Der Mathe Tower an der TU Dortmund (c) noodles_do

Statistisch gesehen eine solide Investition

Ein Studium an der Fakultät für Statistik in Dortmund ist etwas Besonderes

Eine Statistik soll eine systematische Verbindung zwischen Erfahrung und Theorie herstellen. Für ausgebildete Statistiker eine Kleinigkeit. Was kaum jemand weiß: Die wirklich Guten ihres Fachs waren nicht selten einst Studenten an der Technischen Universität in Dortmund. Die dort ansässige Fakultät für Statistik ist in Deutschland ein Unikat.

 

An beinahe jedem Tag der Woche werden wir Deutschen durch diverse Medien und Informationsportale über die neuesten Statistiken und Auswertungen aus jedem erdenklichen Themengebiet in Kenntnis gesetzt. Ob sie nun über die Hochrechnung der aktuellsten politischen Wahlergebnisse oder über mögliche Medikamenten bedingte Nebenwirkungen und die Häufigkeit ihres Auftretens informieren, nur selten macht man sich wirklich bewusst, in welchem Umfang sich das Zahnrad „Statistik“ in unserer Gesellschaft dreht.

Über jene Unabdingbarkeit des Fachgebiets sind sich zumindest die Studenten der Fakultät für Statistik an der TU Dortmund mehr als bewusst. Mit einer Arbeitslosenquote von gerade mal 1% seit Eröffnung der Fakultät wird klar: Deutschland braucht gute Statistiker.

Deren Einsatzspektrum ist enorm vielfältig und entsteht nicht nur aus dem hohen Bedarf des Staats an Statistiken; auch Großkonzerne, die Pharmaindustrie und Medienlandschaft und private Institute benötigen valide Zahlen und Vergleiche. Besonders in den Medien ist ein statistisches Grundwissen bei Journalisten hilfreich und beim Arbeitgeber gern gesehen, weshalb auch die Dortmunder Journalistikstudenten während ihres Studiums ein Semester Statistik als Pflichtveranstaltung absolvieren müssen. „Denn ohne Statistik geht’s im Journalismus nicht!“, behauptet Prof. Dr. Walter Krämer, Leiter der Fakultät für Statistik in Dortmund. Sicherlich bieten sich diverse Möglichkeiten für Studenten und Interessenten mit einer gewissen Affinität für Mathematik und einem angemessenem Abstraktionsvermögen, auch anderweitig als Statistiker und Ähnliches ausgebildet zu werden, jedoch ist es die TU Dortmund, die als einzige mit einer reinen Fakultät für Statistik von der Pieke auf lehrt, was ihre Absolventen so begehrt für die zukünftigen Arbeitgeber macht.

 

Inspiration aus dem Ausland

Die Idee, eine reine statistischen Fakultät zu gründen, kam dem ehemaligen Professor des Dortmunder Lehrstuhls für VWL, Frank Münnich, nach Beendigung seiner Tätigkeiten in den USA Anfang der siebziger Jahre. Dort ist ein „department of statistics“ nämlich an jeder seriösen Universität zu finden und so sollte auch Dortmund zum Sommersemester 1973 um diese Spezifizierung bereichert werden. Mit Friedhelm Eicker als erstem unterrichtenden Professor der Fakultät entwickelte sich das Projekt zu einem Erfolg. Es gliedert sich mittlerweile in zwölf Institute, Lehrstühle und Arbeitsgebiete; von seinen bislang knapp eintausendzweihundert Absolventen sind bereits einundsechzig selbst Professoren. Die übrigen finden sich statistisch gesehen nach dem Studium am häufigsten in der Pharmaindustrie oder Wirtschaft wieder.

Doch trotz ihres Erfolges sucht die Fakultät für Statistik unter ihrer aktuellen Leitung von Prof. Krämer vergeblich ihresgleichen, was gegebenenfalls an einer mangelnden Beliebtheit für die Materie liegen könnte. Doch von Statistik als „trockenem“ Fachgebiet wollen Dortmunder Studenten wie Philipp Probst, fünftes Semester, nichts wissen. Kurz vor seinem Auslandssemester in São Paulo ist er sich der Vorteile seiner Ausbildung bewusst. Denn die Arbeit auf diesem Gebiet bedeutet größtenteils auch ein Anpassen an die sich ständig wandelnden Bedingungen des Umfeldes und bietet somit auch von vielen gewünschten beruflichen Abwechslungsreichtum. Ebenso ist es ein Trugschluss zu denken, bei Statistik handele es sich um eine eher männerlastige Fachrichtung. Das Interesse für ein Statistikstudium und die damit verbundene Einschreibung ist im Geschlechterverhältnis ausgeglichen.

 

Die Kapazitäten sind vorhanden

Somit steht am Ende des Tages beziehungsweise am Ende des Studiums das Tor zur großen, weiten Welt der Statistik weit offen für die etwa 60 Absolventen, die von den circa 100 zu Beginn übrig bleiben. 

Wenn es nach Matthias Arnold, Studienberater und Mitarbeiter der Fakultät, ginge, so könnte die Fakultät in Dortmund, was ihre zukünftigen Studenten betrifft, "durchaus mehr vertragen!“

 

Mo, 13.02.2012 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

02.01.2012

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

[STUDY] Deutsche daddeln krankhaft http://t.co/hGmfDOzS /RT @schwarzesgold
[RANT] Danke! RT @SIMPLIFYmatters: @LABKULTUR interessante Tweets & Anregungen rund um die #Kulturzeit Sendung, top! BG _cR
[JOB] New Job Circus: Impressionen von der KickOff Veranstaltung @CnBConvention http://t.co/hRs6inwh #njc12 /RT @schwarzesgold
[CULTURE] #Kulturinfarkt ITW Teil 4: Die Frage nach dem öffentlichen #Kulturauftrag. http://t.co/ECIDqTFA #LABKULTUR