
"Streetwear ist kein Abverkauf": Boom! Store eröffnet in Bochum
- Serie: CREATIVE QUARTERS RUHR
Bei den DJ-Sounds, die beim Pre-Opening durch den Bochumer Boom! Store wummern, ist an Verkaufsgespräche nicht zu denken. Geschäftsführer Volker Brunswick und Mehmet Aydin, für Events & Marketing zuständig, haben sowieso erstmal anderes im Sinn.
Zwar hängen bereits die ersten Decks an der Wand, doch zu Beginn steht die Ausstellung von Street-Art-Künstler Swanski im Fokus. Damit geben Brunswick/Aydin gleich die Richtung vor, denn der Boom! Store will mehr sein, als ein reiner Skate- und Streetwear-Laden. „Streetwear ist eine Kultur und kein Abverkauf. Wir sind ganz bewusst ins Bermudadreieck gegangen und wollen die Ballermanntendenz umdrehen“, betont Brunswick, während im Hintergrund die Vorab-Premiere der Street-Art-Doku „Operation Tirana“ über die große Videoleinwand flimmert.
Schnittstelle zwischen Bochumer Innenstadt und Bermuda-Dreieck
Den Boom! Store sehen seine Betreiber in Zukunft – am 3. September ist reguläre Eröffnung – als Schnittstelle zwischen der belebten Innenstadt und der Kneipenmeile auf der einen Seite sowie dem „Viertel Vor“ Ehrenfeld und dem Rotunde-Areal auf der anderen Seite. Nach Ansicht von Brunswick (Foto), Leiter der Marketing-Agentur vivamo, sei im Ruhrgebiet und darüber hinaus generell einen großen Markt für Action-Sports-Artikel vorhanden: „Der wird aber nicht richtig bedient.“
Im Oktober letzten Jahres war er über die ISG Bermuda3Eck auf die Immobilie mit 230qm Verkaufsfläche aufmerksam geworden. Zudem sind 170qm nutzbaren Kellerbereich und 400qm Dachfläche vorhanden, mit denen die neuen Mieter noch so einiges vorhaben. Zunächst hat Swanski die von der Bahnstrecke gut sichtbare Außenfassade mit einem überdimensionalen Wandgemälde verschönert.
Von Ordnungsbehörden und Bußgeldbescheiden unbeirrt
Für das nächste Jahr ist dann ernsthaft ein Skatepark in luftiger Höhe geplant. Vorausgesetzt die örtlichen Behörden spielen mit. Das war bis dato, positive Erfahrungen mit der hiesigen Wirtschaftsförderung ausgenommen, noch nicht wirklich der Fall. So gab es für die jüngste Ausstellung erst einen Tag vor Beginn grünes Licht und dem privaten Flohmarkt, der am Bochum-Total-Sonntag das Pre-Opening beschloss, wurde gänzlich die Genehmigung verweigert. Volker Brunswick hat ihn trotzdem durchgezogen, Bußgeldbescheid hin oder her.
Der Geschäftsführer und sein Partner Aydin (Foto) lassen sich in solchen Dingen nicht beirren und planen von Anfang an ein langfristiges Engagement vor Ort. Über fünf Jahre läuft ihr Mietvertrag mit Option auf zehn weitere. Neben dem Anspruch, demnächst alle relevanten Streetwear-Marken im Sortiment zu haben, ist es den Betreibern ein zentrales Anliegen kulturelle Akzente zu setzen. „Wir werden ganz gezielt Events fahren“, kündigt Brunswick weitere Ausstellungen und Partys an. In diesem Kontext ist u.a. eine Kooperation mit der Chrome-Galerie von Marcus Welt im unweit entfernten Ehrenfeld fest eingeplant.
Wird tatsächlich in absehbarer Zukunft noch der Skatepark auf dem Dach Realität, dann dürften sich Boom! Store und benachbarte Rotunde vor allem für junge Leute als Trendspot im Viktoria-Quartier etablieren.
Fotos: Michael Blatt (Aufmacher, Text1/2), Boom! Store (Text 3/4/5)
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