SolarWorld GT der Uni Bochum. Foto: Uni Bochum

Studenten auf Weltreise

Solarauto der Ruhr-Uni Bochum geht bei der World Solar Challenge in Australien an den Start

Mit dem selbst entwickelten SolarWorld GT startet ein Team aus 20 Bochumer Studenten eine Weltumrundung. Teamchef Tim Skerra erklärt die Idee hinter dem ambitionierten Trip.

 

Der SolarWorld Gran Turismo, das neue Solarauto der Hochschule Bochum ist fertig. Das Ziel der Studenten um Teamchef Tim Skerra: Der Lichtrenner soll Botschafter einer elektromobilen Zukunft werden. Als erste Etappe ihrer Mission planen die Konstrukteure derzeit die Teilnahme an der World Solar Challenge in Australien.

 

Acht Tage und 3000 Kilometer geht es ab dem 16. Oktober dann quer durch den fünften Kontinent. Von Darwin im Norden bis nach Adelaide im Süden. Die gute Nachricht: An Treibstoff und Raum wird es down under nicht mangeln. Doch die Konkurrenz ist stark: Die Bochumer messen sich als einzige deutsche Teilnehmer mit Studenten aus Indien, China, den USA und Südamerika, deren Mobile auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt sind. „Wir hingegen wollen die Langlebigkeit eines Solarautos beweisen“, sagt Projektleiter Tim Skerra, 23. Denn die Weltmeisterschaft der Solarmobile ist nur der Auftakt zu einer Weltumrundung, die die Studenten weiter nach Neuseeland und dann quer durch die USA führen soll.

 

Von Tischtennis zu Golf

 

Die Geschichte des „GT“, begann 1998, als das erste noch ziemlich rudimentäre Solarauto an der Uni vom Stapel lief. Nun, vier Modelle später, ist aus der „rollenden Tischtennisplatte“ ein Gefährt von der Größe eines VW Golf geworden. In der eigens gegründeten Solarcar-Manufaktur forschen und arbeiten Studenten aus den Fachbereichen Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik, Informatik, Vermessung und Geoinformatik. Skerra selbst studiert Wirtschaft. „Das Projekt steht jedem Fachbereich offen, demnächst möchten wir noch die Architekten mit einbeziehen“, sagt er.

 

Technisch ist der Zweisitzer ein hochkomplexes Gefährt. Das Besondere, sagt Skerra stolz, sei die vereinfachte Bedienbarkeit: „Zum ersten Mal könnte auch ein Laie das Auto fahren“. Die selbsttragende Karosserie aus Faserverbundstoffen erinnert an ein rundgelutsches Bonbon. Kein Wunder, die Aerodynamik wurde im Windkanal von Audi optimiert. Dach und Heck des SolarWorld GT zieren 1000 Solarzellen. Der an der Hochschule entwickelte Elektromotor („Loebbe-Motor“) leistet 4,2 kW (5,7 PS) und bringt das 260 kg leichte Gefährt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

 

Mercedes oder BMW klopfen noch nicht an

 

Die Gesamtkosten beziffern die Bochumer inklusive Arbeitsstunden auf rund eine Million Euro. Für einen Prototyp keine allzu hohe Summe – die ohne den namensgebenden Sponsor SolarWorld, dem drittgrößten Solarenergiekonzern der Welt, allerdings nicht aufzubringen gewesen wäre. Und Skerra, der gerade mitten im fünften Semester steckt? Hoffen er und seine Kommilitonen, bei den großen Autobauern als Solarexperten unterzukommen?

„Mit Autokonzernen ist es nicht einfach, aber durch solche Projekte hat man schon gute Perspektiven“, meint der Bochumer. „Dass Mercedes oder BMW bald von selbst anklopfen, glaube ich aber nicht.“ Die Klage über zu wenig gut ausgebildeten Nachwuchs hört man jedenfalls überall, wo Elektromobilitäts-Experten aufeinander treffen.

 

 

Mo, 26.09.2011 1

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Kommentare

Solarauto

Salut, das Solarauto ist auch vom Design her sehr schön gestaltet. Ich hatte sogar die Gelegenheit, einen Blick ins Innere werfen zu dürfen, 2010 auf der Composites Messe. In Essen waren auch wir Ruhrdesigner mit einem Stand vertreten (wir hatten Smudos grünen Rennwagen in nächster Nachbarschaft, aber dieser Solarwagen entspricht eindeutig mehr der guten Form :-) viele Grüße, Naemi Reymann p.s. Namensnennung Headline: Hochschule Bochum und Ruhr-Universität Bochum sind zwei verschiedene Fakultäten, hab ich auch schon mal verwechselt ;-)

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06.01.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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