
Temporäre Verhaltensstörung
Laut Yellowpress hat in den der USA jeder "Promi" mindestens zwei Therapeuten aus den Bereichen Klinische Psychologie und Psychiatrie, nicht gerechnet die Quacksalber aus der esoterischen Ecke und die „personal analyzers“. Die Welt ist verrückt und die Bewohner rücken immer näher an diesen Zustand heran. Zumindest sind die meisten hier in der „Westlichen Welt“ temporär verhaltensgestört und niemand kümmert sich drum. Analytiker sind hier in good old Europe immer noch dünn gesät und der Gang zum Psychiater auf die Couch ist stigmatisiert. Seelendoktor klingt da noch niedlich.
Überall droht Unheil
Es gibt viele Beispiele für Gestörtheit in unserm Umfeld, die wir nur beobachten müssen, uns selbst dabei nicht aus den Augen verlierend. Wie verhalte ich mich, wenn ich fast über einen zusammen gekauten Bettler am Straßenrand stolpere? Menschen sehen plötzlich auf ihre Armbanduhr, interessieren sich für das Geschehen gegenüber, telefonieren stumm, konzentrieren sich auf das zügige Weitergehen. Wenn Du in einem Aufzug, mit zehn Leuten besetzt, laut „Guten Morgen“ sagst, denken die Gegrüßten, Du seist verhaltensgestört. Ich empfehle den Test. Ansonsten lesen sich viele die Angaben auf der Knopfleiste (zugelassen für 12 Personen…Otis-Aufzüge…Baujahr 1998…etc.) oder schauen an die Kabinendecke. Manche fühlen ihre Störung bereits beim Anblick eines Polizeifahrzeuges, ohne jemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten zu sein.
Tägliches Stolpern über Normalität
Warum applaudieren die Zuschauer, wenn der Dirigent erscheint und alle Neulinge im Publikum stimmen mit ein? Noch kein Ton drang aus dem Graben.
Sprich eine Lady auf der Straße an, wenn Du nicht aussiehst wie Brad Pitt. Wenn es nicht der Straßenstrich ist, wirst Du Höllenblicke erleben. Besondere Gruppen sind besonders intensiv temporär gestört: Männer in der Midlife-Crisis, also zwischen 28 und 70, Schwangere, manche in den ersten Wochen, andere bis zur Konfirmation des Kindes und – vor allem – die Verliebten. Diese Störungen sind allerdings gesellschaftlich anerkannt und stören entweder nur die direkt Betroffenen oder nur die Umwelt. Über Ängste aller Art lasse ich mich jetzt nicht aus. Ich kenne einen Autor, der (in den 80er Jahren) regelmäßig seine Schreibmaschinen zertrümmerte, weil ihm nichts einfiel.
Ruhr-Psycho
Fällt es nur mir auf, dass es in den Städten des Reviers immer mehr „Verrückte“ gibt? Die Seltsamen werden mehr. Mag sein, dass auch dies mit der Vereinzelung zu tun hat. Manche kamen eben früher nicht aus dem Haus, wurden von Angehörigen in Schach gehalten. Früher hielt man auch die, die in Papierkörben wühlten, für verrückt. Heute jedoch teilen sich Bedürftige die Bezirke, um nach Leergut zu suchen. Sicherlich wird auch die Oma, die mit dem Schild „Jesus lebt“ seit Jahren in Dortmund umherläuft, von manchen für bescheuert gehalten. Ich halte sie für konsequent und notwendig für das Stadtbild. Andere führen Selbstgespräche intensivster Art, andere gehen in ein Restaurant, setzen sich zu Fremden an den Tisch und beginnen, von fremden Tellern zu essen. Schon mal erlebt? Die Reaktion: Ein ganzes Lokal voller Verhaltensgestörter.
Politiker, Regisseure und Banker
Diese Berufsgruppen sind ebenfalls gefährdet, sobald sie unter Menschen gehen, wenn sie ihr normales Umfeld verlassen und – sagen wir – mit der U-Bahn fahren, sich in eine dunkle Eckkneipe verirren oder in einem Pulk von Fußballfans die falsche Hemdfarbe haben, obwohl hier Gestörte auf Gestörte treffen. Manche Berufe führen geradewegs in diesen Zustand. Da hilft nur fortlaufende Abschottung ins eigene Genre. Wenn wir uns die Polit-Talk-Shows im Fernsehen anschauen, wissen wir, warum es für die Beteiligten am besten funktioniert, wenn man unter sich bleibt.
Dschungelcouch
RTL führt uns mit dem Dschungelcamp vor, wie man dem Volk subtil Verhaltensforschung vermittelt. Jeden Tag blicken ein paar Millionen Menschen ins Terrarium der Gescheiterten. Und sie fragen sich, wie sie sich verhalten würden, müssten sie einen Kakerlakenhoden lutschen. Das ist volksnahes Aufklärungsfernsehen. Das ist aufrüttelnd und wird verhindern, dass die Anzahl der Straßenverrückten abnimmt. Warum wird dies nicht von den Öffentlich-Rechtlichen – selbstverständlich auf höherem Niveau, aber dafür langweiliger, übernommen? Der WDR könnte doch zum Beispiel zehn „Abgehalfterte“ in ein Camp laden (abgewählte Politiker, gescheiterte Freiberufler, Zwangspensionierte). Lokalzeit Dortmund zeigt „30 Tage Nordmarkt“, für die Lokalzeit Essen läuft „30 Tage Mau Mau Katernberg“. Das Große im Kleinen - Schmuddeln mit Niveau und die Verstörten und offiziellen Neurotiker hätten eine Heimat in der Heimat.
Metropolenwahn
Experten sind sich nicht sicher, ob es nicht auch durch das Ruhrgebiet selbst zu Verhaltensstörungen kommen könnte. Die, die meinen, es ginge hier seit Jahren aufwärts, als sei die Metropole der Kosakenzipfel auf der Sahne, als würden hier Kommunen sinnvoll zusammenarbeiten, als wäre Gelsenkirchen Paris, diejenigen fallen nur noch nicht in den Fußgängerzonen auf.
I.N.D.E.C.T.
Verdächtig durch auffälliges Verhalten – die Kameras wissen das. Ein europäisches Projekt macht Aufmerksam und wir sollten beobachten, ob es politisch relevant wird: INDECT. Alles ist verdächtig und aus einer Mischung aus Horchen und Schauen picken Überwachungskameras Verhaltensauffällige heraus, also Terroristen! Orwells Vision ist ein Schiss dagegen. Guckst Du!
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http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_talk_show/videos/ndrtalkshow70...
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