
stART11: Die digitalen Geschichtenerzähler
Über transmediales Storytelling
Ortswechsel im dritten Jahr für die stARTConference: Von der Mercatorhalle im Herzen der Stadt geht es in das Kreativquartier Ruhrort. Die Haniel Akademie sowie die ehemalige Calvinistenkirche boten Raum für die Frage, wie transmediales Erzählen in der digitalen Welt gelingen kann.

Wer auf Google+ versucht, Marcus Brown zu folgen, der kann nicht sicher sein, ob es die wirkliche Person an sich ist oder nur eine weitere Inkarnation. Marcus Brown zeigt dabei, wie diese fiktiven Charaktere im Netz an sich funktionieren können. „Sie müssen genau so reagieren
wie richtige Charaktere“, so Brown. Für „JackTheTwitter“ schuf er eine 40-seitige Backstory, die zwar nicht veröffentlicht werden wird, die aber als Basis für den Charakter wichtig ist. „Streamtelling“
nennt Marcus Brown sein Konzept, in dem die fiktiven Persönlichkeiten Anregungen aus den vielen „Strömen“ der Tools bekommen - ob Twitter, Facebook, Blog. Sie bewegen sich dabei mehr und mehr in der Mitte einer Geschichte, ein Ende ist dabei oftmals gar nicht so sehr in Sicht. Den Charakter von „JackTheTwitter“ könnte er jederzeit wieder auferstehen lassen.

Verkäufer diese Techniken anwandten, um Leuten Dinge zu verkaufen. Dabei ist das Neuro Linguistische Programmieren nur ein Werkzeug, das man anwenden kann, aber nicht immer anwenden sollte.“ Die Grundlagen aber sind übertragbar: „Alles was uns ähnlich ist, dafür empfinden wir Sympathie.“ So kann man vorab Gemeinsamkeiten herausfinden und gezielt mit in die Geschichte einfließen lassen. Und wie baut man eine transmediale Geschichte dann auf? Frank Tentler setzt als Strategie für Storyteller auf Listen, Learn und Lead - erst zuhören, die Influencer finden, dann von anderen Beispielen und Vorbildern lernen, bevor man schließlich das Themenfeld für sich besetzt und dort sicher führen kann. Auch Patrick Breitenbach sieht das ähnlich, wenngleich er das ausdifferenzierter betrachtet:
Charisma, Geschichtenerzähler, vielleicht auch der Hang zum Brechen von bestehenden Mustern - als Beispiel diente dafür Chilly Gonzales Konzert mit dem RSO Wien, der Elemente von Hip-Hop und das Stagediven des Rockkonzertes in den klassischen Kontext bringt. Christoph Müller-Girod stellte in der abschließenden Diskussion fest, dass Social Media alternativlos sei und verwies auf das Beispiel des
Podiumfestivals, welches mit jungen Akteuren die neue Generation des kostengünstigen digitalen Marketing darstellt und intuitiv die ganze Bandbreite der Sozialen Netzwerke und Werkzeuge erfolgreich bespielt.
Der ehemalige Calvinistenkirche gebührt der Titel des eindruckvollsten Konferenzortes des Jahres - die Mercatorhalle jedenfalls wurde nicht vermisst. Und da die Teilnehmerzahl auf an die 200 Teilnehmer begrenzt wurde, war das Ins-Gespräch-Kommen, das Netzwerken untereinander einfacher als im letzten Jahr. Kurz und schlicht: Umzug gelungen. Man darf gespannt sein, auf die stART12. Deren Thema passend zum Gerhard-Mercator-Jahr in Duisburg: „Navigare“.
Text: Christian Spließ
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