
Uschmann live: Die Ravioli-Dose des Grauens
- Serie: Oliver Uschmann, Quergelesen
Die erfolgreiche Hartmut-und-ich-Reihe wird real! Im Sommer ist die berüchtigte Bochumer WG aus den Romanen Oliver Uschmanns auf einer Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur live zu erleben. Ein Interview mit dem Autor.
Mit 500 000 verkauften Einheiten der ersten vier Teile seiner Hartmut-und-ich-Reihe gehört der in Wesel geborene Oliver Uschmann zu den Bestsellern Deutschlands. 2008 erhielt er für seinen Roman Wandelgermanen den Förderpreis NRW, der erste Teil ist mittlerweile in der 16. Auflage erhältlich.
Schon seit 2005 können Fans der Reihe die Räumlichkeiten der Bochumer WG aus Hartmut und ich und dem Nachfolger Voll beschäftigt auf der Seite www.hartmut-und-ich.de virtuell betreten.
In Zusammenarbeit mit dem Museum für Westfälische Literatur werden die Wohnräume nun auch plastisch erfahrbar. Ab dem 20. Mai präsentiert Ab ins Buch! Die interaktive Hartmut-und-ich-WG-Ausstellung auf dem Gelände des Kulturguts Nottbeck in Oelde mehr als nur einen Einblick in Uschmanns skurriles Universum.
Oliver, wie ist die Idee zur Hartmut-und-ich-Ausstellung entstanden?
2008 habe ich den Literaturpreis bekommen und Walter Gödden, der Professor, der zugleich der Chef des Museums für westfälische Literatur ist hat kurze Zeit später im Westfalenspiegel einen Artikel über „Literatur im PlayStation-Format“ geschrieben. Dort ist er sehr stark auf das Gesamtkunstwerk eingegangen, illustriert mit Screenshots der WG von der Website. Ihm gefällt, dass Hui nicht nur Bücher sind, sondern eine komplette Welt entstehen lässt. Und dann hat er uns eingeladen, diese Welt aufzubauen, da er immer sehr moderne und gegenwärtige Ausstellungen initiiert.
Gab es Vorbilder für diese Ausstellung?
Nein. Ich glaube, es gibt bisher keine Ausstellung, in der Kulissen einer Romanreihe aufgebaut wurden, zumindest fällt mir gerade nichts ein. Außer der Harry-Potter-Themenpark vielleicht...
Wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme, vor allem mit der Idee Wohnzimmer, Keller, Rasthof, also wirklich die Hartmut-Kulissen aufzubauen.
Wir haben schon länger gesammelt und bieten auf der Homepage auch einige Originale im Garagenverkauf an. Und dann hat sich das Ganze einfach entwickelt. Wenn man sagt, dass man in dem Wohnzimmer auch leben können soll, dann muss die PlayStation auch funktionieren, und dann müssen konsequenterweise die 350 Spiele, die auf der Website aufgelistet sind, die in den Büchern immer wieder vorkommen auch dort stehen und spielbar sein.
Wie schwierig gestaltet sich die Suche nach dem Interieur?
Einige Requisten aus der „echten“ WG sind noch vorhanden. Beispielsweise die Originalnummer des Hauses, die von den Käufern aus den Trümmern des abgerissenen Hauses gerettet wurde, als sie erfahren haben, wer da gelebt hat.
Das Surfbrett aus der Küche, das meinem Mitbewohner gehört hat, der optisch das Vorbild für Hartmut ist, und die „Ravioli-Dose des Grauens“...Andere Dinge müssen wir besorgen. Hätte ich damals natürlich gewusst, dass ich mit den Hartmut-und-ich-Romanen deutschlandweit bekannt bin, dann hätte ich die Möbel eingelagert. Jetzt müssen wir mühsam zusehen, dass wir die gleichen Möbel wieder bekommen. Das gestaltet sich teilweise recht mühsam. Wer hätte gedacht, dass es alleine schwierig ist die Poster, die im Wohnzimmer hängen zusammenbekommen, da die teilweise in dieser Form überhaupt nicht existieren.
Die Ausstellung wird als interaktiv angekündigt. Wie kann man sich das vorstellen?
Da gibt es verschiedene Ebenen. Es besteht die Möglichkeit, dass man sich einfach mit einer Idee meldet. Wenn beispielsweise eine Theatergruppe anruft und sagt, man wolle im Wohnzimmer einen Sketch drehen. Außerdem halte ich Freitags ab 15 Uhr meine Sprechstunde für Nachwuchsschriftsteller. Dazu kommen verschiedene andere Veranstaltungen, beispielsweise ein Kurzgeschichten-Wettbewerb im Geiste Hartmuts oder der Singer-Songwriter-Contest, bei dem wir noch drei freie Slots haben, wo man zusammen mit Bernd Begemann, Oliver Minck und Co. auftreten kann. Oder der Fußballtag, wo wir tagsüber bolzen, und entsprechend talentierte Fußballer brauchen. Aber vieles soll auch spontan entstehen, was vielleicht erst zwei Wochen vorher als Event geposted wird. Hier suche ich „murpige“ Menschen mit skurillen Hobbys oder Ideen. Anfangs haben wir zu sehr nach prominenten Gästen gesucht und dabei vernachlässigt, dass es gar nicht darauf ankommt, ob sie prominent sind, sondern ob sie zur Hartmut-Welt passen...
Wenn du dir selbst eine Ausstellung für eine literarische Reihe hättest wünschen können, was würdest du auswählen?
Die Scheibenwelt von Terry Pratchett.
Hat die auch einen gewissen Vorbildcharakter für Hartmut und ich?
Die Form ist leicht zu konsumieren und scheinbar sogar kindlich. Aber der Humor ist hochintelligent, Gleichnisse auf die Menschheit, auf die Gesellschaft, auf Glauben, auf alles. Beispielsweise die Trucker-Trilogie, die von Rufus Beck - wie alles andere - super als Hörbuch umgesetzt wurde - das ist eine Parabel, die alles über die Menschheit aussagt. Und trotzdem ist es ein cartoonhaftes, putziges Märchen. Aber eben von ganz cleverem Witz. Insofern sehe ich hier durchaus eine Geistesverwandschaft.
Nach ihrem Wegzug aus dem Ruhrgebiet wohnten Hartmut und ich auf dem Land, lebten ein Nomadenleben auf Rasthöfen. Im Frühjahr erscheint nun Feindesland, das die Helden nach Berlin treibt. Können die Fans irgendwann auf eine Rückkehr der Handlung ins Ruhrgebiet hoffen?
Eine Chance gibt‘s immer. Meine Frau und ich konzipieren gerade schon den sechsten Teil der Reihe, aber da kann ich beim besten Willen noch nichts zu sagen. Aber auf der Website und in Anthologien finden sich immer Geschichten, die immer noch in Bochum spielen. Wenn man sich damit beschäftigt finde man unendlich viele Nebenveröffentlichungen, die man suchen muss. Und die spielen fast immer noch zur Bochumer Zeit.
Die Ausstellung Ab ins Buch! Die interaktive Hartmut-und-ich-WG-Ausstellung! ist vom 20.Mai bis zum 01.August 2010 im Museum für Westfälische Literatur auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg zu sehen.
www.kulturgut-nottbeck.de
www.hartmut-und-ich.de
www.trashkultur.com
- Editorial: Buchstabensalat XXL!
Fotos: © Sylvia Witt - Haus der Künste - Ascheberg
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