
Urbaner Wandel - Rotterdams Brücke zur neuen Welt
Die Erasmus Brücke und ihr Wert für den Wandel Rotterdams
Forsche These: Rotterdam ist DIE Stadt in Europa, die sich in den letzten gut 20 Jahren am stärksten verändert hat; vielleicht neben Berlin. Hafen raus, frische Architektur rein – siehe unser Aufmacherfoto mit der Erasmusbrücke und dem neuen Stadtteil Kop van Zuid. Es handelt sich hier nicht nur um eine äußerliche Veränderung, sondern auch um eine seelische.
Eine zentrale Rolle bei dieser Evolution spielt eine Brücke –
die Erasmusbrücke, im Volksmund „der Schwan“ genannt, erbaut vom niederländischen Architektenduo Ben van Berkel and Caroline Bos.
Zunächst ein Blick zurück, um Rotterdam zu verstehen.
Der erste große Wandel erwischte Rotterdam am 14. Mai 1940.
An diesem Tag wurde die Innenstadt durch einen deutschen Bombenangriff dem Erdboden gleich gemacht.
Das Nachkriegs-Rotterdam hatte somit nie diesen kuschelig-pittoresken Grachten- und Gardinen-Charme, den viele Besucher an holländischen Städten so lieben.
In den 80er Jahren kannte man Rotterdam als hart arbeitende Hafenstadt mit dem größten Seehafen Europas, man kannte Feyenoord-Hooligans und radikalen Gabber-Techno.
Gabber, der Schwan und die Kulturhauptstadt
Der Hafen wanderte mehr und mehr Richtung Mündung der Nieuwe Maas. Teile der stadtnahen Kais lagen brach. Das wollte man ändern.
1994 begann der Bau einer spektakulären Brücke, welche das Zentrum Rotterdams mit neuen Wohngebieten im Hafen verbinden sollte.
Ben van Berkel und Caroline Bos, die heute unter dem Namen UNStudio arbeiten, bekamen den Auftrag, eine das Stadtbild prägende neue Lebensader für die Stadt zu kreieren.
2001 war Rotterdam dann Kulturhauptstadt und 2007 „City of Architecture“.
Eine Veränderung nahm ihren Lauf.
Die Besonderheit der Brücke ist der 139 Meter hohe, angewinkelte Pylon, der nach Norden mit langen Stahlseilen die Brücke elegant über der Nieuwe Maas schweben lässt.
Nach Süden ist die Brücke aufklappbar und ermöglicht somit großen Schiffen die Durchfahrt.
Kop van Zuid
„Manhattan an der Maas“ oder „die vertikale Stadt“
Im südlichen Hafengebiet haben sich seitdem diverse Wohn- und Businessbereiche etabliert. Der spektakulärste aller Kais ist heute aber der Bereich um den Wilhelminapier, der neue Stadtteil Kop van Zuid. Von hier überblicken bunte Wolkenkratzer stolz das sich wandelnde Rotterdam.
Kop van Zuid war früher Sitz der Holland-America Line, einer Schifffahrtsgesellschaft, die Europa mit der neuen Welt verband.
Damals: Brücke zur neuen Welt
Heute: Brücke zur neuen Welt
Um den Jugendstilbau des Hotel New York erheben sich Wolkenkratzer und restaurierte Industriegebäude, die unterschiedlichst genutzt werden.
Da ist der Wohnturm Montevideo, erbaut vom niederländischen Unternehmen Mecanoo. Daneben der Turm des World Port Center, erbaut von Norman Foster, welcher die Hafenverwaltung beherbergt.
Dahinter liegen der alte Cruise Terminal sowie Las Palmas, beides alte Industriegebäude, die aufgefrischt heute einen bunten Nutzungsmix erlauben. Der Cruise Terminal ist heute ein rege genutztes Kongresszentrum mit dem Café Rotterdam, im Las Palmas gibt es ein Restaurant sowie das niederländische Fotografiemuseum und Räume für Wechselausstellungen. In angrenzenden Gebäuden gibt es noch ein Kino.
Die Entwicklung des Kop van Zuid ist aber noch nicht abgeschlossen. Rem Koolhaas baut gerade an den drei Türmen des De Rotterdam Komplex.
Rotterdam – Gentrifizierung oder neue Perspektiven für alle?
Ob der städtische Wandel in Rotterdam dazu beiträgt, den GINI Index des OECD (Verhältnis der Einkommensverteilung zwischen Arm und Reich) für die Niederlande langfristig zu verbessern und damit vielleicht sozialen Unruhen, vergleichbar denen in England, vorzubeugen, vermag der Autor an dieser Stelle nicht zu bewerten.
Rotterdam hat eine stark multikulturell geprägte Bevölkerungsstruktur; mehr als 50% der Rotterdamer sind nicht in den Niederlanden geboren – das hilft, was Offenheit gegenüber Neuem und Unbekanntem angeht.
Unterm Strich steht:
In Rotterdam passiert etwas!
... und, liebe Ruhrgebietsbewohner, speziell für Euch, hier mal ganz unter uns...
Kunsthal, Witte de Withstraat, Amarone, Museum Bojmans van Boiningen, Wijn of Water, Worm...
Rotterdam hat eine auffallend hohe Dichte an Kultur und interessanten Gastronomien.
Das macht Rotterdam zu einem spannenden Kurztrip-Ziel (gut 200 km vom Ruhrgebiet entfernt) und damit zu einer (kein Witz!) echten Berlin-Alternative! (Aber nicht weitersagen!!)
Niederländisches Architekturinstitut
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