielstraßenmodell sein sollte. Die Leute der TU-Dortmund haben sich dann allerdings an Duisburg aufgerieben und es wurde verboten. Das hing vielleicht auch damit zusammen, dass es in Sichtweite vom Rathaus stattfinden sollte und sich die städtischen Vertreter vielleicht ein bisschen unsicher fühlten. Natürlich hatten wir auch schon ein paar Ideen, was man in Sichtweite des Rathauses so machen kann. Daran ist es offiziell aber nicht gescheitert, sondern an Sicherheitsbedenken.

 

Wir danken für dieses Gespräch!

 

Teaserbild: (c) TAD

Di, 10.01.2012 0

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27.02.2010

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