
Stetig aufwärts
- Serie: EUROPE IN SHORTS
Von Marieke Steinhoff. Die Vergabe der Oscars spiegelt den in den letzten Jahren stetig wachsenden internationalen Erfolg der spanischen Filmlandschaft wider – 2000 gewann der „spanische Vorzeigeregisseur“ Pedro Almodóvar mit TODOS SOBRE MI MADRE den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film, 2005 folgte Alejandro Amenábar mit MAR ADENTRO, 2008 bekam der Schauspieler Javier Bardem als erster Spanier einen Oscar als bester Nebendarsteller, 2009 wurde wiederum Penélope Cruz als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet, und 2010 gewann die argentinisch-spanische Koproduktion EL SECRETO DE SUS OJOS die begehrte Trophäe. Mit einem Inhaltsspektrum von Homosexualität über Prostitution bis hin zur Sterbehilfe berühren zeitgenössische spanische Filmemacher wie Almodóvar, Amenábar oder auch Julio Médem Themen, die lange Zeit undenkbar waren.
Film im franquistischen Spanien
Im franquistischen Spanien (1936-1977) waren die Arbeitsbedingungen für unabhängige und kritische Filmemacher infolge der scharfen Zensur und den fehlenden Subventionen für Filme „ohne kulturelle und soziale Werte“ extrem ungünstig. Demgegenüber dominierten dank der billigen Produktionsmöglichkeiten in Spanien ausländische Koproduktionen mit bevorzugt leichter Unterhaltung die damalige Filmlandschaft, welche zwar Erfolge beim einheimischen Kinopublikum verzeichnen konnten, international aber ohne Resonanz blieben. Als Ausnahmen gelten hier insbesondere Luis García Berlanga, Juan Antonio Bardem, Luis Buñuel (der allerdings einen Großteil seiner Filme im Ausland drehte) und Carlos Saura, der dank einiger internationaler Auszeichnungen relativ unabhängig arbeiten konnte. Mit dem Ende der Diktatur änderten sich langsam die Arbeitsbedingungen – 1977 wurde die Zensur faktisch aufgehoben und ermöglichte so ein völlig neues Themenspektrum, welches sich die jüngere Generation rund um Almodóvar nur zu gerne annahm.
Schulen und Plattformen für den Nachwuchs
Junge Filmemacher haben im heutigen Spanien die Möglichkeit, sich an den nationalen Filmschulen ausbilden zu lassen, deren bekannteste Vertreterin die ECAM – Escuela de Cinematografía y del Audiovisual de la Comunidad de Madrid ist. Darüber hinaus gibt es in Madrid noch die Escuela de Artes Visuales sowie in Barcelona die Escola Superior de Cinema i Audiovisuals de Catalunya. Eine wichtige Plattform für den Filmnachwuchs wie auch für etablierte Filmemacher stellen die heimischen Filmfestivals dar, darunter insbesondere das Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián (gegründet 1953) sowie für den Dokumentar- und Kurzfilmbereich das Festival Internacional de Cine Documental y Cortometraje (seit 1958) in Bilbao. Ebenfalls von großer Bedeutung für die spanische Filmproduktion ist die Vergabe des Goya (seit 1987), der von der Akademie der Künste und der cineastischen Wissenschaften vergeben wird.
Filmförderung in Spanien
Die Förderung des spanischen Gegenwartsfilms liegt zu einem Großteil in den Händen des ICAA – Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales, das eine eigenständige Einrichtung des Ministeriums für Kultur ist und exklusiv von der Regierung finanziert wird. Die Filmförderung kann entweder selektiv durch Finanzierungshilfen in der Vorproduktionsphase oder automatisch durch Zuschüsse nach Abschluss der Produktion erfolgen. Bei ersterem gewährt das ICAA finanzielle Hilfe bei der Entwicklung von Erstlings- und Zweitwerken sowie künstlerisch wertvollen Filme (Kurz- und Langfilm), bei zweitem werden Förderungen nachträglich in Form eines Zuschusses vergeben (Amortisationsförderung). 2010 stellt das ICAA rund 83 Millionen Euro für die Filmförderung zur Verfügung, wobei der Großteil (52,4 Mio. Euro) in die Amortisationsförderung von Spielfilmen fließt. Demgegenüber stehen für die Kurzfilmproduktion 1,9 Mio. Euro bereit.
2009 wurden in Spanien 186 Filme produziert, 51 davon koproduziert, aber nur 137 Filme schafften es auf die Kinoleinwand, und nur fünf Filme erreichten die Eine-Million-Besucher-Marke. Eine wachsende Anzahl von Institutionen und Filmschaffenden fordert daher eine Reformierung des Fördersystems; anstelle von Quantität soll in Zukunft die Anzahl der Filmproduktionen gesenkt und dafür größere und ambitioniertere Projekte gezielt unterstützt werden. Ob und wie dieser Forderung Rechnung getragen wird, ist bis dato noch nicht abzusehen.
Links
- Allgemeines zur europäischen Kinolandschaft
- Seite des ICAA – Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales
- Akademie der Künste und der cineastischen Wissenschaften
- Escuela de Cinematografía y del Audiovisual de la Comunidad de Madrid
- Escuela de Artes Visuales
- Escola Superior de Cinema i Audiovisuals de Catalunya
- Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián
- Zinebi – Festival Internacional de Cine Documental y Cortometraje
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