
Vom Scheitern und Gelingen
Ein Gespräch mit Stella Cristofolini und Stefan Schroer von "Theater Arbeit Duisburg" (Teil 2)
In Folge der Loveparade-Katastrophe wurde in Duisburg aus Sicherheitsbedenken auf allerlei lokale Kultur verzichtet. Auch das "Lokal Harmonie", in dem der Verein "Theater Arbeit Duisburg (TAD)" einen Proben- und Aufführungsraum unterhielt, musste der Bauordnung weichen. Da aber sowieso nichts hilft, hält sich TAD an den hauseigenen Slogan „DU erhältst Kultur“, ergreift Initiative und es steht sogar eine Wiedereröffnung ins Haus. Nachhaltigkeit selbst gemacht! Teil 2 des Gesprächs mit Stella Cristofolini und Stefan Schroer von TAD.
(Teil 1 hier)
Stefan Schroer: Aus vollem Respekt vor der Tradition haben wir den Namen "Hennes" erst einmal behalten. Wir hatten den vormaligen Besitzer der Eisenwarenhandlung gefragt. Der wohnte nebenan im Haus und er war anfangs damit einverstanden. Er war, glaub ich, auch ein bisschen stolz. Als wir dann richtig angefangen hatten, haben wir auch Dinge gemacht, mit denen er nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte – weil wir zum Beispiel einfach zu laut waren. Er wurde dann auf Markt angesprochen, was denn wieder bei ihm los gewesen wäre. Deswegen heißen wir jetzt "Lokal Harmonie".
Stella Cristofolini: 2008 haben wir dann noch zwei Theaterstücke gemacht: "Seemannsheim" und "Our Town. Ruhrort", die im Rahmen der "Akzente" liefen. 2009 kam dann "Lokal Harmonie Bosporus" und 2010 die "Local Hero"-Woche in Ruhrort, was mit ein Grund war, warum wir überhaupt in Ruhrort geblieben sind, sonst wären wir vielleicht weiter gezogen. In dieser Woche waren dann 15 Läden auf und danach waren wir ganz schnell wieder die Einzigen. Die Kreativ-Quartier Idee hat hier also so direkt nicht funktioniert. Wir waren dann, wie gesagt, die Einzigen, die sich gehalten haben, bis dann das Bauordnungsamt mit Sicherheitsbedenken kam und seit April 2011 gibt es auch uns nicht mehr.
Stefan Schroer: Jetzt sind wir ein bisschen in Auswanderstimmung. Weil wir aber nicht so schnell und leise verschwinden wollen, machen wir das "Lokal Harmonie" nun doch wieder auf. Wir haben jetzt ein gutes halbes Jahr mit dem Bauordnungsamt verhandelt und haben jetzt eine Baugenehmigung für einen Umbau, der sich soweit in Grenzen hält, dass wir ihn leisten können. Dann dürfen wir wieder mit maximal 40 Gästen und 10 Künstlern dort arbeiten. Im Moment dürfen wir nicht einmal rein, wir dürfen den Raum nicht als Proberaum nutzen, gar nichts. Wir haben nicht nur keine Versammlungsstättengenehmigung, sondern gar keine. Wir müssen jetzt neue Feuertüren einbauen und neue Fluchtwege schaffen.
Stella Cristofolini: Das Haus ist 120 Jahre alt und hat schmale Hausflure, hohe Decken, Stahlsäulen mittendrin und so weiter.
Stefan Schroer: Wir machen im Februar wieder auf und gucken, was passiert. Wir eröffnen mit einer Performance am 8.2.2012. Wir nehmen jetzt selbst 5.000 € bis 10.000 € in die Hand und machen hier auf eigene Faust weiter, auch ohne städtische oder sonstige Unterstützung.
Stefan Schroer: Wir sollten in dem Projekt auch als Kontaktstelle zur Duisburger Szene fungieren. Es sollte eine temporäre, verkehrsberuhigte Zone geben, die eine Art Spielstraßenmodell sein sollte. Die Leute der TU-Dortmund haben sich dann allerdings an Duisburg aufgerieben und es wurde verboten. Das hing vielleicht auch damit zusammen, dass es in Sichtweite vom Rathaus stattfinden sollte und sich die städtischen Vertreter vielleicht ein bisschen unsicher fühlten. Natürlich hatten wir auch schon ein paar Ideen, was man in Sichtweite des Rathauses so machen kann. Daran ist es offiziell aber nicht gescheitert, sondern an Sicherheitsbedenken.
Wir danken für dieses Gespräch!
Teaserbild: (c) TAD
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