
Streiks der Zeitungsredakteure bringen erste Erfolge - ver.di noch nicht zufrieden
Gerechte Löhne sind Interpretationssache. Das Ergebnis von Tarifverhandlungen ebenfalls. So lässt sich erklären, dass der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Gewerkschaft ver.di als Arbeitnehmervertreter das Ergebnis der gestrigen Verhandlungsrunde in Hamburg mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) über die zukünftige Entlohnung von knapp 14.000 bei Tageszeitungen angestellten Redakteuren durchaus unterschiedlich bewerten.
Zwar sprechen sowohl DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring als auch sein ver.di-Pendant Matthias von Fintel von einem „wesentlichen Schritt nach vorne“, doch während sich Döhring konkret darüber freut, dass „der Dumping-Tarifvertrag für Berufseinsteiger vom Tisch“ sei, moniert die Gewerkschaft primär in ihrer Presseerklärung auch das neue Angebot des BDZV als „unzureichend“.
Auf Nachfrage erklärt DJV-Pressereferent Hendrik Zörner die positive Bewertung der Gespräche seitens seines Verbandes: „Die Zeitungsverleger haben sich nach neun Monaten erstmals von ihren Maximalforderungen wegbewegt.“ Nun bestehe erstmals konkrete Hoffnung auf eine Einigung. Einen Zeitraum zu nennen, wann diese erzielt werden könne, sei allerdings aktuell nicht seriös.
98% bei Urabstimmung für Streiks
Zörner hob nochmals hervor, dass die jüngsten Streiks in den Redaktionen einen beträchtlichen Teil dazu beigetragen hätten, dass es überhaupt zu Zugeständnissen der Arbeitgeberseite gekommen sei. In einer Urabstimmung hatten sich zuvor 98% der Stimmberechtigten in NRW für den Arbeitskampf entschieden.
„Wir werden versuchen, Druck im Kessel zu machen“, gab sich ver.di-Sekretär Rainer Sauer gegenüber 2010LAB Ende Juni kämpferisch. Erst gestern kam es wieder u.a. bei den WAZ-Titeln sowie den Landesredaktionen der BILD zu Arbeitsniederlegungen.
Als ersten Erfolg der Streiks darf die Abkehr des BDVZ vom zitierten „Dumping-Tarifvertrag für Berufseinsteiger“ bewertet werden. Dieser hatte 15% weniger Einstiegsgehalt als derzeit gültig vorgesehen. Auch in den Bereichen Altersvorsorge und Urlaubsgeld zeigt sich die Verleger-Seite kompromissbereit.
ver.di fordert Nachbesserungen
Allerdings kritisiert ver.di, dass der neue Arbeitgeber-Vorschlag Einbußen im Laufe der folgenden Gehaltsstufen vorsehe. Zudem seien die angebotenen Tariferhöhungen für die derzeit Beschäftigten aus Gewerkschaftssicht „nicht befriedigend“.
In der breiten Medienlandschaft selbst ist der Arbeitskampf der schreibenden Zunft momentan indes nur Randnotiz, während gleichzeitig allerorts die Streikandrohung der Fluglotsen für morgen Vormittag thematisiert wird. So ist das dann, wenn der Ausfall von ca. 2500 Flügen „in den eigenen Reihen“ weit dramatischer eingeschätzt wird, als der schleichende Werteverfall (im mehrfachen Sinne) der Ware Zeitung.
Fotos: ver.di/Rainer Sauer
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