Tourtagebuch "The Alma Church Choir" - Wheeling, West Virginia

Unser letztes Konzert vor der Rückkehr nach New York City führt uns weit abseits der Interstate nach Wheeling, West Virginia.

Wir folgen dem Ohio River nach Süden, passieren Lastkäne, die Kohle für die Stahlproduktion den Fluss hinauf schaffen.

Wir sind spät dran heute, das Konzert findet in einem Gemeindesaal neben der Kirche statt. Hier im Vineyard Cafe beginnen Gottesdienst und Konzert früh am Abend, man geht zeitig zu Bett.

In dieser Stadt sorgt unser Name bisher am meisten für Verwirrung. Zeitung und Flyer haben uns explizit als säkuläre Musik angekündigt.
Etwas skeptisch begrüsst man uns auf deutsch, und wärend ich die Kabel für die Show zusammenstecke, singt einer der älteren Herren von der Kirche zur Einstimmung ein Lied, dessen Refrain ich noch vage im Ohr habe:

  If it wouldn´t be for our sweet Jesus
we would all be speaking German
       and be living under the flag of Japan...

Der Sänger ist nett:
            "No offense, son".
                    "None taken, Sir."

Als wir anfangen zu spielen verfliegen meine schlimmsten Erwartungen mit dem ersten Lied.

Die Menschen im Publikum sind erstaunt über die zwei Krauts, die statt Marschmusik Harmonyvocals können und die darüber plaudern, warum sie dank Sozialisation mit amerikanischer und britischer Musik keine Lieder auf deutsch schreiben.

Nach der Show entpuppen sich dann einige der netten Christen, die fleissig unsere Platten kaufen, als die bigotten Verrückten, vor denen uns die Plakate an den Highway längst gewarnt haben.

Der Soundmann beklagt sich, dass ein Obama-Gesetz ihm verbiete, seinem Sohn die selbe gute Erziehung angedeihen zu lassen, die er noch von seinem Vater geniessen durfte.

Wie soll man den Satan bekämpfen, wenn man seine Kinder nicht mehr mit dem Gürtel verprügeln darf?

Es folgt die Predigt über die guten Waffen und John, der Gemeindehausleiter, will uns mit der Gage über´s Ohr hauen. Ronny ist ein guter Verhandler, wir bekommen unser Geld. Im Land Gottes ist Jesus heute Abend auf unserer Seite.

Hallelujah

[al]

 

Do, 08.04.2010 3

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Kommentare

Gott auf ihrer Seite?

Denken die Menschen das wirklich? Haben sie Gott auf Ihrer Seite, weil sie Waffen haben oder haben Sie Waffen, weil sie Gott auf ihrer Seite haben? Wo ist die Rechtfertigung?

das ist das problem. es passt

das ist das problem. es passt nicht zusammen. die menschen an den küsten und in den grossen städten wie chicago leben in einem anderen land als die menschen im grossen rest. der grosse rest hat die waffen und gott auf seiner seite.

Oh jesus!

Was wird im Namen der Götter - welcher auch immer - eigentlich alles veranstaltet? Das ist wirklich unglaublich.
Und man bekommt den Eindruck, als wären die Menschen dort in Westvirginia noch immer nicht im 20. Jahrhundert angekommen - oder im 21.? Im neuen Jahrtausend? Wie passt das mit den Eindrücken zusammen, die man als Eurpäer von großen Städten wie NY vermittelt bekommt? Sind die Entfernungen zwischen den Menschen dort und da noch so viel größer, als die Meilen zwischen den Orten?

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25.02.2010

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