Viele kleine Läden bangen um ihre Kunden. Foto: Sven Neidig

Shoppen und die Welt retten

Bei „Cash Mobs“ treffen sich Konsum-Aktivisten, um dem lokalen Einzelhandel etwas Gutes zu tun

Die wichtigen Entscheidungen werden heute nicht mehr an der Wahlurne, sondern an der Supermarktkasse getroffen. Denn in einer Welt, in der Konzerne und wirtschaftliche Player über Lobbyismus die Weltgeschicke lenken, ist bewusster Konsum eines der letzten Mittel der Mitbestimmung.

 

Während große Ketten immer mehr den Markt übernehmen und Shopping Malls den Innenstädten gefährlich nahe rücken, klagen lokale Einzelhändler allerorts über Umsatzeinbußen und sind oft in Existenznot. Der kleine Tante Emma Laden vermag sich kaum gegen neue Supermärkte durchzusetzen, inhabergeführte Buchläden schaffen es nur noch dank treuer Stammkundschaft über die Runden und mit den Discounterpreisen von Media Markt und Co kann es der Elektrohändler um die Ecke schon längst nicht mehr aufnehmen. Auch die soziale Identität der lokalen Communities, die einst mit den kleinen Geschäften feste Orte im Viertel hatte, spielt bei Starbucks oder in den großformatigen Konsumtempeln keine Rolle mehr.

 

Finanzspritzen für die lokale Gemeinschaft

Im Zuge eines bewussteren Konsums breitet sich derzeit ein neuer Trend aus, der zum Ziel hat, den inhabergeführten Einzelhandel in Krisenzeiten unter die Arme zu greifen. Unter dem Label „Cash Mobs“ starten Aktivisten Shopping-Aktionen in zuvor via Internet ausgewählten lokalen Geschäften. Das Konzept wurde bei den in die Jahre gekommenen Flashmobs abgeschaut und ist so einfach wie genial: im Web wird abgestimmt, welchen Laden es treffen soll, dann verabreden sich alle Teilnehmer via Social Media, an einem bestimmten Zeitpunkt geschlossen den Laden zu „überfallen“ und dort für einen vorher festgelegten Betrag einzukaufen. Damit wir zum einen auf die prekäre Situation der kleinen Geschäfte aufmerksam gemacht, die Inhaber bekommen eine wichtige Finanzspritze und außerdem kann so ein soziales Event entstehen, bei dem sich Leute in ihrer Nachbarschaft wieder näherkommen.

 

In den USA und Kanada ist das Phänomen bereits weit verbreitet. Es wird dem Blogger Chris Smith aus Buffalo, NY, zugeschrieben, der mit einem Aufruf im August 2011 100 Leute mobilisierte, um in einem lokalen Weinladen einzukaufen. In Cleveland hat sich eine Gruppe herausgebildet, die seit November 2011 Cashmobs organisiert und erstmals unverbindliche Regeln formulierte. Die Idee des Cashmobs wird hier folgendermaßen beschrieben: „We’d help businesses grow, we’d make people happy, we’d get stuff for ourselves, have a great time, and maybe we’d get a drink to celebrate afterward.“ Die Gruppe hat auch versucht, im März den internationalen Cash Mob Day einzuführen.

 

Von Kanada bis Wien

Zu den Regeln für einen Cashmob gehört neben organisatorischen Richtlinien von den Abstimmungsmodalitäten bis zum auszugebenden Betrag aber auch, dass der glückliche Einzelhändler die zusätzlichen Einnahmen in irgendeiner Form wieder in die Gemeinschaft stecken muss – etwa, indem er sie in sein Geschäft investiert, das wiederum der Community zugute kommt.

 

Nach Deutschland haben sich Cash Mobs bisher noch nicht ausgebreitet, einzig in Wien hat der Trend bereits Fuß gefasst. Allzu lange dürfte es allerdings nicht mehr dauern, bis auch hier bewusste Einkäufer sich zusammentun, denn der deutsche Einzelhandel kann's ganz sicher gebrauchen und außerdem klingen die drei Faustregeln für einen gelungenen Cash Mob doch recht verlockend:

 

1.) Gib 20 Euro aus,

2.) triff drei Leute, die du vorher nicht kanntest und

3.) hab Spaß!

Di, 24.04.2012 0

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19.01.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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