Sofa-Treff mit Thilo Sarrazin - Horst Wackerbarth zieht Bilanz

Schon zu Beginn der "Rote Sofa"-Begegnung im Duisburger Lehmbruck Museum zwischen Horst Wackerbarth und Kulturdezernent Karl Janssen auf der einen und Thilo Sarrazin auf der anderen Seite, hatte der antinationalistische Bildkünstler im Lehmbruck-Museum, in dem derzeit seine Ausstellung "Here & There" gezeigt wird, sichtlich distanziert gegenüber dem Autor von "Deutschland schafft sich ab" lediglich am Rand auf der Lehne Platz genommen.

Während Sarrazin im Anschluss einer Schlange an Anhängern deren Signierwünsche erfüllt und Geschenke (eine Ausgabe von "Das Dschihad-System" und einer CD mit dem Titel "Familienarchiv Sarrazin") entgegennimmt, zieht Wackerbarth im 2010LAB-Interview eine erste Bilanz:



Haben Sie den Verlauf des Abends so in dieser Form erwartet?

Wackerbarth: Ja, so etwas Ähnliches habe ich mir gedacht. Weil es ist das Publikum, es sind die Deutschen hier, um die ich normalerweise einen großen Bogen mache. Diese ganze Deutschtümelei.

War mit dem Verhältnis im Publikum in Bezug auf pro und contra Sarrazin zu rechnen?

Wackerbarth: Es war klar, dass es mehr pro Sarrazin ist. Denn es kostet 15 Euro und wer hier hingeht, das sind zu 80 Prozent die Fans. Die Leute reden so am Stammtisch und werden hier bestätigt.

Im Vorfeld gab es die Diskussion darüber, wer denn die Idee zu der Veranstaltung hatte. Wie war es denn nun wirklich?

Wackerbarth: Es war die Idee von Raimund Stecker (Anm. d. A.: Direktor des Lehmbruck Museum). Aber ich muss sagen, dass wir mit acht Leuten zusammen saßen und ich der einzige, der die Idee gut fand und den Vorschlag aufgenommen hatte.

Zu Beginn der Veranstaltung standen wir während des Vortrags von Thilo Sarazzin kurz draußen vor dem Eingang und sprachen über die Demonstranten, die in dem Moment von der Polizei am Zutritt ins Museum gehindert wurden. Sie sagten, dass Sie den Protestierenden eigentlich sehr nahe stehen, Sie aber einen anderen Weg gehen würden. Meinten Sie damit den Weg des Dialogs?

Wackerbarth: Heute war es ja kein Dialog. Es war eine Konfrontation. Man ist irgendwann auch voneinander soweit weg, dass da ein Dialog nur schwer möglich ist. Das ist wie Nordpol und Südpol.

Sie glauben also nicht, dass sich Andersdenkende bei solch einer ausgeprägten Form von verhärteten Fronten mit Argumenten von einer gegenteiligen Meinung überzeugen lassen?


Wackerbarth: Auf keinen Fall, zumal ich glaube, dass es eine reine Scheindebatte ist. Es ist eine Scheindebatte, die die Stammtische befeuert und ich glaube ja wirklich, dass diese Debatte auf so fruchtbaren Boden stößt, weil es so viele einzelne Menschen gibt, die davor stehen, vom Mittelstand in die Armut abzurutschen. Dann nehmen einem immer die Ausländer die Arbeit weg. Aber wenn die Schwarzarbeiter und Niedriglöhner nicht in den Küchen arbeiten würden, würde das Bier am Stammtisch wahrscheinlich vier Euro kosten, statt 1,80 €.

Inwieweit dient eine Veranstaltung wie die heutige dazu, auf ihre aktuelle „Here & There“-Ausstellung im Lehmbruck Museum aufmerksam zu machen?

Wackerbarth: Ich glaube, dass es der Ausstellung weder nützt, noch schadet. Die steht für sich. Es ist auch klar, dass so eine Ausstellung z.B. nicht eine derartige Aufmerksamkeit erfahren kann, wie ein populistisches Buch. Darum geht es mir auch nicht. Mir geht es darum, eine Kunst zu machen und diese Kunst nach meinem Wertesystem zu kreieren. Dann ist es mir letztlich auch egal, wie viele Leute das gut finden. Es gibt ja den alten Spruch: „Viele Fliegen sitzen auf dem Scheißhaus.“

Fotos: Michael Blatt


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Fr, 03.12.2010 1

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Kommentare

danke!

"...zumal ich glaube, dass es eine reine Scheindebatte ist. Es ist eine Scheindebatte, die die Stammtische befeuert und ich glaube ja wirklich, dass diese Debatte auf so fruchtbaren Boden stößt, weil es so viele einzelne Menschen gibt, die davor stehen, vom Mittelstand in die Armut abzurutschen. Dann nehmen einem immer die Ausländer die Arbeit weg. Aber wenn die Schwarzarbeiter und Niedriglöhner nicht in den Küchen arbeiten würden, würde das Bier am Stammtisch wahrscheinlich vier Euro kosten, statt 1,80 €."

das bringt diese ganze unsägliche "debatte" auf den punkt. trotzdem selten genug in dieser klarheit gesagt worden, in diesem jahr...

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05.01.2010

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