Ein Interview mit der Band Volvo Penta direkt nach ihrem Auftritt im Essener Gold Club.
Jens Kobler: Zur Vorstellung und Einordnung: Bei welchen anderen Bands spielt Ihr überhaupt außerdem bzw. habt Ihr gespielt?
Marcus (Gitarre, Gesang; auf dem Foto rechts): Rautavaara und Leonid Hell.
Stefan: (Gitarre; ganz links): The Cherrypops und ein Projekt mit der Freundin von André.
André (Tiefton; 2.v.r.): The Cherrypops, Leonid Hell, das Projekt mit meiner Freundin und Divan Dread. Außerdem mache ich das Recording der meisten genannten Bands.
JK: Beim ersten Lied mit Gesang dachte ich: „Ah, ein bisschen wie ein Lee Renaldo Song“. Und später: „Ja, die hören gewiss Sonic Youth“. Und dann traut Ihr Euch auch noch, wie sonst z.B. nur Mudhoney, „Revolution“ von Spacemen 3 zu covern. „Post-Rock-Rocker sind das“, dachte ich dann. Trifft sich da was bei Euch bei so Typen wie Jim O’Rourke, der ja sowohl bei Sonic Youth als auch bei Tortoise gespielt hat? Und wart Ihr früher nicht post-rockiger?
Marcus: Im Druckluft sprach mich mal ein Typ an der meinte, dass ich wie der Sänger von Mudhoney (Mark Arm) aussehe. Das passierte nicht zum ersten Mal. Mir geht der momentane Post-Rock-Hype (nur instrumental) mächtig auf die Nüsse. Habe viele solcher Bands bei Myspace gehört und kann sie kaum auseinander halten. Möchte nicht dazu gehören…
Stefan: Post-Rock war am Anfang eine schöne Sache, als Explosions In The Sky noch neu waren. Dann fanden viele die Band toll und spielten genauso. Ab da verkam der Begriff zum Klischee und ich verstand, dass ich Mogwai eh immer lieber mochte als die anderen Bands ohne Gesang. „Post“ ist nach wie vor eine verlockende Kategorie. „Post“ ist immer das, was danach kommt, also zu dem Zeitpunkt, wo sich eine Sache überholt hat. Insofern würde ich immer noch gerne Post-Rock sein, aber der Begriff ist zu besetzt. Mogwai sagen über sich: Indie Rock ohne Gesang. Das finde ich trifft die Sache doch noch am besten. Als deutsche Band gibt es auch die Problematik: Englisch singen ist leicht peinlich, Deutsch nervt schnell. Insofern: Instrumental. Deutsche Bands dürfen eigentlich nicht singen.
André: Ja, Tortoise finde ich total gut. Ich komme ja so oder so aus einer Instrumental-Ecke. Bassunterricht beim Jazzer prägt halt. Und Tortoise waren halt echt cool, obwohl die auch nur bei Krautrock-Bands wie NEU! geklaut haben. – das wusste ich damals aber noch nicht. Ich habe halt als Jugendlicher viel Miles Davis in der elektrischen Phase gehört und dann auch Hardcore (Bad Brains, Suicidal Tendencies). Aber Tortoise waren dann gut, weil die so die Wurzeln, die vergessen wurden, wieder ausgegraben haben. Yo!!!
Kai (Schlagzeug; 2.v.l.): Höchstwahrscheinlich sind wir eingespielter als vor zwei Jahren. Hinzu kommt, dass wir damals, als Du uns im AZ gesehen hast, das erste Konzert in dieser Besetzung spielten. Darüber hinaus haben wir wohl bei den meisten Stücken erst durch das „Spielen“ herauskristallisiert, in welche Richtung sich die Stücke entwickeln sollten.
JK: Wie kommt Ihr damit klar, dass Ihr nicht mehr in dem Alter seid, wo man sein Studium hinschmeißt, um ein total begehrter Rockstar zu werden?
Stefan: Meine Vision war schon immer, weltweit unbekannt zu sein statt lokal berühmt. Also eine obskure Platte machen, die dann weltweit 300 begeisterte Hörer findet, und im Jugendzentrum um die Ecke steht man vor drei Gestalten. Aber das ist nicht schlimm.
Kai: Wir stehen also nicht mehr unter Druck, groß raus zu kommen und können uns unserem amateurhaften LoFi-Spaß vollständig hingeben!
André: Habe ja mein Studium geschmissen, um Rockstar zu werden. Hat halt nicht geklappt.
JK: Und was macht Ihr demnächst so?
Stefan: Eine geniale Vinyl-Single, nämlich eine Split-Single mit Ship Of Ara. Wir covern „Greatest Day“ von Take That, und die andere Band spielt „Sign O’ The Times“ von Prince nach. Des weiteren gibt es Konzerte in Hannover, Dortmund, äh, New York, London,…, Bordeaux, Stubnitz, was weiß ich.
Marcus: Ich möchte mit meiner anderen Band Leonid Hell nächstes Jahr durchstarten. Die musikalische Richtung da ist Noise, Psych, Trash, Rock… Dynamik, Energie, Selbstzerfleischung, Blut und laut. Behilflich dabei sind u.a. ein Ölfass, Eisen und einfach nur Hingabe.
André: Kein Rockstartum. MIEP! Dann soll es doch wenigstens eine eigene Kochshow auf SuperRTL sein.