Verlängerung! UZDO-Kunst bleibt vorerst im alten MaO

Rein, raus, rein, raus, rein! Nach einem Wechselbad der Gefühle kann die Dortmunder Initiative für ein Unabhängiges Zentrum einen Teilerfolg für sich verbuchen. Die Gemälde, Fotos und Skulpturen, denen zunächst nur für zwei Tage im ehemaligen Museum am Ostwall eine temporäre Darstellungsplattform eingeräumt wurde, dürfen im Anschluss an ein turbulentes Wochenende vorerst hängen bzw. stehen bleiben, wie der UZDO-Künstlerbeauftragte Johannes Lührs am Sonntagabend erleichtert vermeldet.

Wenige Stunde zuvor noch war der Gruppe mitgeteilt worden, dass sie ihre Werke bis zur Schlüsselübergabe am Montagmorgen zu entfernen hat, da 50 anderweitige Künstler die Flächen in Beschlag zu nehmen gedenken. Von diesem bereits feststehenden Nutzungsverlauf war UZDO bis zu diesem Zeitpunkt nicht in Kenntnis gesetzt worden.

Vielmehr hatte man die Gruppe im Vorfeld mit Verweis auf den laufenden Abwicklungsprozess des alten Museums und der fortlaufenden Nutzung als Büro- und Lagerraum vom Objekt fern zu halten versucht. Erst ein Gespräch mit Kurt Eichler vom zuständigen Kulturbüro machte den Weg frei für die zweitägige Bespielung.

Diese beginnt am Samstag mit einer Pressekonferenz. „Ich muss ausdrücken, dass ich tatsächlich etwas irritiert bin, dass von Seiten der Stadtverwaltung niemand hier ist, weil wir oft gehört haben, dass die Leute uns nicht kennen", zeigt sich UZDO-Pressesprecher Tino Buchholz zunächst enttäuscht über die fehlende Resonanz ungenutzte Möglichkeit des Dialogs seitens der Politik. Für ihn ist die Aktion im MaO-Gebäude wegweisend für die gesamte Initiative: „Wir sind am Limit. Entweder es gibt einen Schub, oder wir machen erstmal Winterpause."

Eine kurze Stippvisite von Kulturdezernent Jörg Stüdemann vermittelt leise Hoffnung. Gegenüber den UZDO-Leuten lässt er verlauten, dass es schön wäre, wenn die Bilder hängen bleiben könnten. Während auf zwei Etagen mehr als ein Dutzend Künstler ihre Werke aus- und persönlich vorstellen, reihen sich in der Halle Podiumsdiskussion, Vortrag, Konzert und Party aneinander.

Alexander Kerlin, Mitglied der Künstlergruppe kainkollektiv und Dramaturg am Dortmunder Schauspielhaus hält ein Plädoyer für die freie Kunstszene und deren Anrecht auf Gestaltungsräume: „Wir können uns alle keine Stadt vorstellen, in der man nur noch zwischen Saturn und Media Markt wählen kann. Wo sind die Orte der Begegnung und der Gemeinschaft?

Plötzlich sind Künstler und Kulturschaffende zu einem der wichtigsten Standortfaktoren avanciert, die sich die Wirtschaft und die Politik so vorstellen kann. (…) Das sind doch eigentlich die Leute, nach denen die Politiker rufen und gleichzeitig wird ihnen aber mit einer Politik der Verhinderung die Chance verwehrt, sich zu verwirklichen.“

Lührs hält eine Zwischennutzung der Räume bis zur Abwicklung des ausgezogenen Museums im April nächsten Jahres für sinnvoll und machbar: „Ich finde, eine Forderung, die wir stellen können, ist die, dass diese sowieso geheizten Räume anderen Menschen als Räumlichkeit zur Verfügung stehen, um kreativ zu handeln, wenn die Kosten sowieso bezahlt werden.“

Von einer Co-Existenz ist die Rede, ebenso von einer Wochenend- oder einer monatliche Einmalnutzung.

24 Stunden später steht die UZDO-Anwesenheit jedoch vor dem Aus. „Frustration ist auf jeden Fall da“, kommentiert "Jojo" Lührs die Informationslage, dass die Kunstwerke der Gruppe nicht im Gebäude verbleiben dürfen. Als Grund wird die oben genannte Zusage seitens des Kulturbüros an die anderen Künstler vorgeschoben, deren Herkunft und Hintergrund UZDO unbekannt bleibt.

Die Stimmung unter den Aktivisten ist im Keller. Erste UZDO-Kreative beginnen mit dem Abbau, andere denken über eine „Bilderbesetzung“ nach, wollen ihre Werke trotzig hängen lassen. Doch dann die erneute Wende: Der Gruppe wird plötzlich mitgeteilt, dass die anderweitige künstlerische Folgenutzung erst im Januar anstehe und ihr ein zumindest temporärer Verbleib in den MaO-Räumlichkeiten gestattet wird.

Opa Pritschikowski würd` jetzt sagen: Da machse watt mit…

Fotos: Michael Blatt (Motive: V/A UZDO)

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Mo, 06.12.2010 4

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Kommentare

uzdo

Ja. Alles fast richtig. Rambazamba mit Pappkartons. Seit Jahren gibt es stillen Bedarf von anderen Stelle und kein Lösungsinteresse bei Politik und verwaltung...

ergänzend

So passt das doch: du beschreibst die wichtigen und richtigen Anliegen der Aktivisten, den zermürbenden HickHack mit der Verwaltung und überhaupt, den Willen der Leute was zu bewegen. Ich dachte, ich lass mal die Politik draußen, das Wollen-Wollen und alll das Dagegensein und linksautonomen Lifestyle und guck mir die Kunst an, für die das ja offenbar stattfindet. Und dann bleibt das Anliegen richtig, die Motive bleiben es auch, nur die kreativen Inhalte, tja...sie erscheinen eher Mittel zum Zweck als der Zweck selbst.
Bleibt trotzdem spannend, was aus all dem Häuserkampf wird.

Öffnungszeiten

Für morgen sind weitere Gespräche zwischen der Stadt (Kulturbüro) und UZDO geplant. Bisher weiß die Gruppe weder wie lange die Werke am Ort bleiben dürfen, noch wann sie öffentlich zugänglich sind.

Öffnungszeiten?

Ist da jetzt wie üblich in Museen "montags geschlossen" und kann man sich das ab Dienstag mal ansehen? Bin nach den verschiedenen Beiträgen hier nun doch sehr neugierig. Weißt Du mehr?

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05.01.2010

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