
Theater der Welt - Hans Peter Litscher präsentiert ein Bergmanns-Vermächtnis
- Serie: Theater Wagen
Die Schweizer sind hin und wieder undurchdringbar. Man weiß oft nicht, sind sie so oder gaukeln sie uns das vor? Es gibt einen so dermaßen ernsten Witz, dass man auf so manchen Schabernack hereinfällt, ohne es zu merken. So auch beim Künstler Hans Peter Litscher, Schweizer mit Wohnort Paris, der sich für Theater der Welt der leer stehenden Villa Rauen bemächtigt, um dort das Leben des Ernst Adolf Steiger bis ins kleinste Detail auszubreiten, und das in einer Form, die nicht einzuordnen ist.
Skurrile Aus- und Ansichten
Draußen auf einem Hügel, vor den innerstädtischen Unzulänglichkeiten Mülheims, liegt ein Steinbruch mit einer Villa on Top, der Villa Rauen, auf dem Gelände der Hermann Rauen GmbH. Sie war leer. Nun ist sie voll, künstlerisch voll manipuliert, aber anmutend, als sei dieses Sammelsurium längst dort museal manifestiert. Hans Peter Litscher lädt zu einer Führung durch das Barbararium von Ernst Adolf Steiger, von Beruf Steiger, leidenschaftlicher Sammler von Grubenunglücken. Ist das Performance-Kunst? Doch eher eine sorgfältigst vorbereitete Gaukelei, also die Kunst der Täuschung in der Wahrheit.
Barbara – Rabarbara
Steiger war also auch Komponist. Sein Werk soll im nächsten Jahr bei den Wiener Festwochen uraufgeführt werden. Leider kann er das nicht mehr miterleben, denn er ist in den Anden abgestürzt – mit einem Flieger Namens Barbara. Überhaupt ist er ein, wenn nicht der Barbara-Sammler, ein Wahn, der ihn zeitlebens nicht loslässt. So steht in dieser „Villa Kunterbunt“ allerhand Zeugs rum, gesammelt, um eben ihm, dem E.A. Steiger ein Denkmal zu setzen: Schallplatten (er war Mitglied der Wiener Sängerknaben – als Mädchen), Fotos, Bücher, Grubendevotionalien.
Aldi-Mythos und Ponys
Steigers Mutter war eigentlich die Gründerin von Aldi, erfahren wir, die Zuschauer, die immer brav Litschers „Kommen Sie!“ folgen. Er war auch Experte für Flagellantismus, noch heute würde nach seinen Methoden gefoltert. Manchen der Besucher geht erst spät das Licht auf, dass hier Virtualität sichtbar gemacht wird, dass diese umfassende Biographie eine Ruhrgebietslüge ist; dennoch zeigt Steigers Leben alles, was so in den letzten 100 Jahren an Wahnsinn passiert ist, wenn auch nur anhand kleiner Requisiten, Habseligkeiten, die wunderbar ausgesucht aufgestellt und gehängt sind. Höhepunkt der Führung ist sicher das Herablassen, das „Hissen“ des Bondage-Ponys. Überhaupt seien Grubenponys die wahren Märtyrer des Ruhrgebiets. Mehr sei hier nicht verraten. Weitere Vorstellungen: am 7., 8., 10. und 11. Juni
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