Subkultur, Antifa & RUHR.2010 - Das Art-Attack-Festival im AZ-Mülheim als Beispiel für eine ausstehende Debatte
Das ArtAttackFestival rückt näher. An diesem Samstag präsentiert die Konzeptgruppe souslespavés im AZ-Mülheim ihre Variante eines Kunstfestivals- auch im Rahmen von RUHR.2010.
Anstatt hier auf das pralle, volle und herausragende Programm hinzuweisen, dass souslespavés auf die Beine gestellt hat (dies findet sich übersichtlich geordnet auf der Webseite), möchte ich an dieser Stelle ein paar inspirierende Widersprüche darstellen mit denen das ArtAttackFestival, beispielhaft, zu schaffen hat.
Im Ankündigungstext für das ArtAttackFestival heißt es:
"Ein Festival, dass Ihnen aus Hochachtung vor Ihrem Menschsein nicht die gequirlte Scheiße kreativwirtschaftlicher Vorversuche für Kunst vormacht, sondern Ihnen zeitgenössische Arbeiten, veredelt mit dem sexy Anruch der Subkultur, zu erfahren anbietet."
Quelle: Artattackfestival.de
Dies lässt sich durchaus als Kampfansage lesen. Von Konsens in der möglichen Kreativwirtschaft lässt sich hier sicher nicht reden. Hier wird Kreativwirtschaft sehr deutlich und hierarchisch von Kunst abgegrenzt. Kreativwirtschaft ist ein "Vorversuch für Kunst". Und...
Ein bisschen Klieentelpolitik könnte zur vorläufigen Entschärfung der Rhetorik unterstellt werden, doch allein, dass diese Rhetorik notwendig erscheint, ist beispielhaft für den tiefen Graben, der, unter Umständen nicht einmal zwischen den Akteuren, sondern zwischen den Selbstverständnissen von Kreativwirtschaft und Kunst verläuft.
In seinem Artikel "Respekt. Mut. Fortschritt und Wandel oder Was wir brauchen, um die Ideenwirtschaft zu begreifen, und wie wir dabei eine Kulturgesellschaft werden" postuliert Dieter Gorny, künstlerischer Direktor der RUHR2010- GmbH:
"[...] wir brauchen einen neuen Kunstbegriff. Kunst, Kreativität und Wirtschaft müssen zueinanderfinden – und nicht Gegensätze sein. Erst dann werden sie die Grundlage für ein zukünftiges gesellschaftliches, wirtschaftliches und kulturelles Wachstum."
Quelle: http://www.yourmusicandmore.de/?p=477
Das Selbstverständnis des ArtAttackFestivals voraussetzend ist dieser Prozess bisher noch nicht in Gang gekommen.
Am ArtAttackFestival zeigt sich noch ein schöner Widerspruch. Das ArtAttackFestival selbst ist nämlich Teil der Local Heroes Woche in Mülheim und auf dem ArtAttack-Plakat (ich konnte im Netz leider keine Bilddatei finden), prangen wohlgeordnet in gleicher Größe drei Logos nebeneinander:



Vielleicht zeigt sich hier, was bereits im Rahmen der Hausbesetzungen der letzten Zeit aufflackerte: die Thesen zur Entwicklung einer freien kreativen Szene stehen auf seltsame Weise im Einklang mit linken Diskursen über autonome Freiräume und die RUHR.2010 GmbH scheint nicht darum herum zu kommen sich im Atemzug ihres Bekenntnis zur Kreativwirtschaft diesem Diskurs stellen zu müssen.
Diese Debatte steht aus und bietet eine Unzahl von ideologischen Fallstricken.
Wie ein Kunstbegriff aussehen könnte, der Autonomie zum Inhalt hat ohne sich politisch oder ökonomisch instrumentalisieren zu müssen, habe ich in anderen Artikeln versucht anzudenken.
Wenn überhaupt eine "Einigung" stattfinden soll, dann sind wir von dieser sicher weit entfernt.
Vorschaubild: artattackfestival.de
Anstatt hier auf das pralle, volle und herausragende Programm hinzuweisen, dass souslespavés auf die Beine gestellt hat (dies findet sich übersichtlich geordnet auf der Webseite), möchte ich an dieser Stelle ein paar inspirierende Widersprüche darstellen mit denen das ArtAttackFestival, beispielhaft, zu schaffen hat.
Kunst vs. Kreativwirtschaft
Im Ankündigungstext für das ArtAttackFestival heißt es:
"Ein Festival, dass Ihnen aus Hochachtung vor Ihrem Menschsein nicht die gequirlte Scheiße kreativwirtschaftlicher Vorversuche für Kunst vormacht, sondern Ihnen zeitgenössische Arbeiten, veredelt mit dem sexy Anruch der Subkultur, zu erfahren anbietet."
Quelle: Artattackfestival.de
Dies lässt sich durchaus als Kampfansage lesen. Von Konsens in der möglichen Kreativwirtschaft lässt sich hier sicher nicht reden. Hier wird Kreativwirtschaft sehr deutlich und hierarchisch von Kunst abgegrenzt. Kreativwirtschaft ist ein "Vorversuch für Kunst". Und...
Ein bisschen Klieentelpolitik könnte zur vorläufigen Entschärfung der Rhetorik unterstellt werden, doch allein, dass diese Rhetorik notwendig erscheint, ist beispielhaft für den tiefen Graben, der, unter Umständen nicht einmal zwischen den Akteuren, sondern zwischen den Selbstverständnissen von Kreativwirtschaft und Kunst verläuft.
In seinem Artikel "Respekt. Mut. Fortschritt und Wandel oder Was wir brauchen, um die Ideenwirtschaft zu begreifen, und wie wir dabei eine Kulturgesellschaft werden" postuliert Dieter Gorny, künstlerischer Direktor der RUHR2010- GmbH:
"[...] wir brauchen einen neuen Kunstbegriff. Kunst, Kreativität und Wirtschaft müssen zueinanderfinden – und nicht Gegensätze sein. Erst dann werden sie die Grundlage für ein zukünftiges gesellschaftliches, wirtschaftliches und kulturelles Wachstum."
Quelle: http://www.yourmusicandmore.de/?p=477
Das Selbstverständnis des ArtAttackFestivals voraussetzend ist dieser Prozess bisher noch nicht in Gang gekommen.
Ruhr 2010 + Antifa + Subkultur = ?
Am ArtAttackFestival zeigt sich noch ein schöner Widerspruch. Das ArtAttackFestival selbst ist nämlich Teil der Local Heroes Woche in Mülheim und auf dem ArtAttack-Plakat (ich konnte im Netz leider keine Bilddatei finden), prangen wohlgeordnet in gleicher Größe drei Logos nebeneinander:
Vielleicht zeigt sich hier, was bereits im Rahmen der Hausbesetzungen der letzten Zeit aufflackerte: die Thesen zur Entwicklung einer freien kreativen Szene stehen auf seltsame Weise im Einklang mit linken Diskursen über autonome Freiräume und die RUHR.2010 GmbH scheint nicht darum herum zu kommen sich im Atemzug ihres Bekenntnis zur Kreativwirtschaft diesem Diskurs stellen zu müssen.
Diese Debatte steht aus und bietet eine Unzahl von ideologischen Fallstricken.
Wie ein Kunstbegriff aussehen könnte, der Autonomie zum Inhalt hat ohne sich politisch oder ökonomisch instrumentalisieren zu müssen, habe ich in anderen Artikeln versucht anzudenken.
Wenn überhaupt eine "Einigung" stattfinden soll, dann sind wir von dieser sicher weit entfernt.
Vorschaubild: artattackfestival.de
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Do, 16.09.2010
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Kommentare
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15.06.2010 - 11:35
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Schöne Aktion, guter Artikel
begeistert bin ich allerdings noch mehr von Jons Statement. Schließlich hat er eine eindeutige und allgemeingültige Defintition von "Kunst" geliefert, und weiß vor allem auch ganz genau was KEINE Kunst ist. Wenn's geht bitte noch die Definitionen für "Punk" und "Humor" hinterherschießen, soviel Sicherheit in diesen Zeiten ist schließlich sehr beruhigend! ;)
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Es sei noch gesagt das es zum Thema 2010 eine Performance auf dem ART ATTACK geben wird.
bis dahin
sebba
Lieber Joscha, ein guter
Lieber Joscha,
ein guter Artikel, allerdings muss ich da doch noch was richtig stellen.
Zwar zitierst du unseren Plakattext richtig, aber in den Schlussfolgerungen tritts du dann fehl.
Wir behaupten nicht, dass Kreativwirtschaft ein "Vorversuch für Kunst" sei sondern postulieren, dass wir darauf verzichten den Rezipienten kreativwirtschaftliche Vorversuche (wie etwa diese riesgen Videoprojektionen auf dem U) für Kunst vorzumachen.
Die sind nämlich nicht nur definitiv keine Kunst, vielmehr handelt sich dabei um einen Vorgeschmack auf das Ausmaß an Unzumutbarkeit und Dominanz das die Reklame in den Städten zu ereichen trachtet.
Kunst, Kreativität, Design und Wirtschaft sind ja mit Grund Dinge die mit verschiedenen Namen belegt sind. Auch wenn Kunst nie ohne ökonomischen Rahmen darsteht, ja es sie ohne diesen gar nicht jenseits von Kirchendekorationen gäbe, so ist sie doch nicht mit Kreativität (die nämlich ein psychischer Mechanismus ist), Design was angewandte Gestaltung nach dem Regelement der Wirtschaft (die eine ausgemachte Scheiße, mittels derer die Menschheit sich selbst für unmündig erklärt und in Teilen zu Hunger und Elend verurteilt) ist zu verwechseln.
Bei Kunst besteht immer noch die Möglichkeit, dass von ihr eine aufklärerische Wirkung über ihr Rästel, ausgeht.
Während kreativwirtschaft es - meist wohl in Unkenntnis der eigenen Wirkungsweise - sich zur Aufgabe macht einen bestimmten Aspekt des menschlichen Seelenlebens der u.a. vor dem Wahnsinn schützt, restlos in Kapital schaffende Arbeitskraft zu überführen.
Zu den Logos: Wir sind uns über die ökonomischen Bedingtheiten unserer gesellschaftlichen Lage im Klaren und eben auch über die damit einhergehenden Widersprüche. Aber auch willens diese Ambivalenzen auszuhalten. Um das Art Attack zu starten brauchen wir eben Geld. und um das Geld zubekommen müssen wir eben dieses 2010 Logo verwenden. Das Antifa-Logo verwenden wir als bescheidenen Beitrag im Bilderkrieg eigentlich immer auf unserer Werbung.
An einer Debatte sind wir nicht sonderlich interessiert und die Gleichklänge in linksdeutschen Freiraumwünschen und kreativwirtschaftlicher Szene zeugen eben von der Einrichtung der Gesellschaft der beide entspringen.
Soweit das. Es liesse sich noch mehr schreiben aber wer liest schon die lab-Seiten :)
Ábschliessend ein (wohl etwas zu optimistisches Zitat) von Herrn Marx:
"Kunst ist nicht ein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet." Check das mal, Alter.
Liebe Grüße,
Jons