Tagung in Brüssel: Geld für Kreative soll künftig schneller fließen

Sie hat es gesagt. Máire Geoghegan-Quinn, 60, EU-Kommissarin für Wissenschaft und Forschung in der Kommission Barroso II, sagte gestern in Brüssel, dass kleine und mittlere Unternehmen das eigentliche Kraftwerk der EU und für die nachhaltige wirtschaftliche Erholung Europas und die Schaffung neuer Arbeitsplätze unabdingbar seien.

Gesagt ist gesagt: „Ich tue alles in meiner Macht, um die Hürden zu beseitigen, die kleine und mittlere innovative Unternehmen daran hindern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.“ Gemeint sind Maßnahmen, die vor allem den Verwaltungsaufwand bei den europäischen Forschungsprogrammen verringern sollen. „Dank der Schritte werden viele herausragende Menschen, die wir finanziell unterstützen, weniger Zeit und Kraft mit Papierkram verschwenden und sich stärker auf das konzentrieren, was sie am besten können: ihre Arbeit“, sagte die EU-Forschungskommissarin am Montag.

Weg mit den Hürden, her mit dem Geld


Mehr Zeit im Labor, weniger Zeit mit der administrativen Arbeit, leichterer Zugang zu Fördergeldern und Investitionen aus EU und Wirtschaft – die irische Kommissarin kommt damit nicht nur den Forderungen von etwa 10.000 europäischen Forschern entgegen, die letztes Jahr eine entsprechende Petition unterzeichneten. Die Verwaltungsvereinfachung, einer der Dreh- und Angelpunkte des nächsten Forschungs- und Investitionsprogramms, wird nicht nur Wissenschaft und Technik helfen, sondern auch der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Small is beautiful - auf einmal!


Erstmals nämlich dürfen sich auch die so genannten „SMEs“, die „small and medium enterprises“ der traditionell kleinteiligen Kultur- und Kreativwirtschaft angesprochen fühlen. Am heutigen zweiten Tag einer in Brüssel stattfindenden Expertenkonferenz treffen unter der Schirmherrschaft von Kommissarin Geoghegan-Quinn erstmals „Inkubatoren“ aus der Wirtschaft auf Vertreter der Kultur-, Digital- und Kreativwirtschaft. Veranstaltet wird die Tagung vom EBN, dem European Business & Innovation Centre Network. Das ist ein europaweites Netzwerk, in dem sich Investoren, Inkubatoren und Think Tanks zusammengeschlossen haben, um in innovative Unternehmen der genannten Branchen zu investieren. Weder die eine noch die andere Seite hält viel von Hürden, die Verwaltung und Bürokratie aufbauen, und so sind die gestrigen Worte der Kommissarin quasi die Initialzündung für eine gegenseitigen Beschnupperung.

Für die Geldgeber sind Kreative exotisch


Das EBN hat seine Wurzeln ursprünglich in der Raumfahrt – buchstäblich himmelweit entfernt etwa von einer Tanztheatertruppe aus einem Ruhrgebietshinterhof. Nach und nach entdecken jedoch die potenziellen Investoren, dass auch die Klein- und Mittelunternehmen aus der Kreativwirtschaft interessante Umsatzkurven vorzuweisen haben und tatsächlich auch Jobs schaffen. „Für die sind wir völlige Exoten“, sagte uns heute ein Teilnehmer der Tagung, auf der etwa der Brüsseler Radiosender Radionomy (auch dieser ein „SME“) davon berichtete, welches seine größten Herausforderungen waren und welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen ihm am meisten geholfen haben. Es wurden neue EU-Initiativen vorgestellt, die gezielt die Kreativwirtschaft unterstützen sollen (politisch gewollt) sowie Business Innovation Center präsentiert, die gezielt auf der Suche nach unterstützungswürdigen Projekten sind (wirtschaftlich gewollt).

Wat bringt uns dat?


Was das Ganze mit den Kreativen im Ruhrgebiet zu tun hat? Nichts Unmittelbares. Solche Entwicklungen dauern, und sie werden zunächst vielleicht eher Gameprogrammierer, Designbüros oder Agenturen für Grafik und Fotografie erreichen als das Theater an der Rottstraße 5 in Bochum. Aber wenn demnächst ein Think Tank aus Venlo in ein Museumsprojekt in Duisburg investieren kann, ohne 14 Monate lang zehntausend Formulare ausfüllen zu müssen, dann hat das Wort einer EU-Kommissarin in Brüssel ja doch mal was gebracht.

Foto: Hillenbach
Brüssel sprengt die Ketten, die Wirtschaft öffnet ihre Schatullen. Investitionen und Fördergelder sollen kleine und mittlere innovative Unternehmen ohne allzu viel bürokratischen Aufwand erreichen.


Mi, 26.01.2011 0

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13.12.2009

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