
The show must go on
Samstag, 29.8.2010
Der zweite Tag des Festivals Welttheater der Straße war nasser, kälter, aber besser besucht als der Freitag. Abenteuer beendet. Die nächste Show, bitte. Derweil ist in Gelsenkirchen was los. Die Meldungen weisen auf die Nach-Kulturhauptstadt hin. Nachhaltigkeit in Form von Verzicht. Das ist die neue Richtung.
Ballett in Kirky
Bernd Schindowski verlässt das Gelsenkirchener Ballett. Nach 32 Jahren! Wenn er geht, muss es richtig krachen. In Gelsenkirky muss das Theater eine Million einsparen. Ich kenne Schindowski seit er die Compagnie dort leitet, habe jahrelang Rezension über seine Schöpfungen geschrieben. Er geht in den Ruhestand, sieht aber immer noch aus, als sei er grad mal 40. Er ist 63. Schockschwerenot. Das erinnert mich an mich selbst, obschon ich da noch ein Stück weit entfernt bin.
Irgend ein Opa
Gestern in Schwerte sprach mich jemand an, ob ich derjenige gewesen sei, der auf dem Friedhof in diesem Kästchen gespielt habe. „Nein“, sage ich, “das war Thomas Kemper.“ „Sag ich doch“, sagt die Freundin, „es war auf jeden Fall ein älterer Herr.“ Huch. Zehn Minuten später kommt eine Gruppe Jugendlicher, ist ziemlich laut. Ich sage: „Haltet die Kappe!“. Da meint der eine zum anderen: „Da hat grad irgend son Opa gesacht, Du solls die Kappe halten.“ Ich muss mich anders kleiden. Was ist das denn? Das war die Dunkelheit. Es war dunkel in den Gassen Schwertes und ich hatte eine Windjacke an und eine Kappe auf. Das wird es gewesen sein.
Freunde kommen
Wenn man was neues künstlerisches ausheckt und es zeigt, unterstützt von vielen KünstlerInnen, dann will man doch auch, dass die lieben Nahen kommen, dass auch die kommen, die sich dafür interessieren, interessieren sollten. Will man das? Ja, natürlich. Noch eher will an das, als wenn man zu einer Party einlädt. Vor allem, weil es nicht wiederholbar ist und weil es nicht erzählbar ist. Aber die Wahrheit ist: Fast niemand aus diesem Kreis ist nach Schwerte gekommen. Das schmerzt mehr als jede miese Kritik. Es ist schlichtweg enttäuschend und brennt sich ein. Ändern tut es nichts. Man kann sagen, es ist auch Wut machend, bringt eine Nacht schlechten Schlafs und des Zweifels. Man sollte lieber Bilder malen oder dichten und alles in Schubladen verschließen oder vielleicht einmal die Woche aus einem Fenster werfen, dort, wo sich Menschen versammeln. Vielleicht bückt sich jemand und liest was auf, und sei es, um es in einen nahe liegenden Papierkorb zu werfen.
Die Welt dreht sich, morgen früh, wieder nach Steele, wo die Anwohner sich schon freuen wie Gremlins.
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