
Studenten auf Weltreise
Solarauto der Ruhr-Uni Bochum geht bei der World Solar Challenge in Australien an den Start
- Serie: Bildung
Mit dem selbst entwickelten SolarWorld GT startet ein Team aus 20 Bochumer Studenten eine Weltumrundung. Teamchef Tim Skerra erklärt die Idee hinter dem ambitionierten Trip.
Der SolarWorld Gran Turismo, das neue Solarauto der Hochschule Bochum ist fertig. Das Ziel der Studenten um Teamchef Tim Skerra: Der Lichtrenner soll Botschafter einer elektromobilen Zukunft werden. Als erste Etappe ihrer Mission planen die Konstrukteure derzeit die Teilnahme an der World Solar Challenge in Australien.

Von Tischtennis zu Golf
Die Geschichte des „GT“, begann 1998, als das erste noch ziemlich rudimentäre Solarauto an der Uni vom Stapel lief. Nun, vier Modelle später, ist aus der „rollenden Tischtennisplatte“ ein Gefährt von der Größe eines VW Golf geworden. In der eigens gegründeten Solarcar-Manufaktur forschen und arbeiten Studenten aus den Fachbereichen Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik, Informatik, Vermessung und Geoinformatik. Skerra selbst studiert Wirtschaft. „Das Projekt steht jedem Fachbereich offen, demnächst möchten wir noch die Architekten mit einbeziehen“, sagt er.

Technisch ist der Zweisitzer ein hochkomplexes Gefährt. Das Besondere, sagt Skerra stolz, sei die vereinfachte Bedienbarkeit: „Zum ersten Mal könnte auch ein Laie das Auto fahren“. Die selbsttragende Karosserie aus Faserverbundstoffen erinnert an ein rundgelutsches Bonbon. Kein Wunder, die Aerodynamik wurde im Windkanal von Audi optimiert. Dach und Heck des SolarWorld GT zieren 1000 Solarzellen. Der an der Hochschule entwickelte Elektromotor („Loebbe-Motor“) leistet 4,2 kW (5,7 PS) und bringt das 260 kg leichte Gefährt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

Die Gesamtkosten beziffern die Bochumer inklusive Arbeitsstunden auf rund eine Million Euro. Für einen Prototyp keine allzu hohe Summe – die ohne den namensgebenden Sponsor SolarWorld, dem drittgrößten Solarenergiekonzern der Welt, allerdings nicht aufzubringen gewesen wäre. Und Skerra, der gerade mitten im fünften Semester steckt? Hoffen er und seine Kommilitonen, bei den großen Autobauern als Solarexperten unterzukommen?
„Mit Autokonzernen ist es nicht einfach, aber durch solche Projekte hat man schon gute Perspektiven“, meint der Bochumer. „Dass Mercedes oder BMW bald von selbst anklopfen, glaube ich aber nicht.“ Die Klage über zu wenig gut ausgebildeten Nachwuchs hört man jedenfalls überall, wo Elektromobilitäts-Experten aufeinander treffen.
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