Urban Rhizome (Teil 3): Tausche Bildung für Wohnen

Im dritten Teil des Interviews mit Christine Bleks über die Arbeit von Urban Rhizome stellt Bleks ein charmantes Tauschgeschäft vor.

2010LAB.tv: Auf Eurer Homepage fiel mir besonders ein von Euch initiiertes Projekt auf, das nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch auf nationaler oder sogar internationaler Ebene für die Verbesserung problematischer Zustände sorgen könnte, wenn alle Beteiligten mitspielen: „Tausche Bildung für Wohnen“. Wie soll das Ganze vonstatten gehen?

Christine Bleks: Mein Partner Mustafa Tazeoglu hatte die Idee eigentlich schon 2008, und wir haben sie immer weiterentwickelt, bis sie schließlich auf dem heutigen, präsentablen Stand gekommen ist. Auf unserer Website haben wir das Konzept folgendermaßen umrissen:

Mustafa Tazeoglu
Aufgewachsen in Marxloh: Mustafa Tazeoglu Foto: Peter Erik Hillenback
Studierende, Auszubildende, Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahres und sozial engagierte Mitbürger erhalten (gemeinsamen) kostenlosen Wohnraum mit vollständiger Infrastruktur – lediglich die Betriebskosten fallen für die Bewohner an. Im Gegenzug setzen sie ihre individuellen Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein. Neben dem unverzichtbaren sozialen und pädagogischen Engagement spielen Kenntnisse zur Vermittlung von Sprach-, Medien- und schöpferisch-gestalterischen und handwerklichen Kompetenzen eine Rolle. Darüber hinaus werden sie zu Impulsgebern, Ansprechpartnern, Vorbildern, Bezugspersonen und Tutoren für die Kinder und Jugendlichen vor Ort und wirken somit direkt in den Stadtteil hinein. Durch die gezielte Ansiedlung der Teilnehmenden aus dem akademischen Milieu von Tausche Bildung für Wohnen wird ein Beitrag zur Revitalisierung des Stadtteils geleistet: Das Leben im Stadtviertel wird für junge Menschen aus finanziellen Gründen attraktiv und der durch Abwanderung bedingte Wohnungsleerstand kann beseitigt werden. Gleichzeitig bedient die Teilnahme bei Tausche Bildung Wohnen den Wunsch nach sozialem Engagement.“

Kleine Hinterhof Moschee in Marxloh
Kleine Hinterhof Moschee in Marxloh Foto: Peter Erik Hillenbach
Wir haben bereits mit Schulen, Kirchen, und Moscheen gesprochen, die sich alle beteiligen wollen, wenn das Projekt zustande kommt – das erste strukturelle Fundament ist also gegossen. Die Universität Duisburg-Essen ist auch sehr interessiert daran, dem Projekt wissenschaftlich zu folgen, da sie damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen würde: Die Studenten bekommen entsprechende Praxisnähe und Material für ihre Arbeiten, sie können ihre Teilnahme dem Studium anrechnen und die Uni erhält insgesamt mehr Forschungsergebnisse.

Was uns jetzt noch fehlt, sind entsprechende Immobilien – wir sind bereits in Kontakt mit einigen Stiftungen und Institutionen, die uns in der Hinsicht weiterhelfen könnten. Verhandlungen laufen und wir hoffen, dass sich einer der angesprochenen möglichen Partner so sehr für die Initiative interessiert, dass er uns eine entsprechende Immobilie zur Verfügung stellt – Leerstand gibt es in Duisburg dafür genug!


Fotos: Peter Erik Hillenbach
Die Fotos entstanden während einer Exkursion mit internationalen Teilnehmern durch die Duisburger Stadtteile Marxloh und Bruckhausen (gr. Foto). Die kleinen Fotos zeigen Urban Rhizome-Gründer Mustafa Tazeoglu in action sowie das winzige Minarett einer Hinterhof-Moschee in Bruckhausen 


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So, 10.07.2011 0

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20.01.2010

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