
Shanghai – ein kleiner Einblick
- Serie: Kunst
Manchmal erscheint einem Shanghai wie ein Labyrinth - wie Tokio zum Beispiel, wo man verloren gehen kann in den Reißbrettstraßen und den internationalen Gerüchen und Geräuschen; aber von innen gesehen, sieht das Ganze etwas anders aus: die Bewohner der alten Häuser dort sind von dem schnellen Treiben in ihrer Stadt gar nicht begeistert.

Der 22. Dezember, erster offizieller Wintertag, ist ein wichtiger Tag im chinesischen Mondkalender: denn dort steht, dass der Frühlingsfesttag sonnig wird, wenn es an diesem Tag im Dezember regnet, und umgekehrt. Dieses Jahr ist es ein kalter sonniger Tag – also stehen die Chancen für das Frühlingsfest nicht allzu gut… Auf dem Weg zu meinem Büro komme ich an einem alten typischen Shanghai-Marktviertel vorbei, die Einheimischen bereiten Essen und kleine Zeremonien für diesen Feiertag vor – geschäftig und flink, aber sehr friedlich.

Für die Innenstadt von Shanghai st es allerdings kein friedlicher Tag, denn die Metrolinie 1 ist durch einen schweren Unfall komplett lahm gelegt, und mit ihr versinkt das ganze Metrosystem der Stadt im Chaos. Es ist nicht die schlechteste Art, durch ein derartiges Problem Shanghai näher zu beschreiben – man wird nicht von der glitzernden Lichterstadt geblendet.
Die Einwohner von Shanghai hegen dem städtischen Bahnsystem gegenüber misstrauische Gefühle, und wenn es ausgebaut werden soll, gibt es immer Diskussionen. Shanghai ist eine der ersten Städte, die Metros, also städtische S-Bahn- oder Zugverbindungen entwickelt haben, und die beiden zentralsten Ringe um die Stadt, der Zentral- und der Innenring, sind mit extrem vielen Knotenpunkten und Stationen gespickt. Aber wegen der Expo reicht das noch immer nicht, und so plant die Stadtverwaltung noch mehr Linien, um das Umland bedienen zu können – die elfte soll ab 2010 Shanghai mit der Provinz Jiangsu verbinden. Ich weiß nicht, wie das dann letztendlich aussehen wird, aber bis jetzt sind die Immobilienpreise sprunghaft gestiegen, die Straßen sind aufgerissen, das langsame Vorankommen des Bauvorhabens wirkt sich empfindlich auf das Leben der alteingesessenen Bewohner aus, in dem eh nichts mehr so ist, wie es einst war. Aber andererseits muss man das auch nicht zu ernst nehmen – die Bürger von Shanghai werden, sobald die Strecke fertig gestellt ist, den Fortschritt preisen, und alle Unannehmlichkeiten sind vergessen.

Shanghai und Tokio haben eines gemeinsam: einerseits den Verlust von Traditionen und andererseits die aufgepfropften generischen internationalen Werte-, Einkaufs- und Stylingkonzepte – das verursacht durchaus manchmal Verwirrung und Verlustgefühle. Anders gesagt: Shanghai ist eine moderne Großstadt mit der entsprechenden Dynamik – und keine Stadt, die von ihrem üppigen kulturellen Erbe zehrt. Dieses Phänomen ist im heutigen China weit verbreitet – in Shanghai breitete es sich zunächst schleichend, jetzt mit großer Geschwindigkeit aus. Was, wenn diese Dynamik plötzlich stagnierte?
Am Flussufer verbrennt ein 40-jähriger Mann vor sich hin murmelnd einige symbolische Geldscheine im Gedenken an seine verstorbenen Verwandten. Die Alten sagen, dass die Seelen der Toten das Gemurmel hören und ihre Familien segnen. Die Tradition der Grabpflege und Geldverbrennens bedeutet beständiges Erinnern, und das spendet den sehr alten Menschen hier sehr viel Trost: das Leben geht auch nach dem Tod weiter, während sie auch von den Lebenden nicht vergessen werden - so, wie es der Buddhismus lehrt. Sogar junge Chinesen respektieren diesen Brauch, auch in diesen modernen Zeiten, und durch diese Zeremonie ist der Tag besonders ruhig.
Was das mit dem Metro-Unfall zu tun hat? Durch ihn kommen viele Menschen nicht zu den Friedhöfen außerhalb der Stadt. Man sieht ihren Gesichtern, die in den Nachrichten auf dem Bildschirm erscheinen, durchaus die Angst nach dem Unfall an, und trotzdem haben sie etwas Entschlossenes: sie wollen auf jeden Fall immer noch dort hin. Außerdem noch in den Nachrichten: der Eurostar hat technische Probleme – eine Menge Europäer können zu Weihnachten nicht nach Hause, sondern stecken im Ärmelkanal-Tunnel fest. In diesem Moment teilen zwei ansonsten ganz verschiedene Kontinente ein Schicksal: das Bedauern, nicht zu einem Festtag da zu sein, wo man sein will.
Kein schlechter Anfang für eine Annäherung, oder?!
Ähnliche Beiträge
- Video: 2010Lab.tv präsentiert die Metropole Ruhr auf der Expo in Shanghai
- RUHR.2010 präsentiert sich auf der Expo in Shanghai
- Charles Landry: Expo Shanghai 2010 - Hilfe für bessere Städte?
----------------------------------
上海预览
新客迷失上海的那阵儿,上海一如东京般璀璨;殊不知,挂竹竿的阳台里煎熬百态,总是另一番光景。
通往公司的路上正好经过一片老石库门,时值冬至,节气里的大日子,居民们正在平静而忙碌着过节。古历说冬至大雨则正月晴,反之亦有效。今年冬至风寒日丽,是悲是喜暂且不语。
于上海,这一天不太平,因为地铁一号线出了撞车事故。从问题里开始上海之旅,可能更能做足准备,理性对待。
对 于市内轨道交通,我们有太多复杂的体会。上海是全国轨道交通发展较早的城市之一,目前已经在内环、中环构建了比较密集的网络系统。但是为了世博会,上海还 需要完善完善更完善。我不确定世博会最终会是什么样子,至少目前来说,它炒热了房价,破坏了一定的旧有生活秩序,还是给大家造成了一些困扰。那些迟迟不能 竣工的工程已经成了揭不掉的疮疤。也许我们都是好了伤疤忘了疼的人,等来年,也许我们都开始赞叹这轨道网的丰硕成果,却不知道这污染伤害已经不可撤消。
一个问题可能至今都还没有论证清楚:上海的轨交是为什么而建?交通便捷、城市扩张、环境需求还是产业效益?也许整个上海的产业都在思索这个问题,什么样才是更好的发展方向?这几年的城市发展,总是跟房地产紧紧挂钩,有没有创意不见得,有没有经典不见得,快得令人眩目……会不会是一场东成西就,自然有后来人检验。
上 海像东京,讲的是他们都对本源的抛弃,重新植入的多元形态另局外人迷失;但上海又仅仅是上海,虽然它的历史赋予了它足够多傲炫的资本,它却一直在谋求改 变。这样的动量在现在的中国很常见,但是放在已经根基庞大的上海,匍匐前进尚且会让人感觉到悬在空中的担忧,何况它在跳跃:这样庞大的机器应该以何种方式 才能保持运转而不嘎然而止。
顺 着河边的小路上,一位年长的男子低头默默点火,喃喃自语。老人说,那些灵魂会听到这些祷告,给现世的人祝福。这是冬至这天,中国人的传统风俗:给故去的家 人扫墓、烧去纸钱,代表一种思念与固本。这一份形式上的孝心更多的时候成了耄耋老人们最大的欣慰,死后能被惦念是精神上的永生,这与佛教里的注重来世是契 合的。所以你看到在高耸的商业写字楼间,还可以见到这样古老传统的习惯,人们对此的敬畏,亘古不灭。
地 铁的故障导致许多要到乡下墓地扫墓的人耽误了行程。电视里播送的节目看到了他们的惊慌和未能祭奠的惴惴不安,紧接着是新闻关于欧洲之星的故障导致很多欧洲 人不能回家过圣诞节,这一刻,欧亚大陆的两边在诉说着相似的故事。也是因为这些遗憾,我们感受到许多或被淡化或被遗忘的细微人情冷暖。
Kommentar hinzufügen
Kommentare
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets






























Expo 2010
Liebes Expo-Team....
wo sind die Videos geblieben die Ihr gedreht habt... ich vermisse diese schönen Aufnahmen..
Michael
Glück auf, Ruhrgebiet! jedem
Glück auf, Ruhrgebiet!
jedem von Euch würde ich ja wünschen, Shanghai mal mit eigenen Augen zu erforschen! Vielleicht nicht nur während der Expo, wo hier vieles dann "inszeniert" wird, sondern mal im Frühjahr oder Herbst vor- oder nach der Expo! Die Schönheit Shanghais liegt im Auge des Betrachters - jeder meiner Gäste hatte bislang ganz unterschiedliche Facetten der Stadt, neben Beijing eines der Kreativzentren Chinas, neugierig beäugt und lieben gelernt! Aus der YangtzeMetropole, CD