Tore ohne Mauern

In den Innenstädten werden verstärkt individuelle Zeichen gesetzt, die Aufmerksamkeit erregen. Sie bedeuten Anlehnungen an eine fernere Vergangenheit, die im Alltagsleben längst vergessen ist: Stadttore als Reminiszenz an mittelalterliche Städte.

Sie haben die Funktion, die Mitte zu binden und Stadtstrukturen erkennbar zu machen. Da aber die Städte heute nicht mehr vor Feinden geschützt werden müssen, dienen sie als Wahrzeichen und Orientierung. Ebenso wie zu ihrer Entstehung handelt es sich um repräsentative Kunstwerke.

Wer weiß schon, dass Castrop-Rauxel im Mittelalter ein mit Wall, Graben und drei Stadttoren umgebener Marktflecken war. Das Stadtbild aber wurde maßgeblich durch den Bergbau definiert, Stadteingänge werden nicht mehr wahrgenommen.

Geplant ist nun die Gestaltung von sechs Stadttoren, die aus unterschiedlichen Richtungen den Weg in die Altstadt weisen. Allerdings bestehen kaum bemerkenswerte Hinweise auf die mittelalterliche Tradition. So werden sie Kunstwerke, die nachts erleuchtet, Stadtmarken bilden und neue Zeichen setzen.

Castrop-Rauxel hat eine dezentrale Siedlungsstruktur mit vielen Stadtteilen, die über eine eigenständige Identifkation verfügen. Die Aufwertung der Altstadt dient als Strukturverbesserung und eigenständige Mitte.

Mittelalter auch in Hattingen

Auch Hattingen setzt auf eine Orientierung durch Stadttore. Dies erscheint plausibel, verfügt die Stadt doch über eine mittelalterliche Altstadt; auch Reste der ehemaligen Stadtmauer sind noch erhalten. Erst 1820 wurde sie größtenteils abgerissen, und damit verschwanden auch die Tore.

Schon 2003 wurde das erste Tor gestaltet - ein modernes Kunstwerk - genannnt: der Wächter. Fünf Toren entstehen, ebenso viele, wie 'damals'. Vier sind nun realisiert. Ein weiteres Tor steht vor der Vollendung.

Die 'Engel ante Portas' sollen den Standort des ehemaligen mittelalterlichen Hölschen-Stadttores aufwerten und damit einen der mittelalterlichen Stadtzugänge künstlerisch interpretieren. Ziel dieser Gestaltung ist es, sich 'aufgehoben' zu fühlen.

In Hattingen haben nicht alle Bewohner Verständnis für die Sichtbarmachung städtebaulicher Tradition, die Diskussionen sind anhaltend und gleichzeitig Politikum. Das 'Morandin-Tor' wurde bereits schwer beschädigt. Schade, dass Kunst im öffentlichen Raum häufiger Ziel tätlicher Attacken ist.

Dabei macht die Erinnerung in Hattingen - genau so wie in Castrop-Rauxel - Sinn. Hattingen ist mehr als 750 Jahre alt, 150 mittelalterliche Gebäude in der Altstadt sind Stadtbildprägend und ziehen viele Besucher an.

Es ist sicher sinnvoll, wenn auch überraschend, dass einige Städte im Ruhrgebiet sich ihrer ferneren Vergangenheit außerhalb der Industrialisierung erinnern. Es ist eine Wiederbelebung von Spuren, die sicher wenig mit Umstrukturierungsmaßnahmen zu tun haben, aber auf Wurzeln verweisen.

Sa, 27.02.2010 0

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04.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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