Guggenheim Bilbao - Gehrys Klassiker der Moderne im Ruhrgebiet Spaniens

Urbaner Wandel - Bilbao und der Guggenheim-Effekt (Teil 1)

Gehrys Klassiker der Moderne im Ruhrgebiet Spaniens

Frank Gehrys Guggenheim Museum in Bilbao gilt als die Mutter aller Impulsbauten für postindustrielle Stadtumwandlungen. 1997 fertiggestellt, ist das Guggenheim heute überregional bekannt als Motor, der einer darbenden Arbeiterstadt ein neues Image, neues Selbstvertrauen und vor allem neue wirtschaftliche Aussichten verpasst hat.

 

Das Ruhrgebiet Spaniens?

Bilbao ist die wichtigste Hafenstadt Nordspaniens mit 350.000 Einwohnern. Eisenhütten, chemische und petrochemische Industrie prägten im letzten Jahrhundert das Bild Bilbaos als graue Maus im Baskenland.
Der industrielle Niedergang ab den 1970ern brachte die Stadtverwaltung Bilbaos schließlich zu dem Entschluss, etwas ändern zu wollen.
Die Stadt wollte den Ruf einer hart arbeitenden, aber nicht übermäßig originellen Kommune abstreifen, um in die Avantgarde unter Spaniens Großstädten aufzuschließen.

„Sevilla, Barcelona und jetzt ... Bilbao!“
(so das offizielles Motto damals)

Frank Gehry wurde beauftragt die spanische Dependance der Solomon R. Guggenheim Foundation mitten in Bilbao, an dem Ort, an dem der mittlerweile ans Meer verlegte Hafen gelegen hatte, zu bauen.
Das vormals industrielle Herz Bilbaos sollte zum neuen kulturellen Herz werden.

Man wollte es aber nicht bei diesem einen Touristenmagnet belassen. Gleichzeitig wurde in die Infrastruktur der Stadt investiert.
Sir Norman Foster wurde beauftragt eine 15 km lange Metrolinie entlang des Flusses Nervio zu bauen, um die heterogenen, äußeren Stadtteile besser „in die urbane Identität Bilbaos“ miteinzubeziehen.
Santiago Calatrava bekam den Auftrag, den Flughafen zu erweitern und eine „Calatrava-Brücke“ zu bauen.



„Die Kultur zum Vektor dieser geplanten Entwicklung zu machen, wurde anfänglich skeptisch beäugt. Heute können wir zweifelsohne bestätigen, dass zwischen dem Ausmaß kultureller Aktivitäten und dem Potenzial wirtschaftlicher Entwicklung in Bilbao eine enge und ausdrückliche Beziehung besteht.“
(Juan Ignacio Vidarte, Generaldirektor des Guggenheim Museums Bilbao)

Heute leben im Großraum Bilbao ca. 900.000 Menschen.
Jährlich kommen fast 1 Million Touristen nach Bilbao und besuchen das Guggenheim, fast die Hälfte davon aus dem Ausland.
Diese geben hochgerechnet jeweils gut 200 € in Bilbao aus.
Das Guggenheim veröffentlicht jährlich Zahlen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen, die das Guggenheim auf die Stadt hat.
Demnach haben 2010 die Besucher des Guggenheim durch direkte und indirekte Ausgaben (Hotels, Gastronomie, Transport) ca. 200 Mio € zum Bruttosozialprodukt beigesteuert und dem baskischen Finanzamt gut 26 Mio € an Steuereinnahmen beschert.
Diese Zahlen sind seit 1998 mit leichten Ups and Downs relativ stabil geblieben.

 

Angeberarchitektur?

Frank Gehrys Bauten sind echte Hingucker. Überall auf der Welt, wo er seine computergenerierten Komplexbauten hat wachsen lassen, spricht man über sie: Die Disney Concert Hall in Los Angeles oder das Nationale Nederlanden Building in Prag – Gehrys Formensprache mit seinen geschwungenen Metallskulpturen ist schwer zu ignorieren.

Seine wichtigsten Werke in Deutschland sind das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, die Zollhöfe in Düsseldorf und sein, nach eigener Einschätzung, radikalstes Werk: die nach Außen dezent-subtile, 
innen aber spektakuläre DZ Bank am Pariser Platz in Berlin neben dem Brandenburger Tor.

Der Hinguckfaktor scheint für Gehry wichtiger als die organische Einbindung in das Umfeld, das äußere Auftreten schlägt die Anforderungen der Auftraggeber und die Funktionalität im Alltag.
Gehry orientiert sich nicht an der Stadt oder dem Ort, an dem er baut,
er will, dass sich nach seinem Bau die Nachwelt an ihm orientiert.

Auch Mies van der Rohe, der große Erneuerer der Postmoderne, hatte dieses Päckchen zu tragen: Seine Werke gelten bis heute als stilsichere, kompromisslose Statements, gleichzeitig hatte er aber auch sein Leben lang Konflikte mit den „Insassen“ seiner Bauten, die sich über mangelnde Funktionalität beschwerten.


 

„Ich habe mich unter Künstlern immer wohler gefühlt als unter Architekten.“
(Frank O. Gehry, Architekt des Guggenheim Museums Bilbao)

In Bilbao fasziniert die Titanhaut seiner architektonische Metallblume (erbaut übrigens mit Materialien von ThyssenKrupp) mit ihren Reflexionen und changierenden Farbeffekten. Je nach Sonnenstand wechseln die Farben des Metalls von Blau über Silber bis Gold.

Die gewundenen Metallsegel wurden mit Hilfe des Computerprogramms CATIA erschaffen und sollen an die Hafen-Vergangenheit des Standorts erinnern.
Effektiv gemahnen sie aber vorrangig an eines: an „Gehry-Architektur“!

Betritt man diese Kathedrale für die Kunst, so ist man erstmal erschlagen.
"Dieses Ding will keine bloße Hülle sein, sondern selber Kunstwerk!"

 

 

Weiter gehts mit Teil 2 HIER...
 

Fotos: Jörg Stiepermann / Guggenheim Foundation
Weitersehen:
mehr Fotos von Gehry's Architektur
vom Autor empfohlener Soundtrack zu Artikel und Gebäude:
Party nach einem "The Sea and Cake" Konzert vor Gehry's Pritzker Pavillon in Downtown Chicago
 

Sa, 20.10.2012 0

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01.03.2010

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