Stadt der Zukunft: „Ein neues Miteinander ausprobieren“

Wir kennen ihn als Gründer des Unperfekthauses: Reinhard Wiesemann, Ex-IT-Unternehmer aus Essen, hat seit 2004 einiges an kreativer Anarchie in die Stadt gebracht. Nun startet er das neue Projekt „GenerationenKult“: Es geht um Arbeiten für Freiberufler und Wohnen für Senioren unter einem Dach.

Reinhard Wiesemann
Reinhard Wiesemann
Herr Wiesemann, nach der Etablierung des Unperfekthauses haben Sie nun eine neue leerstehende Immobilie erworben. Was haben Sie in der nördlichen Essener City vor?


Ich möchte einige neue Konzepte für das Leben und Arbeiten in der Innenstadt ausprobieren. Ursprünglich hatte ich zwei Ideen ohne offensichtlichen Zusammenhang: Ein zeitgemäßes Wohnen im Alter und ein schönes Arbeiten für Freiberufler. Während eines Strandspaziergangs in Florida fiel mir aber auf, dass beides sehr gut zusammengehen kann.

Das ist zunächst kaum vorstellbar...

Mit ein bisschen Phantasie und der Kenntnis der Immobilie ist es das schon: Wir haben hier in der Viehofer Strasse fünf Stockwerke und 2500qm Platz. Es ist Raum für wunderbare Gemeinschaftsflächen, neue Co-Working-Konzepte und für Appartements für Senioren und Studenten vorhanden. Dazu kommen planen wir noch Konferenzräume für Kreative und verschiedene kleine Shop- und Gewerbekonzepte im Erdgeschoss.

Dann führen Sie uns doch mal durch die Stockwerke!

Ganz oben wird es eine Dachterrasse geben, auf die ein Wintergarten mit offener Küche gebaut werden soll. Hier kann jeder Bewohner Kochen und Grillen. Die Küchenschränke sind wie im Supermarkt immer voll und die Bewohner können per Chipkarte die entnommenen Waren bezahlen. Auf der Terrasse bauen wir außerdem Obst und Gemüse an.

Klingt Lecker. Aber werde ich als Freiberufler denn auch einfach nur einen Schreibtisch mieten können?

Natürlich. Auf der 5. Etage wird es ein offenes Co-Working-Büro geben – ebenfalls mit Dachterrasse und Blick über die gesamte City. Für die Inneneinrichtung lasse ich mich vom Google Office in Zürich inspirieren, in dem der Raum z.B. durch Ruhezonen mit Hängematten, kleine „Strandbars“ oder Seilbahngondeln als Mini-Konferenzkapseln aufgeteilt wird. Wir richten das Büro als künstlichen Garten ein – und können uns in Gießkannen und Blumentöpfe zurückziehen. Von der Küche gelangt man übrigens über eine Rutsche ins Büro.

Das müsste genug Schwung für den Tag geben. Wo bringen Sie denn die Senioren unter, die es etwas ruhiger angehen lassen müssen?

GenerationenKult-Haus, Essen
GenerationenKult-Haus, Essen
Eins möchte ich klarstellen: Das GenerationenKult-Haus soll kein Altersheim werden. Unsere Mieter sollten schon jung im Herzen sein. Aber davon gibt es ja immer mehr, ich werde selbst auch ein Apartment anmieten. Auf den Etagen 2 bis 4 entstehen 24 dieser seniorengerecht eingerichteten Wohnungen.

Wie sieht der Mehrwert für beide Parteien, für alt und jung, aus?

Es geht mir um ein neues Miteinander, eine neue Interaktion zwischen jung und alt. Vielleicht können die Experten unter den Rentnern die jungen Kreativen bei Themen wie Buchhaltung oder Marketing helfen. Und sich im Gegenzug, wenn die sozialen Kontakte weniger werden, weiterhin ins Leben eingebunden fühlen

Mit dem Unperfekthaus erreichen Sie 2010 voraussichtlich die Gewinnzone. Wann wollen Sie mit dem „GenerationenKult-Haus“ Geld verdienen?
Ich habe keinen Businessplan. Bei Projekten, die völlige Innovationen sind, gibt es auch gar keine Vergleichswerte. Genauso wie das UpH ist das GK ein Experiment – mit unvorhersehbarem Ausgang.

Die nördliche Innenstadt Essens ist im letzten Jahrzehnt ziemlich auf den Hund gekommen. Nun gibt es Konzepte des Investors Wolff und der Immobilien- und Standortgemeinschaft, mit denen das Stadtbild wieder aufpoliert werden soll. Warum glauben Sie an die Zukunft dieses Viertels?

Ich wollte ein Objekt in der Nähe des Unperfekthauses beziehen, da wir hier bislang gute Erfahrungen gemacht haben. Und die Konzepte der ISG sind gut – außerdem gibt es im Ruhrgebiet kein innerstädtisches Viertel, das so nah an einer Universität liegt.

Was hat die Kulturhauptstadt Ihrem Viertel gebracht?

Ich denke, dass RUHR.2010 das Beste war, was dem Ruhrgebiet passieren konnte. Wir spüren ein stark gewachsenes Interesse an Kultur und Kreativität – sowohl von Menschen, die nicht aus der Region kommen, als auch von Essener Bürgern. Das Unperfekthaus unterstützt die Kulturhauptstadt voll und ganz!


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Mi, 11.08.2010 0

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10.01.2010

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