Und sie bewegen sich doch: c/o pop & C’n’B im Wandel - ein Rückblick

c/o pop und C’n’B, Medienforum.NRW und Europareise, c/o Off und c/o pänz – Köln & friends basteln sich tausend Plateaus. Ein kommentierender Rückblick.

Was ist das da eigentlich in Köln?

Ein kreatives Durcheinander, so könnten Außenstehende gut und gern vermuten. c/o pop und C’n’B treten in Rot und Blau auf, aktuelles gemeinsames Symbol: der Glückskeks. Dazu gibt es Slogans wie „A relationship will take on a new dimension“, aber den Rest auf Deutsch. Die c/o pop preist sich mit „Festival & Convention“ an, wird aber im Grunde nur als Festival verstanden. Und die C’n’B ist eine „creativity & business convention“, neuerdings mit dem Zusatz „von und für Macher, Denker und Impulsgeber aus den Entertainment-Branchen der Kreativwirtschaft“.



Man schickt die Unterhaltungsindustrie ins Netz


Diese Aufteilung führt landläufig zum Verständnis „Unterhaltung holt man sich bei der c/o pop, über das Unterhaltungsgeschäft redet man auf der C’n’B“. Wobei diese Orientierung an der Unterhaltungsindustrie vornehmlich Medien meint. Theater, Tanz oder Sport finden sich nicht auf der C’n’B. „Building the new entertainment industry“ ist denn auch ein Slogan der Convention. Insofern nur logisch, dass das Medienforum.NRW in diesem Jahr direkt an die c/o pop herangerückt ist. Und an die C’n’B natürlich. Mit genau einem Tag Überschneidung sogar. Und dabei fällt dann auf: Bei den ersten Tagen des Medienforums ging es noch um Film, TV und Digitales (sowie ein bisschen Publishing). Am C’n’B-Tag ging es zu 70 Prozent nur noch um Digitales, der kleine Rest war Film. Kurz gefasst könnte also gesagt werden: In Köln wird versucht, die Unterhaltungsindustrie ins Netz zu schicken. Aber zum Glück nicht nur.

Musik, Texte, Filme – die unendliche Geschichte

Zuerst gab es Musik umsonst im Netz, das Gerücht hält sich. Dabei gab es dort natürlich schon immer Texte für umsonst. Dennoch brauchte es Jahre an bitteren Zeiten für die Musikwirtschaft und musste es anscheinend erst die „Medienmenschen“ selbst treffen, bis über Probleme der Geschäftsmodelle „Film“ und „Text“ ausführlich geredet wurde. (Fotos? Auch.) Insofern ist die Sache mit der c/o pop im Grunde ganz einfach: Wer will, kann sich eh täglich im Büro oder auf der Popkomm über die unveränderten Probleme im Musikbereich unterhalten, die c/o pop vernetzt mit der Reihe "Europareise" z.B. europäische Festivals und macht selbst einfach auf Live-Konzerte und -Festivals. Da dabei der Kiez in den letzten Jahren ein wenig zu kurz kam, gibt es nun mit c/o pop Off auch ein offiziell-inoffizielles Beiprogramm der kleineren Läden und lokalen Künstler.
 

Der Schuss ins eigene Bein?


Beim Medienforum hingegen sieht man plötzlich ganz viel Fernsehen – in Form vieler Anbieter mit mehr oder minder zukunftsfähigen Geschäftsmodellen. Und bis auf Motor FM, die eine Art Festival-Radio machen, keine Radiosender. (Klar, der WDR war da.) Kaum Zeitschriftenverlage, wenige Online-Magazine. Aber ebenso viele Internet-Dienstleister wie oft einmal bei der Popkomm. Keine Frage: Die sind auch angesprochen mit dem Schwerpunkt „Digital“. Und schauen sich an, wem sie nach der Musikwirtschaft nun ihre Dienste anbieten können. Bei einer Diskussion sagt jemand etwas von einer „grundsätzlichen ökonomischen Schieflage“. Damit meint er vielleicht, dass immer dieselben Überväter profitieren, ob Videoabspielstationen, Suchmaschinen oder social media. Ein kleines Bisschen fällt für die ab, die an diese „heranführen“. Und was haben die Sender und Verlage vom Gang ins Netz? Wenig bis nichts bis sich ins eigene Bein zu schießen. Sie werden sogar angehalten, einfach zu betteln. Klar sucht da dann die ganze Branche nach Leuten mit neuen Geschäftsmodellen.

„Hallo, Basis!“ – „Hallo, Raumschiff!“

Es finden sich denn auch nicht wirklich Unmengen von Kreativschaffenden, schon gar nicht von Selbständigen, die sich als Entwickler einer neuen Unterhaltungsindustrie sehen und nach Köln oder auch nur gen Staatenhaus fahren. Dabei ist die C’n’B career Lounge ein gutes Werkzeug nicht nur für Studierende, und es kann sich in dieser Woche insgesamt viel abgeschaut werden von den Etablierten der Branche. Textzweitverwertungsportale wie das von DieRedaktion.de bieten durchaus nutzenswerte Möglichkeiten. Und Ideen klauen oder gar internationale Kontakte knüpfen können sicherlich auch viele Besucher. Dennoch ist allgemeine schlechte Laune in der „härtesten Branche der Welt“ bei aller professionellen Freundlichkeit nach wie vor kein Garant für hohe Einschaltquoten. Und wer sich mit einer neuen Idee auf ein Podium setzt, bekommt oft „gab es da schon, klappt hier nicht“ oder „bringt gar nichts“ zu hören. Da sieht dann die Basis, dass es manchmal gut ist, dieselben Probleme auf einem niedrigeren Level zu haben und geht erst einmal auf ein Konzert.

Die Zukunft

Wenn Köln verschärft auf Unterhaltungsmedien plus Musik geht, dann ist zum Beispiel an der Ruhr noch Platz für viele andere Aspekte der Kreativbranche in NRW plus X, auch wenn Düsseldorf die Mode behalten darf. Die spezielle Mischung aus Landespolitik, europäischen Medienmächten mit Sitz in Köln und ex-Popkomm-Gefühl braucht Deutschland auch nicht zweimal, und NRW erst recht nicht. Wie Köln es schaffen soll wie bei der Popkomm die "altogether now" zumindest einige der kleineren Player besser sichtbar ins Boot zu holen, das ist fraglich. Zwischen vielen verschiedenen Ansätzen und beim Fokus auf Weltgeschehen, Kontinent, Staat, Land und Stadt gleichzeitig gerät zudem auch vieles noch zusätzlich unübersichtlich. Eine gewisse Verengung des Themenspektrums, ein gutes Maß an Konsolidierung und zumindest der Versuch, auch an „die Kleinen“ zu denken, speziell von Seiten der c/o pop, das waren gelungene Signale. Köln wirkt aber immer noch ein wenig bemüht dabei. Das analoge Herz darf gerne noch ein bisschen fester schlagen.
 

Großes Foto & Panel-Foto: Jens Kobler
Logo & Plakat: c/o pop
Chuckamuck-Foto: Daniel Belbig

 
Mo, 27.06.2011 2

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Kommentare

Danke. Ja, ich mein das schon

Danke. Ja, ich mein das schon ernst: "Eine gewisse Verengung des Themenspektrums, ein gutes Maß an Konsolidierung und zumindest der Versuch, auch an „die Kleinen“ zu denken, speziell von Seiten der c/o pop, das waren gelungene Signale." So kann auch vielleicht irgendwann einmal das permanente, irgendwie immer alles umspannende "Überthema" Internet etwas in den Hintergrund treten. Welche Formate? Das ist eine gute Frage. Spontan fällt mir ein, dass spezielle Panels auf der C'n'B eher konkrete Arbeitsergebnisse präsentieren könnten, die in bestimmten Bereichen das Jahr über entwickelt wurden oder so etwas. Frisches und Greifbares, und dann halt teils durchaus mal thematische Schwerpunkte setzen. Niemand will da ja immer alles besuchen. Zwei exklusive, konkret Nutzen bringende Top-Panels bringen mehr. Zum Beispiel. Und etwas mehr "Umfeld", wo danach niedrigschwellig und ungezwungen kontaktet werden kann. Mehr würde ich hier jetzt nicht ausführen wollen. :)

was wollen die kleinen?

Jens hat Recht: Mehr für die Kleinen auf der CnB? Doch wer sind die ?
Architekten mit 3 Angestellten, Designer ohne Angestellte, Filmautoren, Clubbetreiber ? Und was wollen sie? Jeder der genannten Beispiele sucht etwas anderes im Markt - Händler, Endkunde oder Produktionspartner. Mehr Angebote auf die KMUs der Kreativwirtschaft führt zu noch mehr Formaten auf der CnB. Wie soll das gehen? Wird noch mehr Vielfalt nicht wirklich Chaos?

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04.12.2009

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