
UZDO trägt erste Früchte - Neues Zuhause für das Theater Lebendich
- Serie: Kreativ.Quartier.Ruhr, Ökonomie
Hoffnungsvoll gingen die Mitstreiter der UZ Dortmund-Initiative zum Ende ihrer Aktionswoche am letzten Samstag in die in Aussicht gestellten Gespräche mit Vertretern der Stadt und RUHR.2010. Ein erster Erfolg scheint nun bereits nach kurzer Zeit unter Dach und Fach zu sein.
Am Rande der e.c.c.e.-Pressekonferenz zum Ausbau der Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet war aus UZ-Kreisen zu hören, dass das Theater Lebendich, das genau eine Woche zuvor mit einer öffentlichen Probe auf dem Friedensplatz nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hatte, nun ein neues Zuhause gefunden hat. Genaue Details werden aller Voraussicht aber erst nach dem endgültigen Vertragsabschluss bekanntgegeben. Die alten Räumlichkeiten in der Münsterstraße waren zuvor nicht mehr finanzierbar gewesen.
Gefühlte fünf Minuten der etwas mehr als einstündigen Veranstaltung befasste sich denn auch die Pressekonferenz im Schatten des Dortmunder U mit dem Thema "Off-Kultur/Besetzte Räume/Zwischennutzung". Inklusive der ein oder anderen erhellenden Erkenntnis.
So hat e.c.c.e.-Direktor Dieter Gorny die "künstlerischen Zwischennutzungen" mittlerweile kurzerhand in das Feld der Standortpolitik involviert:
"Künstler/Kreative gehen in Brachen, besetzen und entwickeln die mehr oder minder kontrolliert selber. Wir haben gerade zwei interessante Beispiele: Einmal die Besetzung des DGB-Hauses in Essen, einmal hier die der ehemaligen Kronenbrauerei. Auch das sind wichtige Felder. Ich finde es gut, dass die Künstler da bewusst in Bewegung kommen und sagen: „Wir sind hier!“ Wir müssen auch über solche Formen der Zwischennutzung debattieren.
Wir haben eine sehr interessante Entwicklung in Essen. Zum einen, weil in der City-Nord Herr Wiesemann, Eigner des Unperfekthaus, sich schon gemeldet und gesagt hat: „Ich will mithelfen für diese Künstlergruppe etwas zu finden.“ Zum anderen, weil wir mit dem DGB, das ist der Eigner des besetzen Hauses, in Verbindung getreten sind und mit und für die Künstler verhandeln, um hier ein vernünftiges Ergebnis der Nutzung hinzukriegen, um danach auch eine Endnutzung zu bekommen.
Ähnliches wird auch in Dortmund passieren. Hier ist es immer sehr wichtig zu moderieren, um auch hier eine Menge Vorurteile abzubauen, im Umgang mit diesen Dingen."
Bezüglich besagter Vorurteile mag sich unter Umständen auch Dortmunds Kulturdezernent Jörg Stüdemann angesprochen gefühlt haben, der dieser Tage einerseits ein offenes Ohr für die Interessen des UZDO hat und Gesprächsbereitschaft zeigt, aber im Anschluss an sein erwartungsgemäßes Loblied auf das Kreativ.Quartier "Dortmunder U" doch noch so einiges an Skepsis hinsichtlich der sozio-kulturellen Szene durchklingen lässt:
"Dass die Stadt (…), dass wir so viel Geld in die Hand nehmen können, um dieses Laboratorium zu stiften, ist eigentlich unvorstellbar. Umso notwendiger ist es, das will ich an dieser Stelle auch sagen, weil ich gar keine Lust habe auf falsche Opposition, dass wir die auch die jetzt sich selbst aufrufenden Initiativen und Projekte in diesen Kontext mit hinein nehmen.
Auch die werden etwas kreieren oder etwas entwickeln, was weder der Dieter Gorny noch ich kennen und was Oliver Scheytt auch nicht weiß. Man muss nur die Offenheit haben, zu sagen: Da entsteht wieder etwas, das hat eine andere Generation, das haben andere Leute herangetragen.
Das wird spannend werden. Es wird auch vieles falsch und fehl laufen. Das ist völlig normal in einem solchen Zustand. Den müssen wir ertragen, aber der macht die Sache auch ganz vital und spannend."
Fotos:
-Teaser: Theater Lebendich (Rechte: Jérome Gerull)
- Text oben: Theater Lebendich (Rechte: Jérome Gerull)
- Text Mitte: Dieter Gorny (Rechte: RUHR.2010)
- Text unten: in der Mitte Jörg Stüdemann (Rechte: Jérome Gerull)
Ähnliche Beiträge:
- Kreativität ohne Wirtschaft denken - Interview mit UZDO (Teil 1)
- UZ-Dortmund - Solidaritätsadresse von Freiraum2010
- Anstiftung zum kreativen Ungehorsam - Ein Hilferuf aus dem Ruhrgebiet
- Freiraum 2010 eröffnet - Haus besetzt
- Euromayday - Friedliche Schlachten für ein besseres Einkommen
- Kultur ist ein Werkzeug der Unternehmen
- Wandel durch Abwanderung
- RUHR.2010 - Zum Malen in den Keller gehen oder nach Köln?
- Nachdenken über Freiräume für Künstler und Kreative
- "Wir meinen es wirklich ernst" - Interview mit Dieter Gorny
- Street Art: Allein die Tat ist eine politische Aussage
Kommentar hinzufügen
Kommentare
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets






























Erfolg und Misserfolg zugleich
Ich freue mich für die Theatergruppe, dass sie jetzt wieder eine Perspektive hat. Leider wird dadurch die UZ Dortmund-Initiative
kleiner, ich hoffe aber, dass sie nicht an Kraft und Schwung verliert.