
Unter den U-Bahnbögen
Unterirdische Tunnel bieten neues Zuhause für Londons Kreativwirtschaft
London ist von Bahngleisen durchzogen, unter denen sich feuchte und dunkle Tunnel befinden. Unternehmer der Kreativ- und Kulturwirtschaft erkennen ihr Potenzial.
In der Vergangenheit siedelten sich dort kleine Industriebetriebe an, wie zum Beispiel Werkstätten oder Klempner. Eine handvoll kreativer Unternehmen, Galerien, Clubs und Restaurants sehen die Tunnel als Chance in der Tiefetage.

Tunnel wie diese werden seit Jahren für Nachtclubs wie die Corsica Studios in Elephand und Castle oder Shunt bei der London Bridge genutzt. Es gibt nur wenige Anwohner, die sich über Lärm beschweren und die Betreiber müssen nicht in kostenintensive Reparaturen investieren, um das Backsteinmauerwerk schön aussehen zu lassen. Ein bisschen Graffitti oder Feuchtigkeit sind nicht schlimm in einem robusten und rauen Club.
Der neueste Trend liegt jedoch darin, die Tunnel als Örtlichkeit für spezialisierte Unternehmen der Kreativwirtschaft zu nutzen. In Clapham werden die Tunnelbögen bereits für Bars, Friseure und Druck-Studios genutzt. In Berdmondsey ist die Maltby Street das neue Zuhause für Bäckereihandwerk, Braukunst und Käsereien. Im Osten der Stadt hat sich die London Fields Brauerei einen alten Bahntunnel für Produktion und Verkauf ausgesucht.
Große Locations für große Events
Während es sich dabei um kleine Firmen handelt, sind inzwischen auch große Kunst-Organisationen auf den Zug aufgesprugen.
Der Old Vic Tunnel befinden sich unterhalb der Waterloo Station, die jährlich 88 Millionen Passagiere befördert. Das Old Vic Theater (Kreativdirektor ist Kevin Spacey) hat die Location gekauft und veranstaltet nun Events in den Katakomben. Die Dimensionen der Tunnel sind riesig - ebenso die Ambitionen des Theaters.

Aktuelles Programm: The Minotaur - eine Mischung aus Kunst, Theater und Gastronomie. Michelin-Sterneköche aus ganz Europa führen ein Pop-Up-Restaurant, das die Tunnel in eine "Labyrinth-Gallerie von topmodernen Kunstwerken und Film" sowie in eine Lounge-Bar transformiert.
Nirgendwo sonst in London hätte ein Theater einen derart großen, interessanten und günstigen Ort wie diesen finden können. Und das ist das Paradoxe bei den Bahntunneln - die besten Orte bieten den meisten Platz. Je weiter man sich von den Bahnhöfen entfernt, desto kleiner und niedriger sind sie. In der Nähe der Haltestellen sind die Tunnel breiter und länger. In den Vororten eignen sie sich ideal für kleine Shops und Studios. Im Zentrum bieten sie Platz für große, dramatische Events.
In einer beengten Stadt hat dieser Trend große Zukunft. Eins ist sicher: Hier gehen die Tunnel nicht aus.
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