
Speakers' Corner 2.0 - Wer reden will, der rede
- Serie: Kunst
Im Londoner Hyde Park steht das große Vorbild. Die Speakers’ Corner, die „Ecke der Redner“. Seit 1872 kann auf einem kleinen Platz des Parks jedermann seine Stimme erheben und seine persönliche Sicht der Dinge kundtun. Speakers‘ Corner, der Inbegriff der Rede- und Meinungsfreiheit, steht heute als Symbol für gelebte Toleranz. Am 6. Juni 2010 wurde die Ruhrvariante Speakers' Corner 2.0 eröffnet – zwischen dem Essener Einkaufszentrum Limbecker Platz und dem Künstlerhaus Unperfekthaus – von Jürgen Fischer, Programmkoordinator der RUHR.2010, und Reinhard Wiesemann, Inhaber des Unperfekthauses.
Das Recht auf freie Meinungsäußerung mit Beamer und Laptop
Die Speakers' Corner für die Metropole Ruhr soll zukünftig von allen Menschen – Einzelpersonen, Gruppen, Freundeskreise, Vereine – für Ansprachen genutzt werden. Frei nach Artikel 5 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Alle, die was zu sagen haben, können dies in der modernen Ausgabe der Speakers‘ Corner nicht auf einer Holzkiste, dafür auf einem Betonplateau tun. Eine fest installierte Leinwand bietet die Möglichkeit, mit Beamer und Laptop Präsentationen den letzten medialen Anstrich zu verleihen. Bänke für 40 Zuhörer bieten den passenden Präsentationsrahmen. Speakers‘ Corner ist eine Kooperation der Stadt Essen mit dem Unperfekthaus und wurde ausgewählt im Rahmen des EFRE kofinanzierten Operationellen Programms für NRW im Ziel StandortInnenstadt.NRW.
Erfindungen sind Kultur
Hans-Georg Torkel hat das Angebot als als einer der ersten Redner genutzt. Der Vorsitzende der KIT-Initiative Deutschland präsentierte nach dem Motto „Kultur ist nicht nur Kunst!“ mal eine ganz andere Kulturform: die Kultur des Erfinderwesens. „Wir machen uns stark für die Verknüpfung von Innovation und Bildung und wollen das beim 1. Europäischen Innovations- und Erfinder-Forum in Essen in einer Charta zur Kultur des Erfinderwesens festhalten.“
Eines der ersten Plädoyers hielt auch der Erfinder des Unperfekthauses Reinhard Wiesemann – für die Metropole Ruhr als Pool der Kultur und für die Wahrnehmung der Speakers‘ Corner: „Wir haben mit der Speakers‘ Corner ein Werkzeug, ein Instrument erschaffen. Und wie jedes Instrument braucht es eine Weile bis man es beherrscht. Wir hoffen, dass es angenommen wird.“
Unperfekthaus macht Gewinn
Parallel zur Einweihung der Speakers‘ Corner hat Reinhard Wiesemann das Unperfekthaus 2.0 mit neuer Fassadengalerie am Tag der Offenen Tür eröffnet: „Unser privatwirtschaftlich betriebenes Haus ist auf dem besten Weg nicht nur gesellschaftliche Gewinne zu stiften, sondern nach sechs Jahren mit hohen Verlusten auch Gewinne zu erzielen. Wir hoffen, das macht Mut für viele Unperfekthäuser in anderen Städten.“ Der Erfinder des Unperfekthauses hat mit dem Unperfekthaus ein Spielfeld für Kreative erschaffen und verwandelte die Zellen des ehemaligen Franziskanerklosters in Ateliers, Werkstätten und Diskussionsräume.
Reinhard Wiesemann plädiert dafür, „dass ganz viel auch mal nicht klappt.“ Denn getreu dem Motto seines Hauses „Perfektion unerwünscht“ glaubt er, dass es nicht die erste Idee ist, die funktionieren müsse, sondern, dass es auch oft genug erst die zehnte Idee sei, die letztlich auch wirtschaftlich funktioniere. Lernen gehöre eben dazu.
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Nutzkultur...
... find ich gut. Was Kunst ist, darüber lässt sich immer streiten. Aber das hier ist definitiv ein ordentliches Stück Kultur.