
"Vom Pessimismus spüren wir nichts" - Interview mit Maneki Music
- Serie: Ruhr Music
Das Essener Kollektiv Maneki Music machte im letzten Jahr mit einigen Partys auf sich aufmerksam, die in Erinnerung geblieben sind. Im Interview mit 2010LAB sprechen die beiden Gründer Michaela alias mi*doubleyou und Marc alias Cramp über Pläne und Perspektiven des Kollektivs, die Kulturhauptstadt und die Region.
Ihr bezeichnet Euch ursprünglich als Kollektiv und seid bisher als Veranstalter, Produzenten und DJs in Erscheinung getreten – Wo liegt gerade Euer Schwerpunkt und was ist Maneki Music heute?
Mi (mi*doubleyou): Unser Schwerpunkt liegt momentan ganz klar auf den Parties im Goethebunker. Kleinere Randprojekte, wie z.B. Veranstaltungen in der Evebar, haben wir erst einmal auf Eis gelegt. Wir wollen unsere Energie derzeit auf eine Sache fokussieren, um unseren Eigenanspruch umsetzen zu können: eine gute Mischung aus Spaß auf der Tanzfläche und musikalischer Wertigkeit.
Marc (Cramp): Neben den Maneki Music-Veranstaltungen liegt mein persönlicher Schwerpunkt derzeit auch auf der Musikproduktion und dem Vorantreiben eigener Releases. Mit einem Umzug nach Essen und dem Einrichten eines Studios außerhalb der eigenen vier Wände haben sich in dieser Hinsicht einige neue und fruchtbare Möglichkeiten ergeben. Dazu zählen vor allem intensive Kooperationen mit anderen lokalen Musikschaffenden und die langfristige Entwicklung eines eigenen Sounds.
Versteht Ihr Euch als Gründer, also strebt Ihr mit Maneki Music auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit an, oder geht es Euch ausschließlich um kreativen Output und Austausch?
Mi: Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ist in dem Rahmen, in dem wir uns bewegen und bewegen wollen, ja praktisch nicht möglich. Mit nur einer Partyreihe oder einem Projekt kann das finanziell nicht gelingen. Schließlich bespielen wir keine Großraumdisco – und das ist auch gut so. In erster Linie geht es uns darum, unsere Ideen zu verwirklichen sowie gute Produzenten und DJs ins Ruhrgebiet zu holen – vor allem auch solche, die noch nie hier waren.
Gleichzeitig tauschen wir uns gerne mit befreundeten DJs und Veranstaltern aus. Mit Mike Dnmk Alexander von der „Untertauchen“-Reihe gibt es beispielsweise einen regen Ideenaustausch. Unser Zugang zur Musik und unsere Arbeitsweise passen gut zueinander. Seine und unsere Reihe finden nun im monatlichen Wechsel jeden dritten Samstag statt. Man könnte sagen „Untertauchen“ segelt mehr unter der Techno-Flagge und „Maneki Music“ etwas mehr unter der House-Flagge, die Fahrtrichtung ist aber die gleiche.
Ende 2009 sagtet Ihr in einem Interview mit Jens Kobler, dass Ihr in erster Linie Eure Veranstaltungen vorantreiben wollt, längerfristig aber auch als Label in Erscheinung treten wollt. Habt Ihr Eure Ziele erreicht?
Mi: Seit diesem Interview ist ja gerade mal ein gutes Jahr vergangen. Prinzipiell sind wir, was unsere Veranstaltungen betrifft, insgesamt sehr zufrieden. Das Projekt Label ist bisher noch nicht realisiert worden. Es gibt aber mittlerweile konkretere Pläne, doch noch ist das nicht spruchreif. Klar ist auf jeden Fall, dass hier einiges in der Ideenschmiede und teilweise auch schon in Arbeit ist. Wir wollen an der Stelle nichts überstürzen, Qualität braucht ihre Zeit. Und da wir insgesamt viel um die Ohren haben neben der Musik, wird das alles noch ein paar Tage dauern.
Im selben Interview sagtet Ihr auch, dass Ihr vom üblichen, ruhrgebietstypischen Kulturpessimismus nichts spürt. Was hat sich an den Möglichkeiten und Voraussetzungen für qualitative Veranstaltungen in der Region durch das Kulturhauptstadtjahr geändert?
Mi: Stimmt, vom großen Pessimismus spüren wir immer noch nichts. Wir sind halt nicht kulturpessimistisch und tragen unser Quäntchen zur Popkultur bei.
Ob oder was sich durch 2010 geändert hat, vermag ich nicht zu beurteilen. In meinem Umfeld nehme ich Leute und Aktionen wahr. Diese Aktionen halte ich teilweise für gelungen und teilweise für Mist. Ist aber ja auch immer Geschmackssache. Was zählt, sind die Aktionen an sich. Wenn ich mit Freunden spreche, die schon zehn Jahre länger dabei sind und sich abrackern mussten, um Veranstaltungen für 100 Leute auf die Beine zu stellen, dann wird einem klar: es geht nicht um 2010. Wir haben hier heute einen Rahmen, in dem etwas geht, und das muss genutzt werden. Es geht also ums Machen, ums Handeln in Bezug auf die Region generell und nicht darum, ob 2010 jetzt erfolgreich war oder nicht. Aufmerksamkeit hat Essen dadurch jedenfalls bekommen.
Wie beurteilt Ihr generell die Chancen für junge, kreative Gründer und Initiativen in der Region, im Bezug auf Infrastruktur, Möglichkeiten auch aus dem Pott heraus zu Expandieren etc.?
Marc: Auch dies ist natürlich sehr stark abhängig von der jeweiligen Sparte. Bezogen auf Techno-Veranstaltungen gibt es im Pott durchaus gute Möglichkeiten der Umsetzung. Allerdings ist die Szene natürlich schon allein quantitativ nicht vergleichbar mit Berlin oder Hamburg. Unser Fokus liegt derzeit, wie bereits gesagt, ganz klar auf lokalen Veranstaltungen innerhalb des Ruhrgebiets. Ein Export unserer Partyreihe ist daher nicht geplant, eher ein Import von herausragenden Acts.
Mi: Ein Expandieren im räumlichen Sinne ist eher insofern denkbar und möglich, als dass wir uns als DJs in andere Regionen bewegen. Ich werde demnächst zum Beispiel in Hamburg und Berlin spielen im Rahmen von Labelnächten des Hamburger Labels FormResonance, für das ich arbeite.
Was sind Eure Pläne für das Jahr eins nach der Kulturhauptstadt?
Mi: Ins neue Jahr starten wir am 19. März im Goethebunker mit einer weiteren Ausgabe unserer Partyreihe. Diesmal haben wir mit dem New Yorker Levon Vincent aus dem Umfeld des Berliner Berghains einen hochkarätigen DJ und Produzenten eingeladen. Weitere Gäste sind diesmal die Bielefelder Doppel Mono, die ihrerseits eine neue Partyreihe planen und uns dann demnächst nach Bielefeld einladen werden. Auf dem zweiten Floor experimentieren wir wieder mal ein wenig und haben neben unserem Resident Pe.Po den jungen Macaulay K-Hole von der Flat Field-Reihe eingeladen. Wir wollten soundmäßig das Programm erweitern und bieten im März eine Mischung aus New Wave, Postpunk und Italodisco an. Gerade der kleine Floor bietet sich an, auch neuen oder weniger bekannten Leuten eine Plattform zu bieten und für ein bisschen Abwechslung zu sorgen.
Im April werden wir den zweiten Floor bei der nächsten Untertauchen-Party mit Marcel Dettmann machen.
Marc: Maneki Music ist in unserem Selbstverständnis ja ohnehin kein allzu starres Konzept mit festem Fahrplan, sondern lebt gerade von der Flexibilität. Während die Partyreihe eine feste Konstante von Maneki Music ist, gibt es darüber hinaus reichlich Spielraum für die Umsetzung weiterer Vorhaben. Man darf also gespannt sein, in welche Richtung sich Maneki Music über die Partys hinaus in Zukunft entwickeln wird.
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Ihr bezeichnet Euch ursprünglich als Kollektiv und seid bisher als Veranstalter, Produzenten und DJs in Erscheinung getreten – Wo liegt gerade Euer Schwerpunkt und was ist Maneki Music heute?
Mi (mi*doubleyou): Unser Schwerpunkt liegt momentan ganz klar auf den Parties im Goethebunker. Kleinere Randprojekte, wie z.B. Veranstaltungen in der Evebar, haben wir erst einmal auf Eis gelegt. Wir wollen unsere Energie derzeit auf eine Sache fokussieren, um unseren Eigenanspruch umsetzen zu können: eine gute Mischung aus Spaß auf der Tanzfläche und musikalischer Wertigkeit.Marc (Cramp): Neben den Maneki Music-Veranstaltungen liegt mein persönlicher Schwerpunkt derzeit auch auf der Musikproduktion und dem Vorantreiben eigener Releases. Mit einem Umzug nach Essen und dem Einrichten eines Studios außerhalb der eigenen vier Wände haben sich in dieser Hinsicht einige neue und fruchtbare Möglichkeiten ergeben. Dazu zählen vor allem intensive Kooperationen mit anderen lokalen Musikschaffenden und die langfristige Entwicklung eines eigenen Sounds.
Versteht Ihr Euch als Gründer, also strebt Ihr mit Maneki Music auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit an, oder geht es Euch ausschließlich um kreativen Output und Austausch?
Mi: Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ist in dem Rahmen, in dem wir uns bewegen und bewegen wollen, ja praktisch nicht möglich. Mit nur einer Partyreihe oder einem Projekt kann das finanziell nicht gelingen. Schließlich bespielen wir keine Großraumdisco – und das ist auch gut so. In erster Linie geht es uns darum, unsere Ideen zu verwirklichen sowie gute Produzenten und DJs ins Ruhrgebiet zu holen – vor allem auch solche, die noch nie hier waren.
Gleichzeitig tauschen wir uns gerne mit befreundeten DJs und Veranstaltern aus. Mit Mike Dnmk Alexander von der „Untertauchen“-Reihe gibt es beispielsweise einen regen Ideenaustausch. Unser Zugang zur Musik und unsere Arbeitsweise passen gut zueinander. Seine und unsere Reihe finden nun im monatlichen Wechsel jeden dritten Samstag statt. Man könnte sagen „Untertauchen“ segelt mehr unter der Techno-Flagge und „Maneki Music“ etwas mehr unter der House-Flagge, die Fahrtrichtung ist aber die gleiche.
Ende 2009 sagtet Ihr in einem Interview mit Jens Kobler, dass Ihr in erster Linie Eure Veranstaltungen vorantreiben wollt, längerfristig aber auch als Label in Erscheinung treten wollt. Habt Ihr Eure Ziele erreicht?
Mi: Seit diesem Interview ist ja gerade mal ein gutes Jahr vergangen. Prinzipiell sind wir, was unsere Veranstaltungen betrifft, insgesamt sehr zufrieden. Das Projekt Label ist bisher noch nicht realisiert worden. Es gibt aber mittlerweile konkretere Pläne, doch noch ist das nicht spruchreif. Klar ist auf jeden Fall, dass hier einiges in der Ideenschmiede und teilweise auch schon in Arbeit ist. Wir wollen an der Stelle nichts überstürzen, Qualität braucht ihre Zeit. Und da wir insgesamt viel um die Ohren haben neben der Musik, wird das alles noch ein paar Tage dauern.
Im selben Interview sagtet Ihr auch, dass Ihr vom üblichen, ruhrgebietstypischen Kulturpessimismus nichts spürt. Was hat sich an den Möglichkeiten und Voraussetzungen für qualitative Veranstaltungen in der Region durch das Kulturhauptstadtjahr geändert?
Mi: Stimmt, vom großen Pessimismus spüren wir immer noch nichts. Wir sind halt nicht kulturpessimistisch und tragen unser Quäntchen zur Popkultur bei.
Ob oder was sich durch 2010 geändert hat, vermag ich nicht zu beurteilen. In meinem Umfeld nehme ich Leute und Aktionen wahr. Diese Aktionen halte ich teilweise für gelungen und teilweise für Mist. Ist aber ja auch immer Geschmackssache. Was zählt, sind die Aktionen an sich. Wenn ich mit Freunden spreche, die schon zehn Jahre länger dabei sind und sich abrackern mussten, um Veranstaltungen für 100 Leute auf die Beine zu stellen, dann wird einem klar: es geht nicht um 2010. Wir haben hier heute einen Rahmen, in dem etwas geht, und das muss genutzt werden. Es geht also ums Machen, ums Handeln in Bezug auf die Region generell und nicht darum, ob 2010 jetzt erfolgreich war oder nicht. Aufmerksamkeit hat Essen dadurch jedenfalls bekommen.
Wie beurteilt Ihr generell die Chancen für junge, kreative Gründer und Initiativen in der Region, im Bezug auf Infrastruktur, Möglichkeiten auch aus dem Pott heraus zu Expandieren etc.?
Marc: Auch dies ist natürlich sehr stark abhängig von der jeweiligen Sparte. Bezogen auf Techno-Veranstaltungen gibt es im Pott durchaus gute Möglichkeiten der Umsetzung. Allerdings ist die Szene natürlich schon allein quantitativ nicht vergleichbar mit Berlin oder Hamburg. Unser Fokus liegt derzeit, wie bereits gesagt, ganz klar auf lokalen Veranstaltungen innerhalb des Ruhrgebiets. Ein Export unserer Partyreihe ist daher nicht geplant, eher ein Import von herausragenden Acts.Mi: Ein Expandieren im räumlichen Sinne ist eher insofern denkbar und möglich, als dass wir uns als DJs in andere Regionen bewegen. Ich werde demnächst zum Beispiel in Hamburg und Berlin spielen im Rahmen von Labelnächten des Hamburger Labels FormResonance, für das ich arbeite.
Was sind Eure Pläne für das Jahr eins nach der Kulturhauptstadt?
Mi: Ins neue Jahr starten wir am 19. März im Goethebunker mit einer weiteren Ausgabe unserer Partyreihe. Diesmal haben wir mit dem New Yorker Levon Vincent aus dem Umfeld des Berliner Berghains einen hochkarätigen DJ und Produzenten eingeladen. Weitere Gäste sind diesmal die Bielefelder Doppel Mono, die ihrerseits eine neue Partyreihe planen und uns dann demnächst nach Bielefeld einladen werden. Auf dem zweiten Floor experimentieren wir wieder mal ein wenig und haben neben unserem Resident Pe.Po den jungen Macaulay K-Hole von der Flat Field-Reihe eingeladen. Wir wollten soundmäßig das Programm erweitern und bieten im März eine Mischung aus New Wave, Postpunk und Italodisco an. Gerade der kleine Floor bietet sich an, auch neuen oder weniger bekannten Leuten eine Plattform zu bieten und für ein bisschen Abwechslung zu sorgen.
Im April werden wir den zweiten Floor bei der nächsten Untertauchen-Party mit Marcel Dettmann machen.
Marc: Maneki Music ist in unserem Selbstverständnis ja ohnehin kein allzu starres Konzept mit festem Fahrplan, sondern lebt gerade von der Flexibilität. Während die Partyreihe eine feste Konstante von Maneki Music ist, gibt es darüber hinaus reichlich Spielraum für die Umsetzung weiterer Vorhaben. Man darf also gespannt sein, in welche Richtung sich Maneki Music über die Partys hinaus in Zukunft entwickeln wird.
Externe Links
- Maneki Music
- Untertauchen im Goethebunker
- FormResonance, Hamburg
- Levon Vincent, New York
- Berghain, Berlin
- Doppel Mono, Bielefeld
- Flat Field, Essen
- Marcel Dettmann, Berlin
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- Ruhrpuls-Festival 2010
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Mo, 28.02.2011
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